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Auf Ein Wort Frank Weber
Sterbehilfe oder Lebenshilfe

Hilden. In diesem Jahr hat das Thema einen besonderen Stellenwert. Geprägt von persönlichen Erlebnissen und Einschätzungen der Abgeordneten hat der Bundestag im November 2014, teilweise sehr emotional, über Sterbebegleitung und Sterbehilfe diskutiert. Bundestagspräsident Professor Dr. Norbert Lammert sprach von dem vermutlich anspruchsvollsten Gesetzgebungsprojekt dieser Legislaturperiode. Nun geht mit der Einbringung des Gesetzentwurfes die Diskussion weiter.

Mehrheitlich wird die kommerziell organisierte Sterbehilfe abgelehnt. Gut so und aus meiner Sicht im christlichen Sinn!

Niemand soll mit dem Leid und Tod anderer Menschen noch Profit machen können. Viel wichtiger ist der Ausbau der Palliativversorgung zu Hause, in stationären Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern.

Als Seelsorger geht mir oft der Satz von Cicely Saunders, der Begründerin der Hospizbewegung, durch den Sinn: "Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben". Sterbehilfe ist in Wirklichkeit eine Form von Lebenshilfe: Hilfe auf dem letzten Abschnitt dieses Lebens.

Für viele Sterbende und ihre Angehörigen ist dies ein besonders intensiver und schwerer Weg. Für manche Menschen ist diese Zeit kaum erträglich. Andere berichten, dass sie diese Zeit sehr intensiv erlebt haben und diese Erfahrung nicht missen möchten.

Fachdiskussionen und Überlegungen zu der viel beschriebenen Autonomie bekommen eine sehr konkrete Dimension. Ich finde es gut, dass diese Diskussion geführt wird. Als Vertreter der Kirche bin ich für die absolute Unterbindung einer kommerziellen Sterbehilfe. Ich bin für einen klaren Rahmen der Regulierung aber auch für den Erhalt von medizinischen und menschlichen Spielräumen, im Sinne des selbstbestimmten Willens eines Menschen an der Grenze seines Lebens. Es ist überfällig, dass die palliative Versorgung insgesamt verbessert wird für die Orte, wo Menschen wirklich leben und dass die ambulante und stationäre Hospizarbeit weiter ausgebaut wird. Im Mittelalter entwickelte sich die Lebenseinstellung : "Memento mori" - Gedenke des Todes. Eine ständige Erinnerung an die Grenzen des Lebens. Manchmal ist es gut, diesen Satz auch heute zu bedenken in allem Größenwahn oder der eigenen Selbstüberschätzung. Eine kluge Alternative wäre: "Memento vitae" - Gedenke des Lebens. Dann ist Sterbehilfe eine wichtige Form von Lebenshilfe. Persönlich kann ich mich nur dem folgenden Wunsch anschließen: "Ich möchte nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sterben." (Aus der Hospizbewegung)

Quelle: RP
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