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Hilden
Weniger Raum als Lösung für Wohnungsnot

Hilden. In Anbetracht der größer werdenden Wohnungsnot in vielen Städten lud der Bund Deutscher Architekten (BDA) Bergisch Land zu einer spannenden Podiumsdiskussion ein. Architekten, Unternehmer, Stadtplaner und politische Vertreter sprachen im Silo der Gottschalks Mühle viel über das Wohnen der Zukunft und waren sich am Ende zumindest in einem Punkt einig: Der Wohnraum pro Kopf muss sich reduzieren.

Welche zukünftigen Anforderungen werden Bürger ans Wohnen stellen können? Wie lässt sich die Heimat der Zukunft lebenswert gestalten? Diesen Fragen näherte sich der Hildener Architekt Christof Gemeiner in einem Impulsreferat. Der Vorsitzende der BDA Bergisch Land beleuchtete die Wohnverhältnisse in verschiedenen Jahrzehnten: "Gab es in den 50er Jahren noch vier Quadratmeter beheizte Wohnfläche pro Person, sind es aktuell 39 Quadratmeter. Das wird sich ändern", sagte Gemeiner. Studien gingen davon aus, dass die beheizte Wohnfläche pro Person zwischen 25 und 30 Quadratmeter betragen werde. Konzepte für das Wohnen der Zukunft zu entwickeln, sei Aufgabe der Architekten, die sich schon viele Ideen dazu gemacht haben. Etwa das Wohnen im "Cluster": Das Konzept besteht darin, wie in einer Wohngemeinschaft kleinere Wohneinheiten mit großen gemeinschaftlichen Flächen zu schaffen. Bedeutet: Schlafen in der eigenen Zelle, für alles andere werden Gemeinschaftsräume genutzt: "Das Praktische daran ist, dass ich mir bequem ein Büro für Stunden oder Tage mieten kann", erklärte der Vorsitzende. Dabei könnten Mietkosten gespart werden, allerdings müsse dabei auch beachtet werden, in der Summe an Raumfläche zu sparen. Schnell kamen die ersten Bedenken auf, wie bei Unternehmer Dietrich Ernst: "Ich finde, Wohnen hat auch etwas mit wohlfühlen und Persönlichkeit zu tun, dafür brauche ich meine Möbel und Bilder. Dieses Konzept erinnert mich eher an ein Hotel." Doch Reduktion, wie Gemeiner äußerte, habe nichts mit Verlust sondern eher mit Befreiung zu tun. Dafür, so gab er zu, bräuchte es ein Umdenken. "Wie lassen sich solche Konzepte mit dem sozialen Wohnbau vertragen?", fragte einer der Anwesenden. Der soziale Wohnungsbau müsse von den Städten angetrieben werden, urteilte der Haaner Architekt Jochen Siebel. "Sozialer Wohnungsbau hat immer nur durch städtische Regularien funktioniert." Der Hildener Stadtplaner Lutz Groll bemängelte, dass die Konzepte "nur Architektenspielerein" aber in der Realität nicht umsetzbar seien.

(seg)
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