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Geschichte
Was in Gruiten in der NS-Zeit geschah

Hilden. Der Bergische Geschichtsverein Haan hatte ins Gruitener Haus Poock zu einem Vortrag über den Nationalsozialismus in Gruiten eingeladen. 25 Besucher folgten den Ausführungen des Haaner Historikers Dr. Reinhard Koll. Als erstes Ergebnis seiner Recherchen konnte er feststellen, dass auch in Gruiten - ebenso wie in den umliegenden Orten - vor 1930 deutlich weniger Wähler ihre Stimme der NSDAP gaben als im Reichsdurchschnitt. In den Jahren 1924 bis 1928 fiel der NSDAP-Stimmenanteil sogar von 1,9 über 0,6 auf 0,2 %. Erst ab 1930 stieg er stark an, aber selbst bei der letzten freien Wahl 1933 war die NSDAP in Gruiten noch deutlich von einer absoluten Mehrheit entfernt. Trotzdem zeigte sich, dass die Partei nach der "Machtergreifung" im Reich auch in Gruiten sofort das öffentliche Leben beherrschte.

Sichtbares Zeichen ist die 1933 vorgenommene Umbenennung von Straßen in Hitler-, Göring-, Hindenburg-, Schlageter- und Horst-Wessel-Straße. Noch im selben Jahr wurde die Macht der Nazis unübersehbar: Max Kramer (dessen Stolperstein kürzlich auf ungeklärte Weise verschwunden ist) wurde am Tage seiner Verhaftung tot aufgefunden, der katholische Pfarrer Meyer misshandelt und aus Gruiten vertrieben. 1938 lag das Reichstagswahlergebnis auch in Gruiten mit 99,6 % auf der Höhe dessen, was in Diktaturen üblich ist. In dieses Jahr fällt die Reichspogromnacht (oft als Reichskristallnacht verharmlost), bei der es in Gruiten zu massiven Übergriffen auf die einzige jüdische Familie im Ort kam.

Quelle: RP
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