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Analyse
Viele helfen beim würdevollen Sterben

Hilden/Haan. Analyse Reicht die Hospiz- und Palliativversorgung im Kreis Mettmann aus? Von Petra Cyperek

Christine Erm kann in scheinbar ausweglosen Situationen helfen. Die hauptamtlich tätige Koordinatorin bei der Hospizbewegung St. Martin vermittelt beispielsweise auch Hilfsangebote und medizinische Betreuung für Sterbenskranke und deren Angehörige. Ist für die unheilbar an Krebs erkrankte Mutter, die bettlägerig ist, nach dem Krankenhausaufenthalt ambulante Pflege zu Hause möglich? Oder sind die Angehörigen mit einer solchen Situation überfordert? Ein Platz im Hospiz würde vielleicht alle entlasten und mehr Zeit für persönliche Gespräche bieten. In Hilden ist die Hospizbewegung Ansprechpartner und in Haan der Verein Christliche Hospiz- und Trauerbegleitung.

Ein würdevolles Sterben ohne Schmerzen wünscht sich jeder. Doch nicht überall sind die Angebote gleich gut. Deshalb soll nun die Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland per Gesetz ausgebaut werden. Recht gut versorgt ist der Kreis Mettmann. Dort gibt es für Sterbende sowohl ambulante als auch stationäre Möglichkeiten.

Entscheidet man sich für die ambulante Betreuung zu Hause, geht das nicht ohne ein gut funktionierendes Netzwerk von Familienangehörigen, Freunden, dem Hausarzt und Pflegediensten, weiß Christine Erm. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizvereins unterstützen mit Gesprächen und Beratungen. "Gerade die Nächte sind problematisch. Unruhe und Ängste machen sich in der Dunkelheit besonders stark bemerkbar", weiß die Koordinatorin. "Wir haben in einigen Fällen schon Nachtwachen vermittelt."

Für den Kreis Mettmann organisiert der SAPV (spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung) mit Sitz in Velbert beispielsweise Pflegebetten und Medikamente. Über eine Notfallnummer sind die Mitarbeiter Tag und Nacht erreichbar. Dieses Angebot muss vom Krankenhaus oder anschließend vom Hausarzt verordnet werden", erklärt Christine Erm. "Wir freuen uns, dass immer mehr Mediziner davon Kenntnis haben."

Lebt der Schwerkranke alleine, kann er vorübergehend auf eine Palliativstation verlegt werden. Ärzte und Schwestern können den Krankheitsverlauf dort genau beobachten und führen ein Schmerztagebuch. In vielen - aber nicht in allen Fällen - kann die Palliativmedizin das Leiden ausblenden. "Eine Linderung ist aber möglich", erklärt Chrtistine Erm. "Das ist das beste Argument gegen eine aktive Sterbehilfe." Die Palliativ-Station sei jedoch immer nur eine Zwischenstation. Hospize sind nicht nur ein Ort, um würdevoll zu sterben. "Dort herrscht eine persönliche und familiäre Atmosphäre", weiß die Koordinatorin. "Es wird auch gelacht." Die Hospize in Garath (in Trägerschaft des Caritasverbandes) und in Hochdahl (aus einer Initiative der katholischen und evangelischen Gemeinde hervorgegangen) bieten Platz für acht bis zehn Menschen. Sie können ihre wohnlichen Zimmer selber mit persönlichen Gegenständen gestalten. Freunde und Verwandte dürfen jederzeit kommen - auch nachts, beschreibt Christine Erm die Lebensumstände. Die Todkranken verbringen dort einige Tage bis zu mehreren Monaten. "Die Krankenkasse muss eine Unterbringung bewilligen."

Doch nicht immer ist ein Platz frei. Zwar gebe es Phasen, wo kein Bett gebraucht wird, dann aber wieder Zeiten, wo händeringend nach einer Lösung gesucht wird. Weil die Liegedauer in den Krankenhäusern immer kürzer wird, muss das meistens schnell gehen. "Deshalb sind gute Beratung und eine ärztliche Aufklärung, die auf den Patienten zugeschnitten ist, sehr wichtig", erklärt Christine Erm. Weil die Einrichtungen "im Kreis Mettmann gut vernetzt" sind, finde sich immer eine Lösung, sagt die Koordinatorin. "Manchmal über die Stadtgrenzen hinaus."

Quelle: RP
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