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Hilden
Tafel gibt Einblick in die Welt der Armut

Hilden. Inzwischen versorgt die Einrichtung 760 Menschen mit Lebensmitteln, berichtet SKFM-Chef Hubert Bader. Von Ilka Platzek

Zehn Jahre Hildener Tafel, zehn Jahre Lebensmittelausgabe an Bedürftige. Gestern wurden sie nicht nur mit Reden und Führungen für Besucher am Tag der offenen Tür gefeiert. Der Vorstand des Sozialdiensts Katholischer Männer und Frauen (SKFM) hatte sich zum Jubiläumstag auch die "Puppenstuben" der Bonner Künstlerin Jana Merkens ausgeliehen. - Puppenstuben, die die Armut darstellen wollen. Da liegt etwa ein Obdachloser halb unter einem Pappkarton, eine Frau sitzt bettelnd auf dem Boden, ein Junkie hat die Spritze neben sich liegen, ein Amputierter hockt auf einer Parkbank.

Das vielleicht grellste Ensemble ist das "Hartz IV Klischée-Zimmer", das wirklich kein Klischée auslässt: Mann und Frau sitzen mit überquellendem Aschenbecher vor dem Fernseher. Ein kleines Kind heult -offenbar unbeachtet, ein älteres sieht sehr depressiv und in sich gekehrt aus. Das ganze Zimmer ist unordentlich, hässlich, vermüllt. SKFM-Chef Hubert Bader hatte in seiner Rede vor den Sponsoren ausdrücklich betont, dass das Tafel-Team nicht glaube, dass es bei seinen Kunden so aussehe.

Tafel-Fahrer Kai Rüsenberg, seine Frau Desirée und SKFM-Sekretärin Ute Eßbach stehen vor der Puppenzimmer der Hartz IV-Familie. "Das sind verletzende Bilder", findet Desirée Rüsenberg, die ehrenamtlich in der Lebensmittelausgabe arbeitet. Und dann fügt sie hinzu: "Selbst mit wenig Geld sollte man seine Wohnung sauberhalten." Die Sekretärin ist bereits einen Schritt weiter: "Manche lassen sich ja auch nicht helfen", weiß sie.

Bei der Tafel helfen 78 ehrenamtliche Mitarbeiter, damit 760 Bedürftige reibungslos mit Lebensmitteln versorgt werden: Fahrer holen die Ware bei den Gebern ab, Leute im Lager sortieren die Lebensmittel und putzen sogar Obst und Gemüse, bevor es für ein paar Euro an die Kunden abgegeben wird.

Kajo Töller, 70, vom Leitungsteam der Tafel könnte noch "ein paar Fahrer und kräftige Männer zum Tragen der schweren Kisten" gebrauchen, will aber nicht klagen. Hubert Bader, der Chef des SKFM, hat in seiner Rede auf zehn Jahre zurückgeblickt und findet, alles sei professioneller geworden: Mit einem geliehenen Transporter und viel Idealismus fing alles an: "Wir wollten Lebensmittel vor der Entsorgung retten und an Menschen weitergeben, die zu wenig davon haben." Jetzt gibt es drei Fahrzeuge, die nach festen Fahrplänen Waren einsammeln. In zwei Kühlhäusern und einem Trockenlager werden Lebensmittel zwischengelagert, bevor sie an die Kunden weitergegeben werden: "Das sind inzwischen 79 Asylbewerber, 106 Hartz IV Empfänger, viele Leute mit kleiner Rente und Arbeitslosengeld 1 Bezieher", erklärt Hubert Bader.

70000 Euro werden jährlich benötigt, um das "mittelständische Unternehmen" zu betreiben. Sie werden durch regelmäßige Spenden der so genannten Tafel-Ritter, gelegentliche (Groß-)spenden und - das ist der größte Posten - die Zahlungen der Tafelkunden (etwa 22000 Euro) bestritten. Was dann noch fehlt, so Bader, "etwa 30000 Euro, werde aus Kirchensteuermitteln finanziert."

Wäre das Spendenaufkommen höher, könnte der SKFM neue Projekte anschieben. So geht das nicht.

Quelle: RP
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