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Jeckes Glossar
Mundartmesse: Wo Kirche auf Karneval trifft

Hilden. Am Sunndach, d'r 24.1., üm 18 Uhr is et widder so wigg. "Mer fiere zom 16. Mool user Mundartmess, die sich wigg öwer de Jrenzen vun Richrooth jruusser Beliebtheit erfreut", sagt Gerhard Trimborn, der "Pastur" von St. Määtes. Unser Glossar führt durch Mundartmess und Fasteloovend.

A wie Ärm Lück: Für sie ist die Kollekte bestimmt. Bevor der Klingelbüggel ( Spendenkorb ) rumgeht, heißt es: "Jäfft gruußzüjich, un net kleenherzich. Et jütt Lück, die nüüdich hann".

B wie bädden: Sich an Gott wenden, oft mit einer Handhaltung, wie sie Dürer gemalt hat. In überwiegend katholischen Dörfern wie Berches wird noch gebetet. Aus Berches kommt auch das Dreigestirn, das bei der Mundartmesse unbedingt anwesend ist.

C wie Chor: Tritt in katholischen Kirchen unter dem Patronat der heiligen Cäcilia in Erscheinung. Bei der Mundartmesse stimmt der Kirchenchor St. Martin unter der Leitung von Peter Gierling (siehe auch O wie Orjels-Pitter) die Lieder an.

D wie D'r Zoch kütt: So weit ist es bei der Mundartmesse noch nicht, aber jeder Jeck weiß: Kurz nach der Mundartmesse kütt d'r Zooch baal.

E wie Echte Fründe stonn zesamme: Viele Jecken singen gemeinsam selbiges Lied - so auch beim Auszug nach der Mundartmesse.

F wie Fahn: Langenfelder Fasteloovendsjesellschaften wie Prinzengarde, RKV, Postalia oder Spießratzen ziehen mit ihren Fahnen in St. Martin ein. Bei der Wandlung werden diese Standarten zur Ehre Gottes gesenkt - so, als würden sie sich vor dem Allerheiligsten am Altar verbeugen.

G wie Ganz schwieriger Buchstabe in rheinischer Mundart: Grund: Das G wird hier fast immer zu einem J.

H wie Hööt aff: So wie sich die Fahnen verbeugen, so erweisen auch die Jecken dem Allmächtigen die Ehre: Sie nehmen zur Wandlung die Hüte, eigentlich Kappen, vom Kopf. Und schweigen. Weder ein "Helau" noch ein "Alaaf" entweicht dann ihren Mündern.

I wie Imi: Kommt von "imitieren" und meint einen "nachgemachten Kölner". Mit "Imi" bezeichnen die Kölner liebevoll alle nichtgebürtigen Kölner, die irgendwann kölsch zu leben begonnen haben. Der "Imi" ist nicht zu verwechseln mit dem "Cafe Immi". So nennt sich ein Sozialcafé in Langenfeld. Und auch dieses "Immi" leitet sich nicht etwa von "Immigrant" ab, sondern von der "Immigrather Straße" in Richrath, wo das Café steht.

J wie Jott: Ist mit seinem Sohn Jesses mitten unter den Gläubigen. Mit seiner Barmherzigkeit ("Herr, erbärm dech") ist der leeve Jott Vorbild für die Christen, weshalb sie auch in der Mundartmesse Jeld sammeln für ärm Lück. Zum Abschluss der Messe nehmen die Jecken das Jotteslob zur Hand und intonieren "Jruußer Jott, wir loben dech".

K wie Klingelbüggel: Behältnis für die Kollekte. Wenn es nach dem Pastor geht, soll es darin aber weniger klingeln als knistern. Natürlich nicht nach Konfetti. Kamelle gehören auch nicht hinein. "Scheinwerfer-Sonntage sind mir die liebsten", gibt der Trimborn unumwunden zu.

L wie Langefääl: 60.000-Einwohner-Stadt am Helau-Alaaf-Äquator. Wird in dem Heimatlied "Ming Langefääl, ming Heimatstadt" besungen - natürlich auch in der Mundartmesse.

