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Haan
Vorlesen will gelernt sein

Haan: Vorlesen will gelernt sein
Barbara Knieling (r.) gab beim Workshop zum Vorlesen bei Kindern mit Migrationshintergrund eine Menge Tipps auch aus der Praxis. Die gelernte Buchhändlerin, die mehrere Fortbildungen absolviert hat, konnte den Vorlesepaten Barbara Zipper, Brigitte Hendrichs, Marion Abaffy, Luise Brockmann und Gabriele Baudisch sowie Büchereileiterin Gabriele Schnabel (von links) viele Hinweise für Vorlesestunden liefern. FOTO: RPO
Düsseldorf. Die Stadtbücherei Haan schulte gestern Vorlesepaten, mit Geschichten Sprachbrücken zu bauen. Kinder entwickeln ihre Sprachfähigkeit durch das Zuhören und die Beschäftigung mit (Bilder-)Büchern. Von Ralf Geraedts

Ein Schlüsselerlebnis hat Vorlesepatin Gabriele Baudisch vor einigen Monaten schon gehabt: Die kleine Tochter marokkanischer Eltern hatte noch nie ein deutsches Wort gesprochen, aber plötzlich Begriffe aus einem schon vielfach vorgelesenen Bilderbuch akzentfrei ausgesprochen. Hier hatte die Geschichte einem Kind mit Migrationshintergrund eine Sprachbrücke gebaut. Genau um dieses Ziel ging es gestern bei einem Workshop für Vorlesepaten, den die Stadtbücherei Haan ausrichtete. Barbara Knieling als Referentin versorgte die fünf Patinnen mit vielen Informationen zur Buchauswahl und zur Sprach- und Leseentwicklung sowie mit Tipps für eine lesefreundliche Atmosphäre oder für die Vor- und Nachbereitung. Am Ende der von der Jugendförder-Stiftung von Karin und Gerhard Schmitz finanzierten Fortbildung erhielten alle Teilnehmerinnen Vorlesepaten-Urkunden.

Kinderwünsche nicht blockieren

Seit weit über einem Jahr kooperiert die Stadtbücherei mit der Kita Am Bandenfeld und präsentiert zu Anfang jeden Monats Bilderbuchgeschichten zweisprachig. In allen Einrichtungen gibt es Kinder mit Migrationshintergrund, denen über das Vorlesen die Tür zur deutschen Sprache geöffnet werden kann. Bei der Schulung überraschte Barbara Knieling mit der Information, dass ein Kind einen Begriff im Schnitt 40 Mal gehört haben muss, bis es ihn passiv verstehe und aktiv anwenden könne. Dies erkläre, warum vielfach der Wunsch nach einem Wiederholen der Geschichte geäußert werde. "Das ist ein Signal, dass sich das Kind intensiv mit dem Vokabular und dem Thema befasst", riet die Referentin davon ab, den Wunsch der Kinder vorschnell zu blockieren.

Barbara Zipper ist seit gut vier Jahren als Vorlesepatin in der Kita Nachbarsberg aktiv. Wenn sie Bücher vorgestellt hat, lässt sie diese bis zum nächsten Besuch liegen, damit Kinder selbst blättern und die Erzieher nochmals vorlesen können. Auch Luise Brockmann verfährt so. Diese Praxis will Barbara Knieling bei anderen Schulungen weiterempfehlen.   Marion Abaffy, Lehrerin an der Hauptschule Zum Diek, weiß, dass sich selbst Zehntklässler gerne etwas vorlesen lassen – "wenn es gut vorgelesen wird". Die Förderung der Lesekompetenz sei Teil des Schulprogramms. Die am Morgen aus Stuttgart angereiste Referentin empfahl aber, die Zuhörer aktiv durch Fragen einzubinden, um sie nicht ihrer passiven Konsumentenrolle zu überlassen.

Ausbildung seit fünf Jahren

Den Klang einer fremden Sprache zu hören, das gefalle den Kindern und Eltern, die zu den zweisprachigen Vorlesestunden in die Kinderbücherei kämen, berichtete Bibliotheksleiterin Gabriele Schnabel. Wenn der Vorleser bei Worten aus der Fremdsprache Nachfragen stelle, beziehe er den Zuhörer mit ein, gab es einen Gestaltungstipp.

Die Stadtbücherei bildet schon im fünften Jahr mit Erfolg Vorlesepaten aus, die ehrenamtlich und regelmäßig in Kindertagesstätten, Familienzentren, offenen Ganztagsschulen, Grundschulen und Seniorenzentren vorlesen. Brigitte Hendrichs, die vor der Freizeitphase der Altersteilzeit steht, will als Vorlesepatin den Kontakt zum Kindergarten halten, wo sie seit mehr als zehn Jahren tätig ist.

Quelle: RP
 
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