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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Verkehrslärm - das sind immer nur die anderen

Hilden. Wir sind alle total mobil und wollen immer ganz schnell überall hin, aber trotzdem Ruhe vor der eigenen Tür. Das kann nicht funktionieren.

Hilden hat ein sehr kompaktes Stadtgebiet von nur 26 Quadratkilometern, ist dicht besiedelt (mehr als 2100 Einwohner pro Quadratkilometer) und wird von zwei Eisenbahnstrecken, drei Autobahnen und diversen Hauptstraßen durchzogen. Die Stadt ist verkehrstechnisch super erschlossen. Die Kehrseite: Viele Einwohner leiden unter Verkehrslärm.

Mit dem Lärmaktionsplan hat der Gesetzgeber hohe Erwartungen bei den Bürgern geweckt. Jede Kommune muss solch einen Plan aufstellen. Deshalb weiß die Stadt Hilden jetzt ganz genau, wer wo am stärksten unter gesundheitsgefährdendem Verkehrslärm leidet. Abstellen kann sie ihn aber nicht. Alle Vorschläge wurden von Straßen NRW für die Bundes- und Landstraßen abgelehnt: weil die Hauptstraßen leistungsfähig bleiben müssten und für ein Lärmschutzfenster-Programm kein Geld da sei. Deshalb schlägt die Verwaltung vor, zumindest auf Gemeindestraße nachts Tempo 30 einzuführen. Straßen NRW und Rheinbahn würden das mitmachen. Man könnte auch sagen: Das wäre vermutlich das einzige konkrete Ergebnis des mit viel Aufwand erstellten Lärmaktionsplanes. Dafür müsste die Politik aber mindestens 80.000 Euro bereitstellen. Auf die Diskussion am Mittwoch darf man gespannt sein. Viele Hildener leiden wirklich unter Verkehrslärm. Zur Wahrheit gehört aber auch, das wir alle mit unserem Verhalten für die stete Zunahme des Verkehrs verantwortlich sind. Weil auch immer mehr Bürger im Internet einkaufen, gehören die Lieferfahrzeuge von Paketdiensten inzwischen zum gewohnten Straßenbild - von morgens bis abends. Und auf den Autobahnen reiht sich Laster an Laster - ein rollendes Warenlager. 54 Prozent aller Wege in Hilden werden bereits zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt, hat die TU Dresden vor einigen Jahren ermittelt. Das ist weit mehr als in anderen vergleichbaren Mittelzentren. Das bedeutet aber auch im Umkehrschluss: Rund 46 Prozent aller Wege in Hilden werden immer noch mit dem Auto zurückgelegt (56 Prozent in vergleichbaren Kommunen). Das erzeugt Verkehrslärm, der vermeidbar wäre. Hilden verfügt über ein gut ausgebautes Radverkehrsnetz. Und mit Elektrorädern steht auch eine Technik zur Verfügung, die leise und umweltfreundlich ist und trotzdem mobil macht. Immer mehr vor allem Ältere in Hilden wissen das zu schätzen - und lassen ihr Auto immer häufiger in der Garage. Mit Tempo 30 nachts auf den Durchgangsstraße kämen sie gut zurecht. Autofahrer sicher auch: Wünschen wir uns nicht alle zumindest nachts Ruhe vor dem dauernden Rauschen des Verkehrs?

Quelle: RP
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