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Hilden
Vom Glück, ein Denkmal zu bewohnen

Hilden: Vom Glück, ein Denkmal zu bewohnen
Uwe Koenzen (l.) zeigte Besuchern gestern seine historische Hofanlage am Kesselsweier. In seiner Manufaktur werden Elektroautos wie dieser e-Kabinenroller hergestellt. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Zum Denkmaltag öffnete Eigentümer Uwe Koenzen gestern den Gutshof Kesselsweier für Besucher. Von Daniele Funke

Ortrud Brinkhoff betrachtet staunend die Fassade des großen weinroten Altbaus mit der dunkelgrünen Flügeltür. "Ich bin sprachlos", sagt die Langenfelderin: "Ich habe lange in Hilden gelebt, aber dieses wunderschöne Gebäude kannte ich bislang nicht. Es wäre mir doch sofort aufgefallen."

Dabei ist der alte Gutshof, am Rande des ehemaligen Segelflugplatzes und eingebettet zwischen Stadtwald und Feldern, vielen Haanern und Hildenern zumindest vom Sehen vertraut. Bis 2008 hatte die Luftsportgemeinschaft Hilden-Haan das Wohnhaus als Clubhaus genutzt und in den Stallungen und dem zugebauten Hangar Fluggeräte, Winde und Seilrückholwagen untergestellt. Nach der Stilllegung des Flugbetriebes und dem Auszug des Vereins wusste niemand so recht, wie es weitergehen sollte mit der historischen Gutsanlage, die bereits mindestens seit 1590 existiert. Ein Zufall brachte den jetzigen Eigentümer Uwe Koenzen und die Hofschaft zusammen: "Vor fast zwanzig Jahren hatte ich schon mal Gespräche mit der Wirtschaftsförderung über die Nutzung dieser Gebäude geführt, weil ich absolut begeistert war. Damals wurde da leider nichts draus. Und als ich dann vor rund fünf Jahren nach einem Objekt suchte, schlug man mir doch tatsächlich genau dies hier vor." Es sei ein mühseliger und langer Prozess von rund zweieinhalb Jahren gewesen bis schließlich 2012 der Erwerb der Anlage bekundet war, zumal das Ehepaar Koenzen selbst das Wohnhaus und die Stallungen unter Denkmalschutz stellen ließ. "Damit mussten unzählige Nutzungs- und baurechtliche Vorschriften geprüft, Vorgaben der Unteren Landschaftsbehörde beachtet werden. Letztlich haben wir nach vielen guten Verhandlungen für uns alle zufriedenstellende Resultate erzielt", erinnert sich Uwe Koenzen. Mit seinem Partner Jens Broedersdorff entwickelt und baut er in den ehemalige Stallungen Prototypen für Elektroautos. "Eine normale Autowerkstatt hätte hier nicht eröffnet werden dürfen, alleine wegen der Gefahr der Grundwasserverschmutzung durch Motoröl. Auch die Nutzung des Gutshofes als öffentlicher Reitstall wäre nicht machbar gewesen, weil die Zufahrtregelung nur eine begrenzte Anzahl an Zufahrten pro Tag zulässt", erklärt Karin Herzfeld von der Unteren Denkmalbehörde.

Besucher August Kuhl lugt ein wenig wehmütig in die umgebauten Stallungen. "Ich war hier selbst im Luftsportverein. Das war eine tolle Zeit. Und ich kann nur staunen, was seitdem hier geschehen ist." Uwe Koenzen freut sich sichtlich über das Kompliment. "Wir haben hier viele Handwerker gehabt, die sich auf die Sanierung und den Umbau von denkmalgeschützen Gebäuden spezialisiert haben. Meine Frau und ich haben selbst nur wenige hundert Stunden praktisch mit angepackt, aber tausende in die Planungen investiert."

Ein Blick in den Eingangsbereich des rund 330 Quadratmeter großen Wohnhauses bestätigt den Eindruck: Alles, was hier an Sanierung geschieht oder geschehen ist, passiert in liebevoller und akribischer Detailarbeit. Die Treppenstufen aus Naturstein im Eingangsbereich, die original Bodenfliesen mit den bunten Ornamenten, die hochwertig aufgearbeiteten Türen.

"Fertig wird man hier eigentlich nie", sagt Anja Koenzen, "aber bereut haben wir diesen Schritt nie. Dieses Zuhause ist unser ganz großes Glück."

Quelle: RP
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