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Hilden/Haan
Wie die Schulen Nachhilfe organisieren

Hilden/Haan: Wie die Schulen Nachhilfe organisieren
Schüler helfen Schülern - das ist eines von mehreren Nachhilfe-Modellen, die an Schulen üblich sind. Hier gibt Frederike (17) dem drei Jahre jüngeren Jan (14) Nachhilfe. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Hilden/Haan. Der Begriff Nachhilfe wird vermieden: Schulleiter reden lieber von "individuellen Förderkonzepten", "Lernzeiten" oder "Lerninseln". Hier sind die gängigsten Modelle. Von Ilka Platzek

An der Hauptschule Haan sind die "Lernstunden" bereits im Stundenplan verankert. "In den Klassen 5 und 6 werden zwei zusätzliche Deutschstunden pro Woche angeboten", erzählt Schulleiter Marcus Helf. "In ihnen werden Kinder zusammen betreut, die Rechtschreib-, Grammatik- oder eine generelle Lese-Rechtschreib-Schwäche haben." Einmal pro Woche üben ehrenamtliche Helfer mit jeweils ein oder zwei Schülern ganz individuell Englisch, Mathe oder Deutsch. "Ehemalige Kollegen erteilen ebenfalls Nachhilfe. Am Elternabend klären Eltern und Lehrer, wo Schwächen sind und was dagegen getan werden kann." Alle genannten Angebote sind kostenlos.

Auch an der Sekundarschule in Hilden gibt es so genannte "Lerninseln": Das sind zwei Lernstunden pro Woche, die im Stundenplan verankert sind. Dann wird der Klassenverband aufgelöst, und individuelle Schwächen werden in kleinen Gruppen mit den Fachlehrern abgebaut. "Wir testen alle Fünftklässler, die zu uns kommen, und teilen sie dann nach ihren Fähigkeiten unterschiedlichen Fördergruppen zu", erzählt Schulleiterin Sabine Klein-Mach.

"Da wir ja erst die Klassen 5 bis 7 haben, gibt es bei uns noch keine älteren Schüler, die die jüngeren unterrichten könnten", sagt sie. Stattdessen bietet der Bildungs- und Erziehungsverein "Hand in Hand" jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr Sprachförderung oder ähnliches an. Alle Angebote sind für die Eltern kostenlos.

Geradezu klassisch geht es dagegen an der Richrather Bettine-von-Arnim-Gesamtschule zu: Lehrerin Antje Kapell berichtet, dass Bibliotheksleiterin Ruth Weidig eine "Nachhilfebörse" organisiert. Interessierte ältere Schüler bieten ihre Dienste an; die Bibliothekarin spricht erst mit diesen Schülern, dann mit deren Fachlehrern: "Es geht uns um die Qualität des Unterrichts und um Verbindlichkeit." Soll heißen: Nicht jeder, der den Stoff selbst beherrscht, kann ihn auch anderen vermitteln. Deswegen werden die Lehrer der betreffenden Schüler gebeten, ein Urteil abzugeben. Gibt der grünes Licht, organisiert die Schule das erste Treffen. Danach regeln Nachhilfeschüler und -lehrer ihre Treffen individuell. 8 Euro bekommen die Schüler für 45 Minuten Unterricht. Für finanzschwache Eltern gibt es Geld für Nachhilfe aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Bei Problemen ist wieder die Schule Ansprechpartner. Weitere Angebote: "Im Stillarbeitsraum helfen Schüler Mitschülern. Oder Lehrer, die Aufsicht haben, helfen unentgeltlich", sagt Antje Kapell. Schließlich gibt es auch noch ehrenamtliche Lernbegleiter.

Am Otto-Hahn-Gymnasium in Monheim sagt Schulleiter Hagen Bastian: "Die Vokabel ,Nachhilfe' verwenden wir nicht mehr. Stattdessen geht es um individuelle Förderkonzepte." Als da wären: Deutsch-, Französisch- und Latein-Förderunterricht durch Lehrkräfte am Nachmittag und ein Tutorenkonzept: "Oberstufenschüler unterrichten gegen geringe Gebühr lernlangsame jüngere Schülerinnen und Schüler vor allem in Englisch und Mathematik." Die Organisation übernehmen Lehrkräfte.

Außerdem bietet das Monheimer Gymnasium laut Bastian Zusatzstunden in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathe an sowie Hausaufgabenbetreuung im Lernbüro: "Die Initiative kann von allen Beteiligten ausgehen - Schülern, Eltern oder Lehrern. Alle Fördermaßnahmen finden im Schulgebäude statt."

Quelle: RP
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