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Haan
Stadt will selbst Altkleider sammeln

Haan: Stadt will selbst Altkleider sammeln
Mit der eventuellen kommunalen Altkleidersammlung bleiben gemeinnützige Sammlungsaktivitäten unangetastet. FOTO: Olaf Staschik
Haan. Heute entscheidet der Hauptausschuss darüber, ob Altkleidersammlungen künftig in kommunalen Händen liegen sollen, um wild aufgestellte Container von Privatunternehmen zu vermeiden. Dabei will die Stadt den Wohlfahrtsverbänden aber keine Konkurrenz machen. Von Vera Straub

Wer aussortierte Kleidung nicht einfach in die Mülltonne wirft, begibt sich häufig zu einer Altkleidersammelstelle. Betrieben werden diese Sammelstellen und Altkleidercontainer von Kirchen oder Wohlfahrtsverbänden. Auch kommerzielle Verwerter der gespendeten Altkleider gibt es. Und aufgrund einer Gesetzesänderung könnte es davon bald noch mehr geben. Ein lukratives Geschäft: Derzeit werden rund 450 Euro pro Tonne bezahlt. Das weckt Begehrlichkeiten, nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch in den Städten.

So entscheidet die Stadt Haan heute im Haupt- und Finanzausschuss über den wirtschaftlichen Nutzen der alten Kleider, der letztlich auch dem Gebührenzahler zu Gute kommt. "Vorrangiges Ziel ist es aber, den zahlreichen wild aufgestellten Container von privaten Unternehmen entgegenzuwirken", erklärt Carmen Viehmann, Abfallberaterin der Stadt. Städtebauliche Verunstaltungen, Verkehrsgefährdungen, unzureichende Standplatzreinigungen, überfüllte Container und nicht erreichbare Ansprechpartner seien die Folge. "Deshalb ist es notwendig, die Erfassung von Alttextilien im Haaner Stadtgebiet in geordnete Bahnen zu lenken", so Viehmann. Und das wiederum könne ausschließlich durch die Stadt als zuständigem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (örE) erfolgen.

Sollte heute positiv über den Beschlussvorschlag abgestimmt werden, wird das Vergabeverfahren für den Vertragspartner eröffnet. Parallel dazu startet dann die Suche nach passenden Standplätzen, die ansprechend hergerichtet und durch das ausführende Unternehmen instand gehalten werden sollen. An wie vielen Stellen die kommunalen Container aufgestellt werden sollen, ist noch unklar. "Es gibt einen Richtwert, der besagt, dass ein Container pro 1000 Einwohner optimal wäre. Wir werden zunächst ausprobieren, welche Anzahl am besten funktioniert." Unangetastet bleiben in jedem Fall aber die bisherigen gemeinnützigen Sammelaktivitäten. "Die können weiterhin betrieben werden, während gewerbliche Sammlungen mit Einführung des städtischen Erfassungssystems verhindert würden", so Viehmann.

Raphael Harlos, Sprecher der Ortsgruppe Haan des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sieht keine Notwendigkeit, dass die Stadt auf dem Gebiet der Altkleidersammlung aktiv wird. "Vor langer Zeit haben wir, der DRK-Vorstand, an die Stadt geschrieben, um mitzuteilen, dass wir die Container gerne übernehmen möchten. Es ist sehr bedauerlich, dass das Deutsche Rote Kreuz scheinbar doch nicht infrage kommt", macht er seinem Unmut Luft. Das DRK in Haan führt zwei- bis dreimal jährlich eine Haussammlung durch. Zwischen zwölf und 18 Tonnen holen die ehrenamtlichen Helfer so vor den Haustüren in Haaner Straßen ab. Dieses Vorgehen hätte der Ortsverband Haan in Kooperation mit Haan-Gruiten gerne um ein flächendeckendes Container-Angebot erweitert. "Die Textilien, die wir sammeln, werden durch ein Unternehmen weiterverarbeitet. Nicht Tragbares wird wiederverwertet, alles andere wird verkauft. So wird aus einer Sachspende eine Geldspende", erläutert er. Und auf diese Spende könne die Hilfsorganisation nicht verzichten – im Gegenteil: "Der Erlös aus den Altkleidersammlungen ist uns eine große Hilfe im Haushalt, denn die öffentlichen Gelder werden verständlicherweise immer weniger und wir müssen mehr aus eigenen Mitteln stemmen", so Harlos.

Sollte der Rat positiv über die kommunale Altkleidersammlung entscheiden, stelle sich allerdings noch eine weitere Frage: "Dann überlegen wir, Container auf unserem privaten Grundstück aufzustellen, so dass die Bürger die Wahl haben, wo sie ihre Kleidung hingeben." Damit würde das DRK den Maltesern nacheifern, auf deren Grundstück seit einiger Zeit ein Container steht. "Es wäre schade, wenn man eine Sache, die lange Tradition bei den Hilfsverbänden hat, kommunalisiert."

Quelle: RP
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