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Hilden
Wie Briefträger Hunden den Biss nehmen

Hilden: Wie Briefträger Hunden den Biss nehmen
Postbote Herbert Liewehr übte mit dem belgischen Schäferhund Mowgli, wie er sich selber gegen Beißattacken schützen kann. FOTO: Rainer Ernzer
Hilden. Am Langenfelder Briefzentrum gab ein Hundetrainer zwölf Postboten Verhaltenstipps und ließ sie mit belgischen Schäferhunden üben. Von Stephan Meisel

Wenn sie mit Päckchen oder Briefen in der Hand das Gartentor öffnen, dann haben manche Postboten ein mulmiges Gefühl: Was tun, wenn der Hund des Hauses bellend auf den Eindringling zurennt - will der wirklich nur spielen? Bei einem Hunde-Seminar auf dem Gelände des Langenfelder Briefzentrums haben zwölf Zusteller jetzt geübt, wie sie schmerzhafte Begegnungen vermeiden und Ängste abbauen können. "Bellen ist Kommunikation. Beim Knurren sollte man vorsichtig sein." Das ist einer der Verhaltenstipps, die Trainer Michael Pfaff der Gruppe gibt. Mit vier belgischen Schäferhunden dürfen alle die Eins-zu-eins-Begegnung dann auch ganz praktisch üben.

Einige der Teilnehmer sind bei der Arbeit schon gebissen worden. Paketzusteller Thomas Hermanski etwa erwischte es an einer Wohnungstür, als er den Handscanner rausholte, um die Adressatin unterschreiben zu lassen. "Plötzlich sprang ein großer Hund heraus und biss mich in den Bauch." An Said El Kaddouris Wade zeugt eine Narbe von der Attacke eines Schäferhunds vor zwei Monaten.

Das seien keine Einzelfälle, sagt der für die Region Düsseldorf zuständige Postsprecher Rainer Ernzer, der das Training in Langenfeld interessiert beobachtet. "Allein im letzten halben Jahr hatten wir über 50 Hundebisse im Bereich der hiesigen Niederlassung, die Postleitzahlen mit den Anfangsziffern 40, 41 und 42 umfasst." Jedes Jahr gebe es daher für die neuen Auszubildenden ein Hundetraining.

Wenn im fremden Garten ein Hund auf den Postboten zurennt, sollte der ihn am besten "gar nicht beachten, aber im Auge behalten", erklärt Pfaff, der lange bei der Polizei als Hundeführer und Ausbilder tätig war. Er rät davon ab, bewusst den Kontakt zu dem Tier zu suchen, es zu herzen oder ihm sogar ein Leckerli zuzustecken. "Wir hatten früher auf den Dienststellen solche Leckerli extra für die Briefträger vorrätig, das dann aber eingestellt", sagt Ernzer. "So ein regelmäßiges Leckerli weckt beim Hund schließlich eine Erwartungshaltung. Und hat der Zusteller dann mal keines dabei oder kommt der ahnungslose Vertreter, dann ist das Tier sauer."

Aggressiv wirkt ein knurrender Vierbeiner auch so. Was tun, wenn er auf einen Zusteller zuspringt? "Nicht einfach umdrehen und wegrennen. Der Hund ist sowieso schneller", sagt Pfaff. Besser: schräg-seitlich ohne hektische Bewegung zurückziehen. Um den Hund von sich selber abzulenken, könnten die Zusteller auch dessen Spieltrieb wecken, indem sie ihre Kappe, Päckchen oder Briefe ein Stück weit werfen. Rennt er hinterher, ist der Weg zum Gartentor frei.

Und wenn es doch zur Konfrontation kommt? Zusteller Herbert Liewehr bekommt von Pfaff ein Beißkissen in die Hand, Rüde Mowgli schnappt zu. Weil der Postbote ein solches Hilfsmittel bei der Arbeit nicht dabei hat, zeigt ihm der Trainer, wie er seine eigene Jacke als Beißkissen verwenden kann, und wie er sie in ständiger Bewegung halten soll. Die Teilnehmer sind nach den Übungen voll des Lobes. So wie Christina Charissiadou, die vor vielen Jahren im Dienst gebissen wurde und seither Angst hatte. "Ich hoffe, das ist jetzt vorbei."

Quelle: RP
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