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Hilden
Werkstätten müssen Rücklagen bilden

Hilden. Gute Zahlen, zufriedene Auftraggeber. Die WFB legen eine Top-Bilanz vor. Trotzdem ist nicht alles perfekt. Von Sabine Schmitt

Wenn eine GmbH Jahr für Jahr einen Überschuss erwirtschaftet, dann ist das ein Erfolg - und die Gesellschafter freuen sich. Sie können Gewinn abschöpfen. Bei den WFB Werkstätten des Kreises Mettmann ist das anders. Auch sie sind eine GmbH und mit Geschäftsführer Klaus Przybilla und den Mitarbeitern erfolgreich, sehr erfolgreich sogar. Im Jahresbericht für 2016 steht ein Umsatzerlös von 3,98 Millionen Euro (2015: 3,77 Millionen Euro), das Jahresergebnis, also der Gewinn, beträgt 1,12 Millionen Euro (2015: 800 000 Euro). Anders als in einer klassischen GmbH aber bleibt das Geld im Unternehmen. Gewinnauszahlungen? Gibt's nicht. Stattdessen bilden die Werkstätten, bei denen behinderte Menschen arbeiten, Rücklagen. Das ist wichtig, denn es gibt ein strukturelles Problem.

"Die Rücklagen werden wir zukünftig dringend benötigen, weil mit den Erstattungen der Leistungsträger keine auskömmliche Finanzierung mehr möglich sein wird", sagt Geschäftsführer Klaus Przybilla. Was steckt dahinter? Die Werkstätten verdienen Geld durch Aufträge. Sie bekommen aber pro Mitarbeiter von ihren Hauptleistungsträgern, dem Landschaftsverband Rheinland und der Agentur für Arbeit, auch Pauschalbeiträge und Zuschüsse - etwa für Betreuer, Mahlzeiten, Busfahrten. Diese Pauschalbeiträge aber, die steigen nicht in dem Maße, wie es für ein kostendeckendes Wirtschaften nötig wäre, sagt Przybilla. Die Rücklagen sind somit ein wichtiges Polster für die Zukunft. Denn da wartet noch eine Herausforderung. Bei den Werkstätten gibt es ein Nachwuchsproblem. Przybilla nennt das Jahr 2020. Bis dahin gehen viel mehr ältere Menschen mit Behinderung in Rente, als junge nachkommen. Es entsteht eine Lücke - und das bei guter Auftragslage.

Die behinderten Menschen, die bei den WFB Werkstätten mit Unterstützung der Nicht-Behinderten arbeiten, leisten gute Arbeit, die von Unternehmen geschätzt wird, sagt Przybilla. Auch legen die Werkstätten viel Wert auf Qualitätssicherung. Zu den wichtigsten Auftraggebern gehören große und renommierte Unternehmen wie nkt cables in Köln (Kabel; Umsatz 459 000 Euro), Geberit Mapress in Langenfeld (Maschinenkoffer für Installateure; 386 000 Euro), Sebo in Velbert (Industriesauger; 232 000 Euro) und Puky in Wülfrath (Fahrräder; 182 000 Euro).

Wirklich stolz sind die Werkstätten auf etwas anderes - auf die Menschen in den Betrieben, die Inklusion leben und die über die Arbeit am sozialen Leben teilnehmen und Wertschätzung erfahren. "Ungeachtet der Zahlen stehen für uns immer unsere Mitarbeiter im Vordergrund", sagt der WFB-Aufsichtsratvorsitzende Reinhard Ockel. Das kommt bei den Menschen auch so an.

Quelle: RP
 
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