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Auf Ein Wort Hans-Peter Gitzler
Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

Hilden. Wie gut, dass sie am Sterben teilhaben!"

Diese Zeilen stammen aus dem Gedicht "Ende eines Sommers" des Lyrikers und Hörspielautors Günther Eich. Ich habe es vor Jahren während meiner Ausbildung als Trauerbeleiter kennen gelernt.

Diese Zeilen kamen mir wieder in den Sinn, als ich Anfang der Woche mit unserem Hund im Wald unterwegs war.

Den Trost der Bäume suchen Menschen seit alters her. Bäume sind fest verwurzelt und strecken sich doch zum Himmel. So werden sie zum Vorbild für Menschen in ihrer Sehnsucht nach einem Halt, der trägt, und in ihrer Hoffnung auf Gottes Himmel. Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

Günther Eich nennt noch einen anderen Grund des Trostes: Die Bäume haben teil am Sterben. Sie sterben nicht erst am Ende, sondern Jahr für Jahr. Im Herbst zieht der Baum seine Lebenskraft aus den Ästen und Zweigen zurück und er erscheint nach außen tot. Doch im nächsten Frühjahr wird er wieder lebendig und grünt von Neuem.

Das kann Trost sein: In meinem Leben geht es doch ähnlich zu. Da sind nicht nur die Zeiten des Wachsens und des Erfolgs. Ich muss Dinge loslassen, die mir lieb geworden sind. Ich muss von Menschen Abschied nehmen, die mich lange begleitet haben. Und manchmal spüre ich, dass ich mich verausgabt habe, dass ich mich zurückziehen muss, um neue Kräfte zu sammeln. An den Bäumen im Herbst sehe ich: Das Loslassen ist ein Teil des Lebens. Wenn ich nicht loslassen könnte, würde sich meine Lebenskraft verlieren. Das Leben kann nur gelingen, wo Wachsen und Loslassen ihre Zeit haben.

Beides, das Werden und das Vergehen, ist gehalten von Gott. Darum vergleicht die Bibel Menschen, die sich ganz auf Gott verlassen können, mit Bäumen. Fest in Gott verwurzelt, kann Leben gelingen im Rhythmus des Loslassens und Wachsens.

Quelle: RP
 
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