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Hilden
Treffen, töttern - Tanne kaufen

Hilden: Treffen, töttern - Tanne kaufen
Hartmut Taube, RP-Redakteur André Schahidi (hat seine Mütze verschenkt), Maurice und Bärbel Taube, Dirk Neubauer, Bianca Schneeweiß, Tochter Mia (v.l) FOTO: ola
Hilden. Die Rheinische Post hilft Gerda Grenda beim Weihnachtsbaumverkauf zu Gunsten der SOS-Kinderdörfer. Ein knappes Vierteljahrhundert Hildener Tradition. Von Dirk Neubauer

Mia, sechs Jahre alt, wünscht sich zu Weihnachten vor allem eins: Schnee. Schnee in Hilden. Aber von der pulvrigen, weißen Art, keinen grauen Matsch. "Dann würde ich gerne mit dem Weihnachtsmann auf dem Schlitten durch die Stadt fahren", sagt Mia und lacht. Dass Mia mit Nachnamen "Schneeweiß" heißt, würde sich kein Autor ausdenken, so was macht nur die Realität.

Gemeinsam mit ihrer Mutter Bianca hat Mia eine Weile nach einem Weihnachtsbaum gesucht. Nun sind die beiden fündig geworden: Nordmanntanne, einen halben Kopf größer als Mia. "1,50 Meter - das macht 30 Euro", sagt mein Kollege André Schahidi und kassiert. Ihm hat Gerda Grenda das Portemonnaie anvertraut. Gemeinsam helfen wir von der Rheinischen Post - zwei Stunden lang - bei Gerda Grendas großem Weihnachtsbaumverkauf zugunsten der SOS- Kinderdörfer an der Gerresheimer Straße 58. Seit 24 Jahren verkauft sie Weihnachtsbäume und spendet den Erlös: 42.345,63 Euro bisher.

Uncharmante Menschen würden verraten, dass Gerda Grenda 81 Jahre alt ist. Wer sie sieht, glaubt das nicht. Voller Energie verbinden sie und ein knappes Dutzend freiwilliger Helfer Mensch und Tanne. Die Bäume hat sie selbst im Sauerland ausgesucht. Bei ihr ist der Verkauf niemals bloß ein Austausch von piekender Ware gegen Geld. Da werden Anekdoten erzählt und Tipps zur Weihnachtsbaumpflege gegeben. Schokoladenkekse und Glühwein gehören zum Angebot. Oder ein Metall-Christbaumständer, gefertigt von der Lebenshilfe Wuppertal.

Als Christbaumpraktikanten haben Kollege André und ich es in diesem Jahr leicht bei Gerda Grenda: Es gibt ausschließlich Nordmanntannen. Genau eine solche hat Familie Taube aus Monheim gesucht. Zwei kerzengerade Bäume sind in der engeren Wahl, Mutter Bärbel (52) entscheidet: "Den nehmen wir." Vor ihrem geistigen Auge hat sie bereits das Heiligabend-Endergebnis: Es soll ein festlicher Baum werden, in den Grundfarben Rot und Gold - "aber ohne Lametta".

Das hören wir an diesem Nachmittag noch häufiger: "Kein Lametta" wird nur noch überholt von: "Keine Lichterkette, wir nehmen echte Bienenwachskerzen." Gerda Grenda sorgt für die Besucher. Trägt Glühwein herbei, Plätzchen und Christstollen. Inmitten des Weihnachtstrubels wirkt der Tannenverkauf wie aus der Zeit gefallen. Hier hastet niemand mal eben so vorbei, so scheint es..."Och, wir haben schon die tollsten Sachen erlebt", sagt Gerda Grenda ungerührt, die für viele Hildener fest zur Vorweihnachtszeit gehört. In Hilden verkaufte Weihnachtsbäume machten ihren Weg bis in den Libanon. Ein Pilot aus Hongkong zahlte 100 Dollar und schulterte sein persönliches Exemplar im Netz. Und ein kleiner Junge schaute Gerda Grenda skeptisch an: "Im Sommer machst du wahrscheinlich immer schlechte Geschäfte." Zum Trost gab es von ihm ein Küsschen.

Im Vorübergehen sieht sie einen Baum, "der zu Herrn Schönenborn passt". Er wird dem in Hilden lebenden WDR-Chefredakteur schon mal zurückgestellt. Ob Otter-Vater Wolfgang Gettmann oder Bastian Pastevka - alle haben schon bei Gerda Grenda gekauft. Einige Handwerksbetriebe und Unternehmen geben Gutscheine für ihre Bäume aus. Je näher Heiligabend rückt, desto größer wird der Andrang und desto länger werden die Tage. Dann gibt es keine Sperrstunde an der Gerresheimer Straße. Gerade als Grenda an einem der vergangenen Heiligabende ihren eigenen Weihnachtsbaum in die Wohnung tragen wollte, klingelte es. Ein Mann stand vor der Tür. ",Jetzt kommt meine Freundin doch zu Weihnachten', sagte er. ,Haben Sie noch einen Baum?'" Grenda gab ihm den, den sie gerade in der Hand hatte. Ihren eigenen. "Eine bessere Weihnachtsfreude hätte ich doch nicht machen können."

Quelle: RP
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