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Hilden
Nicole Pazdzior fischt mit Leidenschaft

Hilden: Nicole Pazdzior fischt mit Leidenschaft
FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)
Hilden. Die Rute auszuwerfen und sich einen dicken Fisch an Land zu ziehen, das ist für Nicole Pazdzior Leidenschaft. Die 24-Jährige ist damit in ihrem Verein ein seltenes Exemplar. Denn beim Angelsportverein Hochdahl ist sie von einem Schwarm männlicher Mitglieder umgeben.

"Die Quotenfrau zu sein, macht mir gar nichts aus. Die Jungs waren alle sofort begeistert, Vorurteile gab es eigentlich keine", sagt die Hildenerin. Mit ihren langen dunkelblonden Haaren und ihrem offenen, lebhaften Wesen scheint sie do gar nicht in das gängige Bild vom introvertierten Angler zu passen, der alleine am See sitzt und auf einen dicken Karpfen wartet.

Diese Assoziation kennt Nicole Pazdzior allzu gut. "Wenn ich erzähle, dass ich im Angelverein bin, dann schauen die Leute erst einmal komisch. Sie stellen sich eben immer den Opi mit der Flasche Bier am Wasser vor. Doch beim Angeln ist mehr dahinter. Das geht auch ganz aktiv und das Schweigen ist ohnehin ein Mythos", erzählt sie lachend. Sie reizt gerade die Gemeinschaft. "Sobald ich am Stadtweiher sitze, kommt meistens ein paar Minuten später schon jemand zum Quatschen vorbei und das finde ich richtig schön. Mit den Jugendlichen sind wir auch oft in der Gruppe unterwegs."

Engagiert kümmert sich die 24-Jährige um den Nachwuchs. Sie möchte ihn hinter dem Computerbildschirm weglocken und an Natur und Tiere heranführen. "Sobald sie mit uns am Wasser sind und einen Fisch an der Angel haben, sind sie begeistert. Dir Vorurteile kommen meistens von den Eltern", berichtet Nicole Pazdzior. Sie ist im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihrem Neffen in den Verein eingetreten. "Wir waren freitagmittags da, haben uns alles erklären lassen und abends kam schon der Anruf, ob ich nicht die Jugendabteilung übernehmen könnte", erinnert sie sich. Ohne lange zu überlegen, sagte sie spontan zu. "Da ich Kinder liebe und gerne mit ihnen zusammen bin, passte das zu mir." Jakob Deisling ist beeindruckt von diesem Engagement. "Also ich finde es toll, wie die Nicole sich für die Jugendlichen einsetzt. Sie hat schon einiges bewegt und bringt frischen Wind in den Verein", sagt der Erkrather. Er würde sich noch mehr Frauen mit ihrem Format wünschen. "Sie kümmern sich einfach mehr. Die Männer wollen immer nur fischen." Deshalb hofft er, auch seine Tochter mit der Leidenschaft für Rute und Rolle begeistern zu können. "Sie kommt natürlich eher mit, wenn sie dort auch andere Frauen trifft, die ungefähr in ihrem Alter sind." Nicole Pazdzior war ihm spontan sympathisch. "Wir haben uns von Anfang an gut verstanden."

Die Jugendwartin weiß den Rückhalt durchaus zu schätzen. "Es ist gut, dass die Männer hinter dem stehen, was ich mache. Doch als Frau muss ich auch schlagfertig sein und mich durchsetzen." Mit dem Anglergarn kann sie auch umgehen. "Der Fisch ist immer so groß, wie die Arme lang sind. Wenn ich dann die Fotos bekomme, sieht die Realität manchmal ganz anders aus", erzählt die 24-Jährige lachend. Denn sie ist gleichzeitig für die Pflege der Internetseite verantwortlich. "Das kommt zwangsläufig auf die Jüngeren zu, weil wir auch die entsprechenden Kenntnisse haben."

Ihren ersten dicken Fisch hat Nicole Pazdzior vor drei Jahren an Land gezogen. "Da waren wir mit meinem Onkel am See und ich war ganz stolz. Denn bis dahin war das Angeln auch bei uns in der Familie reine Männersache."

Die Begeisterung war so groß, dass sie gleich den entsprechenden Schein erwarb und nun regelmäßig am Stadtweiher in Hochdahl ihre Rute auswirft. "Wenn ein Hecht am Haken zappelt, habe ich schon Respekt."

Dominique Schroller (Text) und Dietrich Janicki (Foto)

Quelle: RP
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