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Hilden
Täter hinterlassen Spur der Verwüstung

Hilden: Täter hinterlassen Spur der Verwüstung
Völlig zerstört wurde der Geldautomat im Eingangsbereich des Hildener Obi-Baumarktes, als ihn Einbrecher am 19. Mai aufsprengten. Auch am Gebäude entstand erheblicher Schaden. Die Firma Obi sucht zurzeit Lösungen. FOTO: Kreispolizei Mettmann
Hilden. Der gesprengte Geldautomat in Hilden ist Teil einer Einbruchsserie. Hildener Firma schafft sprengsichere Tresore. Von Alexandra Rüttgen

Nach wie vor ist die Polizei auf der Suche nach den unbekannten Tätern, die am 19. Mai den Geldautomaten im Hildener Obi-Baumarkt sprengten. Die Einbrecher richteten dabei erheblichen Schaden auch am Gebäude an und flohen mit der Beute - unerkannt. Allerdings ist über die Hintergründe der Tat mittlerweile weitaus mehr bekannt: Laut Landeskriminalamt (LKA) wurden zwischen dem 25. März und dem 29. Juni dieses Jahres in NRW allein sechs Taten mit diesem Strickmuster verübt. Dabei achteten die Einbrecher stets auch auf geeignete Fluchtmöglichkeiten: "Die Tatorte lagen immer in unmittelbarer Nähe zur Autobahn", sagt LKA-Sprecherin Claudia Franken.

Dazu Ulrich Löhe, Sprecher der Kreispolizei Mettmann: "Alles deutet darauf hin, dass es sich um professionell arbeitende Täter handelt." Dabei liege die Vermutung zwar nahe, dass es stets ein- und dieselben Einbrecher seien, "aber beweisen können wir das nicht". Denn eine spezielle Handschrift sei anhand der Durchführung nicht zu erkennen - auch deshalb, weil es dafür keine besonderen Kenntnisse braucht. "Das kann rein theoretisch jeder machen", sagt Löhe. Meistens seien es Gruppen Krimineller, "die überregional tätig sind". Die Polizei ermittelt.

Derweil sucht die Baumarkt-Kette Obi in Zusammenarbeit mit den betroffenen Banken nach "Möglichkeiten vorbeugender Maßnahmen", berichtet Obi-Sprecherin Elena Ottaviano auf Anfrage. Denn nicht nur die Geldautomaten sind nach der Spreng-Attacke unbrauchbar, auch die Gebäude werden beschädigt.

Und nicht nur Baumarkt-Ketten, auch andere Standorte wie die Schalterhallen von Banken sind mittlerweile bevorzugtes Ziel für Spreng-Attacken an Geldautomaten. Laut Landeskriminalamt gab es im vergangenen Jahr NRW-weit insgesamt 26 Fälle. Davon waren zehn Fälle Versuche, bei denen die Täter erfolglos blieben.

In Hilden arbeiten Fachleute zurzeit an vielversprechenden Gegenstrategien. Die Firma Wincor Nixdorf bietet sprengsichere Tresore an, die in Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank entwickelt wurden und mit denen auch Geldautomaten ausgerüstet werden können, berichtet Christian Albrecht, Leiter Business-Development. Diese Automaten seien zwischen 25 und 30 Prozent teurer als jene Anlagen, die nicht sprengsicher sind. Doch die Nachfrage steigt, sagt Albrecht: "Einerseits legen die Banken zunehmenden Wert auf das gesamte Thema Sicherheit. Andererseits empfehlen Versicherungen den Instituten einen höheren Schutz."

Zurzeit arbeitet Wincor Nixdorf darüber hinaus an Nachrüst-Technologien für herkömmliche Automaten. Es handelt sich dabei um Sprengmatten, "die die Energie der Explosion aufnehmen und so auch Kollateralschäden mindern", also Schäden, die am Gebäude und Umgebung entstehen. Diese Entwicklung läuft unter Hochdruck. "Wir stehen kurz vor der Markteinführung", sagt Albrecht.

Quelle: RP