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Zweite Chance
Haanerin rettet geistig behindertes Pferd vorm Schlachter

Hilden. Tina Recknagel ist gebürtige Haanerin, lebt aber seit vielen Jahren in

Stuttgart. Trotzdem ist sie regelmäßig im Rheinland zu Besuch. Im Sommer 2015 kam sie zu einem Pferd wie die Jungfrau zum Kind: Ihre Tochter nimmt Reitunterricht und die Mutter fährt sie regelmäßig zum Stall: "Während Sophia eines Tages ritt, spazierte ich über den Hof und mir fiel ein hübscher Kopf auf, der aus einer Box lugte: Capi! Beim näheren Betrachten fiel mir auf, dass er sehr mager und unsicher dastand." Da er der Reitlehrerin gehörte, erkundigte sie sich nach seinem Befinden und erfuhr, dass er von ihr unterversorgt und schlecht bewegt gekauft worden war. "Sie erhoffte sich - dank guter Blutlinie - großes Potenzial und sah schon eine erfolgreiche Karriere vor sich." Tina Recknagel beobachtete den Hengst regelmäßig und bekam mit, dass das Tier vor Schwäche oft umfiel und die Reitlehrerein nicht so mit ihm arbeiten konnte wie erhofft. "Mir tat er leid, wie er so da stand, also bot ich an, während Sophia ritt, zu putzen und zu misten." Dabei blieb es nicht: Nach diversen Unfällen und Verletzungen entschloss sich die Reitlehrerin, das Pferd abzugeben. Erst wollte sie es gegen ein anderes tauschen, dann war von Verkauf, Gnadenhof oder Schlachter die Rede. Tina Recknagel war entsetzt und entschloss sich dazu, den Hengst Captain Future B zu kaufen. In Absprache mit der Vorbesitzerin wurde das Tier zu seinem eigenen Wohle kastriert und ein Heilpraktiker übernahm das Training. Ein hinzugezogener Tierarzt gab ihr allerdings den Rat, den Wallach einschläfern zu lassen: "Er sei hochgradig im Bewegungsapparat gestört und damit eine Gefahr für sich und andere." Recknagel gab nicht so schnell auf: Dank der Behandlung durch Tierarzt und Heilpraktiker hat das Pferd zugenommen, steht jetzt sicherer auf seinen Beinen und fällt weniger häufig um. Weitere medizinische Untersuchungen brachten aber auch ernüchternde Ergebnisse: "Er ist geistig behindert. Es kann genetisch, durch einen Sturz, Misshandlung oder eine Zecke passiert sein." Ein MRT des Gehirns kann sich Recknagel nicht auch noch leisten. Ihr Ziel ist es, den erst vierjährigen Wallach in einen Zustand versetzen zu lassen, in dem er zehn Stunden auf der Weide stehen kann: "Er ist so glücklich und verschmust. Wir leben in einer Luxusgesellschaft. Warum darf ein behindertes Tier nicht leben?"

Solange sie es finanziell stemmen kann, will die Frau dem Tier ein schönes Leben bieten. Das geht aber derzeit nur mit regelmäßigen Trainingseinheiten beim Heilpraktiker. Sie hofft, dass der Wallach vielleicht eines Tages Therapiepferd werden könnte - nicht zum Reiten natürlich, das ist zu gefährlich. Eher zum Führen. 1000 Euro steckt sie monatlich mindestens in "Capi" und er dankt es ihr mit seiner Anhänglichkeit. Wer helfen möchte: Unter www.captain-future-b.de steht die ganze ungewöhnliche Geschichte. ilpl

Quelle: RP
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