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Kreis Mettmann
Therapeuten warnen vor Pokémon Go

Kreis Mettmann. Durch die unnatürliche Haltung beim Spielen können Nacken- und Schulterschmerzen entstehen.

Vor St. Lambertus in Mettmann wartet ein wildes Rattfratz. Es faucht etwas, doch dann lässt sich das lilafarbene, rattenähnliche Fabelwesen mit nur drei Pokébällen einfangen. Und das von einer Pokémon-Go-Anfängerin. Nachschub an Pokébällen gibt es an Pokéstops. Die befinden sich an Denkmälern in der Stadt: den "Zwei Mettmännern", beim Schuhbrunnen, der alten Analog-Uhr auf dem Jubiläumsplatz oder dem Stolperstein von Kaplan Johannes Flintrop zum Beispiel. Auch eine Arena befindet sich in der Innenstadt, "1100 Jahre Mettmann" heißt sie. Dort können erfahrene Pokémon-Trainer gegeneinander antreten. Das neue Smartphone-Spiel mit der virtuellen Monsterjagd ist derzeit der Renner und sorgt in manchen Städten in der Region sogar für Ärger. In Düsseldorf wurde beispielsweise die Girardet-Brücke wochenlang von begeisterten Monsterjägern belagert und der Verkehr dadurch massiv behindert. Zeitweise wurde die Brücke gesperrt. Die Stadt hat nun beantragt, die Pokéstops an der Brücke abzuschalten.

In Mettmann ist dieses Monster-Chaos nicht ausgebrochen. Aber auch hier sieht man immer wieder Kinder und Jugendliche, die sich mit ihrem Smartphone in der Hand auf die Suche nach den Pokémons begeben, die zur Jahrtausendwende durch Sammelkarten- und Videospielen bekannt wurden. Die Smartphone-Variante geht einen Schritt weiter. Die Spieler müssen sich in die reale Welt begeben, per GPS-Signal erkennt das Smartphone dann, an welcher Stelle sich diese befinden und welche Monster dort gefangen werden können.

Mediziner warnen allerdings, dass durch die unnatürliche Haltung, mit der die Spieler Pokémon Go zocken - Kopf nach unten über das Smartphone oder Tablet gebeugt, die Schultern sacken nach vorne, die Daumen galoppieren über die Displays - Nacken- und Schulterschmerzen, Verspannungen oder sogar dauerhafte Haltungsschäden entstehen können. Denn gerade mit Pokémon Go verbringen die Spieler oft mehrere Stunden.

Seit fast zwei Jahren gibt es unter Orthopäden und Physiotherapeuten die Diagnose "Handy-nacken". Was wie ein Scherz klingt, ist die medizinische Konsequenz der intensiven und mehrstündigen Nutzung von Smartphone, Tablet und Co, die von dem New Yorker Chirurgen Kenneth Hansraj in Bezug auf die Belastung der Halswirbelsäule untersucht wurde. Seine Erkenntnis: Beim Blick auf das Display eines Telefons im Stand wirkt eine Kraft von mitunter 27 Kilogramm auf die Wirbelsäule. "Wird diese unnatürliche Körperhaltung über einen längeren Zeitraum eingenommen, besteht die Gefahr eines sekundären Haltungsschadens im Bereich der gesamten Wirbelsäule", sagt Verena Wolnowski, Leiterin der Physiotherapie am Helios Klinikum Niederberg. Besser sei es, den Bildschirm auf Augenhöhe oder knapp darunter zu halten und zwischendurch immer wieder die Haltung zu wechseln. Die massive Neigung der Halswirbelsäule nach vorne kann auch zu einem Rundrücken führen, im Volksmund auch "Buckel" genannt. Sport und Bewegung im Alltag helfen übrigens auch.

(tak)
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