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Hilden
Wenn die Neugierde den Notendruck besiegt

Hilden. Bei "ALmöHi"-Projekten lernen Schüler von berufserfahrenen Praktikern. Weitere Mitmacher werden gesucht. Von Dirk Neubauer

Eigentlich hatte Valentin, damals in der 9. Klasse herausgefunden, dass allzu starkes Beschleunigen bei Elektrofahrzeugen von Nachteil ist - weil der Akku zu stark belastet wird. Davon war in der Aula des Helmholtz-Gymnasiums am Samstag nichts zu merken. Solarmobile flitzten elektrogetrieben einmal quer über das Parkett - schließlich hatte die Physik-Technik-AG von Johann Pleschinger kaum weniger versprochen als das "schnellste Modell-Solarmobil Deutschlands". Ob eine Chemieshow mit faszinierenden Farbkaskaden, "Blitzschnell schachmatt" - oder beeindruckende Holzwerkstücke: ALmöHi, "Alternative Lernmöglichkeiten in Hilden", entfaltete drei Stunden lang eine beeindruckende Bandbreite blitzgescheiter Ideen und Projekte. 60 Interessierte erlebten drei Stunden lang, was dabei herauskommt, wenn Schüler Notendruck und Stress ab- und ihre Neugierde anschalten.

"Am liebsten würde ich in allen AGs selber mitmachen", schmunzelt der, der ALmöHi im Jahr 2004 in Gang gesetzt hat: Dr. Walther Enßlin, ehemals Chemielehrer am Helmholtz-Gymnasium, suchte damals eine Möglichkeit, das Wissen der erfahrenen Berufspraktiker - Architekten, Chemiker, Kinderärzte - so an die Schüler weiterzugeben, dass die fasziniert sind und wie von selbst lernen. Das ist gelungen. Und: Dabei lernen Jung und Alt gleichermaßen voneinander. "Das Arbeiten in der Gruppe hat mir immer Spaß gemacht. Und ich wollte den Kontakt zu den jungen Menschen nicht verlieren", hat Wolf-Achim Roland bereits vor vielen Jahren seinen ALmöHi-Einsatz begründet. Er und seine Schülergruppe versetzten mit Bildern und Geschichten seltener Hildener Bäume ins Staunen. Man muss eigentlich das Schulgebäude nur mal kurz verlassen, schon steht ein Baum mit einer ganz besonderen Geschichte im Weg. In Zeiten einer auf acht statt neun Jahre gestauchten Schulzeit im Gymnasium sind all die Arbeitsergebnisse, für die die Schüler zahlreiche Preise bei "Jugend forscht" und weiteren Wettbewerben bekamen, nicht mehr selbstverständlich. Der pensionierte Lehrer Dr. Enßlin hat beobachtet, "dass den Schülern immer weniger Zeit außerhalb der Schule bleibt. Im Grunde hat man den Schüler ein Jahr der Entwicklung gestohlen." Dennoch werden wieder Mitstreiter für ALmöHi gesucht - berufserfahrene Praktiker, die Spaß daran haben, jungen Menschen etwas beizubringen. Kontakt: Mail an drensslin@gmx.de.

Quelle: RP
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