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Hilden
Wer wenig Wasser verbraucht, zahlt mehr

Hilden: Wer wenig Wasser verbraucht, zahlt mehr
Karl-Josef Weinelt muss seit Jahresanfang 41 Prozent mehr für sein Wasser zahlen. Für Kunden mit geringem Verbrauch kann es deutlich teurer werden. "Wir nehmen mit der Tarifumstellung nicht mehr Geld ein", betonen die Stadtwerke. FOTO: cis
Hilden. Die Stadtwerke Hilden haben Anfang des Jahres ein neues Tarifmodell eingeführt. Das hat Folgen. Von Christoph Schmidt

Karl-Josef Weinelt liest alle Gebührenbescheide, die er bekommt - und er rechnet sie auch nach. Dabei hat er festgestellt: "Unsere Wasserrechnung hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent erhöht." Der RP-Leser wandte sich an das Kundenzentrum der Stadtwerke und bat um Aufklärung. Dort erfuhr er: Die Stadtwerke haben zum 1. Januar ein neues Tarifsystem für Trinkwasser eingeführt. Vorher wurde nur nach Verbrauch abgerechnet. Jetzt gibt es einen "System"- und einen "Mengenpreis". "Insgesamt handelt es sich um eine erlösneutrale Tarifumstellung, nicht um eine Preisanpassung", teilte das Kundenzentrum Karl-Josef Weinelt mit.

Das mag der Hildener so nicht stehenlassen: "Dass keine Preiserhöhung stattgefunden hat, ist nur bedingt richtig. Kunden mit geringem Verbrauch wie wir zahlen bei dem neuen Tarifsystem drauf. In unserem Fall 41 Prozent mehr. Erst ab einem Jahresverbrauch von 120 Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr ist der neue Tarif plus-minus-null."

Oliver Schläbitz, Vertriebsleiter der Stadtwerke Hilden, hat sich die Berechnung von Familie Weinelt angeschaut und stellt fest: "Die ist korrekt." 70 bis 80 Prozent der Wasserkosten seien fix - etwa für das Wasserwerk oder das Rohrleitungsnetz. Geht der Verbrauch dauerhaft zurück, würden die Stadtwerke über kurz oder lang rote Zahlen schreiben. Deshalb hätten die Stadtwerke das neue Tarifsystem eingeführt: "Der Systempreis deckt eine Hälfte der Gesamtkosten ab, der Mengenpreis die andere." Schon 2012 habe der Aufsichtsrat der Stadtwerke über ein neues Tarifsystem diskutiert, sagt dessen Vorsitzender Jürgen Scholz: "Die Landeskartellbehörde NRW ist mit unserem Modell nicht nur einverstanden, sondern empfiehlt es uns ganz nachdrücklich, um zukunftsfähig zu sein." Schon viele andere Versorger hätten dieses Modell eingeführt. Der Wasserpreis sei nicht erhöht worden, betont Schläbitz: "Die Tarifumstellung ist für uns in Summe erlösneutral." Der Vertriebsleiter räumt aber ein, dass es jetzt Wasserkunden gibt, "die mehr zahlen, andere weniger". Karl-Josef Weinelt zahlt mehr: Exakt 54,96 Euro. "Das sind 4,58 Euro mehr im Monat", rechnet Schläbitz vor: "Wir haben den Wasserpreis seit zwölf Jahren nicht erhöht." Die Stadtwerke Hilden seien einer der letzten kommunalen Versorger in NRW mit altem Trinkwasser-Tarif gewesen.

Kunde Karl-Josef Weinelt kann das alles nachvollziehen, bleibt aber dabei: "Für uns hat eine Preiserhöhung stattgefunden, und zwar um 41 Prozent. Wir verbrauchen als Zwei-Personen-Haushalt nur so viel Wasser wie nötig ist. Wir wässern unseren Garten und speisen einen Teich. Sonst sparen wir Wasser, wo es geht." Die Stadtwerke Hilden liefern auch Strom und Gas. Diese Energiemärkte wurden liberalisiert, dort gibt es Wettbewerb. Die Kunden können sich ihren Versorger aussuchen. "Beim Wasser bin ich einem Monopolisten ausgeliefert", meint Weinelt. Das Europäische Parlament sieht das etwas anders. 2015 haben sich die Europaabgeordneten mit Mehrheit gegen eine Privatisierung der Wasserversorgung ausgesprochen: Wasser dürfe keine Handelsware werden, der Zugang zu Wasser sei ein grundlegendes Menschenrecht.

Quelle: RP
 
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