M wie Määtes: Eigentlich Sankt Määtes. Legendärer Mantelteiler aus der Völkerwanderungszeit mit zahllosen Nachahmern bis heute. Patron unzähliger Kirchen, darunter auch der in Richrath. Vom Kirchenvolk aus gesehen, steht ein Abbild von St. Määtes rechts vom Altar. Dort ist auch die Mutter Jottes mit dämm Kenk zo senn, während links der Sebastian steht, Schutzpatron der Schützen. Nach Määtes ist außerdem die Langenfelder Pfarrgemeinde benannt - zusammen mit dem hillije Jupp. In St. Josef fand vor etwa einem Vierteljahrhundert die erste Langenfelder Mundartmesse mit dem damaligen Kaplan Hittmeier statt.

N wie Nä wie woor dat schön: Ausruf der beseelten Jecken nach einer erbaulichen Mundartmesse.

O wie Orgels Pitter: Zieht während der Messe fast alle Register, damit auch die schrägsten Töne aus Sängermunde mit Wohlklang gen Himmel steigen. In früheren Zeiten assistierte dem Organisten der Herrjottswinksmächer, hochdeutsch: Gottes Windmacher.

Er bediente den Blasebalg der Orgel.

P wie Pänz: Fungieren zusammen mit einigen Kenger, Weeter un Konden (Kinder, Mädchen und Jungen) als Messdeener. Sie sorgen unter anderem für Weihrauchschwaden, die das Prinzenpaar und Gefolge sowie das ganze Schmölzchen in sakrale Stimmung versetzen.

Q wie Quatschköpp: Je nach Mundart spricht man auch von "Schwadlappe" oder "Kallbacke". Stehen nicht selten in d'r Bütt. Manche auch im Altarraum, wobei die ausgedehnte Predigt für katholische Pastöre eher untypisch ist, weil sie ja noch viel Liturgie oder hillijes Theater in der Messe unterbringen müssen.

R wie RKV: In voller Länge "Richrather Karnevals-Verein Schwarz-Weiß". Hat bei der Mundartmesse Heimrecht.

S wie Sääjen: Wird am Schluss der Messe erteilt. Katholiken, die ihrer Sonntagspflicht nachkommen, erhalten somit den Sääjen. Dieser ist - solange kein höherer Feiertag dazwischenkommt - bis zum darauffolgenden Sonntag haltbar.

T wie Trifolium: Rheno-Lateinisch für Dreigestirn (von "Dreiblatt", botanisch auch Kleeblatt), bestehend aus Seiner Tollität, Seiner Deftigkeit und Ihrer Lieblichkeit. Anders als in Köln wurden in Berches auch schon weibliche Trifolia proklamiert.

U wie Uselich Wädder: Kein Wetter für die tollen Tage. Hierfür wünschen sich die Jecken vielmehr nur eins: "Ejal ob kaalt oder wärm - Hauptsache trocken!".

V wie Vell Jeld: Landet regelmäßig bei der Mundartmess-Kollekte im Klingelbüggel. Siehe auch Ärm Lück.

W wie Wandlung: Gibt's nur auf hochdeutsch, damit ein Verdacht auf Verballhornung dieses hochheiligen Kerns jeder katholischen Messfeier gar nicht erst aufkommt. Vollzogen werden darf die Wandlung nur von Kääls mit Priesterweihe. Angere Lück oder auch Wiewer sind dafür bislang nicht vorgesehen.

X wie Xylophon: Kommt, anders als viele meinen, im Brauchtum eher selten zum Einsatz. Wird gerne mit der Lyra verwechselt. So heißt das Glockenspiel in Spielmannszügen und Militärkapellen.

Y wie Y-Chromosom: Muss man haben, um Prinz, kölsche Jungfrau oder katholischer Pastor zu werden.

Z wie Zick: Superjeil besungen, besonders im Karneval - nä, wat woor dat dann fröher ...

Zusammengestellt von Thomas Gutmann und mundartlich geprüft von Manfred Stuckmann.

Quelle: RP
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