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Hilden
Straßenwerbung: gleiches Recht für alle

Hilden: Straßenwerbung: gleiches Recht für alle
Werbeüberfluss auf der Mittelstraße. "Wir haben klare Regeln und achten auch darauf, dass sie eingehalten werden", so Planungsamtsleiter Lutz Groll: "Aber nicht zu 110 Prozent, sondern rheinisch." FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Am Mittwoch berät die Politik über eine neue Satzung für Werbung, Fassaden und Sondernutzung in der City. Von Christoph Schmidt

Die Stadt Hilden will neu regeln, wie in der Innenstadt künftig geworben werden darf und wie Auslagen und Außengastronomie auszusehen haben. Stadtplaner und Architekt Ulf Hamann aus Köln hat eine Bestandsaufnahme gemacht und in fünf Runden mit Eigentümern, Einzelhändlern, Gastronomen und Bürgern diskutiert. Er hat ein gut 100 Seiten starkes Gestaltungskonzept entwickelt, über das die Politik erstmals im Stadtentwicklungsausschuss berät. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Ist die Gestaltungssatzung neu? Nein, es gibt bereits seit 2003 eine Satzung für Werbeanlagen in der Innenstadt. Sie soll nicht inhaltlich, sondern nur räumlich erweitert werden, betont Lutz Groll vom Planungsamt. Sie soll künftig auch für die Benrather-, Klotz-, Schul-, Kirchhof-, Hochdahler, Berliner Straße, Warrington- und Nove-Mesto-Platz gelten.

Warum? Die Werbung ist "völlig aus dem Ruder gelaufen", sagt Hamann: "Die Straße wird zum Teil als Warenlager missbraucht. Das beschädigt Hildens guten Ruf als Einkaufsstadt." "Deshalb brauchen wir Regeln, die für alle verbindlich sind, ber nach Straßenabschnitten differenzieren", so Groll. Hamann: "Wir schaffen durch die Beschränkung der Außenwerbung nur Chancengleichheit."

Was schlägt der Experte vor? Hamann will unter anderem Beach-Flags, Anhänger und Fahrzeuge in der Innenstadt verbieten. Pro Geschäft soll nur noch eine Klapptafel ("Kunden-Stopper"), ein Warentisch oder ein Kleiderständer zulässig sein. Für die Gastronomie werden Tische und Stühle aus Holz, Metall oder hochwertigem Kunststoff sowie unifarbene Sonnenschirme in bestimmten Größen vorgeschrieben.

Was sagen die Einzelhändler und Gastronomen dazu? An den Diskussionsrunden haben sich bislang nur wenige Betroffene beteiligt. "Die meisten warten ab und sind dann erst mal überrascht", so die Erfahrung von Groll: "Gut informiert sind die meisten dann einsichtig." Die Stadt habe mit der geltenden Satzung in zwölf Jahren "sehr gute Erfahrungen" gemacht - auch dass sich die Satzung als "ziemlich gerichtsfest" erwiesen habe.

Was sagt das Stadtmarketing zu den Plänen? Geschäftsführer Volker Hillebrand mahnt, "dass Kind nicht mit dem Bade auszuschütten". Der Einzelhandel müsse sein Geld verdienen, auch durch die Präsentation der Ware vor den Geschäften. Der Einzelhandel sei für die Innenstadt wichtig, hält dem Baudezernentin Rita Hof entgegen: "Es gibt aber auch noch andere." Der Handel profitiere von einer attraktiven Innenstadt: "Wir müssen das hohe Niveau in Hilden halten - und vielleicht noch steigern."

Worum geht es bei dem Fassaden-Programm? Hilden hat ein Nebeneinander von guter Architektur aus allen Epochen, hat Hamann festgestellt. Das mache die Identität der Hildener Innenstadt aus. Ziel sei, diese gute Architektur sichtbar zu machen und mittelmäßige Gebäude aufzuwerten. Dafür schlägt er 23 Gebäude vor: "Keines ist in die Denkmalliste eingetragen."

Ab wann würde die neue Satzung gelten? Wenn der Stadtrat zustimmt, dauert es noch mindestens ein Jahr, bis die Regeln zur Satzung werden. Zuvor wird es noch weitere Info-Veranstaltungen für Eigentümer, Gastronomen, Händler und Bürger geben. Die neue Satzung für Werbeanlagen greift nur, wenn Werbeanlagen erneuert werden. Bestehende genießen Bestandsschutz. Der Außengastronomie werden in der Regel zweijährige Übergangsfristen eingeräumt, so Hamann.

Quelle: RP
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