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Hilden
Wie Firmen heute Fachkräfte suchen

Hilden: Wie Firmen heute Fachkräfte suchen
Rund 45 Betriebe und Unternehmen waren der Einladung der Wirtschaftsförderung in den alten Ratssaal gefolgt. Rechts im Bild Diplom-Psychologin Sabine Hofmeister. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Bei einem Infoabend der Wirtschaftsförderung kamen Hildener Unternehmer und Bildungsinitiativen ins Gespräch. Von Alexander Riedel

Für Christian Rüdiger ähnelt die Suche nach Auszubildenden einer Lotterie. "Wir landen meistens nur Glückstreffer, zum Beispiel weil jemand im Zuge eines Ortswechsels eine Initiativbewerbung abgibt", erzählt der Geschäftsführer der Schreiber Stahlbau GmbH. Das seit 1963 in Hilden ansässige Unternehmen beschäftigt derzeit 50 Mitarbeiter und benötigt noch Ingenieure für die Projektleitung, Kalkulation und technische Bearbeitung im Stahlhochbau sowie einen Stahlbauschlosser.

Die Suche über Personalberatungen und Anzeigenportale im Internet sei jedoch in der Regel nicht von durchschlagendem Erfolg gekrönt, berichtet Rüdiger - und ist mit seinem Problem kein Einzelfall: Denn der Mangel an Fachkräften macht vielen Unternehmern Sorge, erst recht angesichts des demografischen Wandels. "Gerade die metallverarbeitenden Betriebe leiden besonders darunter, dass Fachleute rar geworden sind", bestätigt Peter Heinze, Teamleiter der städtischen Wirtschaftsförderung.

Er führte durch eine Informationsveranstaltung, die Lösungsansätze aufzeigen und Unternehmer mit Personaldienstleistern, Servicestellen und Bildungseinrichtungen ins Gespräch bringen sollte. Rund 50 Gäste - zwei Drittel darunter aus der Unternehmerschaft - waren der Einladung in den alten Ratssaal des Bürgerhauses gefolgt. Kurzvorträge verschiedener Experten stellten Strategien vor, um sich als Betrieb noch interessanter für mögliche Bewerber zu machen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Ein zentraler Aspekt war dabei die Vereinbarkeit von Familie, Kindern und Beruf. "77 Prozent der Eltern im Alter zwischen 25 und 39 Jahren würden für mehr Familienfreundlichkeit ihre Stelle wechseln", betonte Referent Markus Pesch vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf, das Unternehmen berät und sich für Chancengleichheit der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt einsetzt. Eine Möglichkeit, die Herausforderungen des Arbeits- und Familienlebens unter einen Hut zu bringen, ist die Teilzeitausbildung.

Eine solche strebt zum Beispiel Frank Rösner, Geschäftsführer der Mobilitätsmanufaktur Kadomo, für eine hochmotivierte Auszubildende aus Moldawien an. "Leider haben wir da von der Industrie- und Handelskammer gehört, Mutter zu sein allein reiche dafür nicht", ärgert sich der Unternehmer über bürokratische Hemmnisse. Generell sei es für ihn insgesamt noch recht leicht, an Auszubildende zu kommen, erzählt er: "Wir sind ein attraktiver Betrieb, aber auch wir müssen uns anstrengen.

" Das Unternehmen mit seinen drei deutschen Standorten hat sich auf den behindertengerechten Fahrzeugumbau spezialisiert. Von den in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Infoabenden der Wirtschaftsförderung könne man immer wieder Interessantes mitnehmen, betont Rösner. So stellte auch der gemeinnützige Bildungsträger "Bildung hoch drei" der Städte Hilden, Langenfeld und Monheim ihr Angebot vor: Das umfasst unter anderem einen Grundlehrgang Metall und ein Seminar zur Prüfungsvorbereitung.

Davon will auch Christian Rüdiger profitieren: "Ich habe jetzt jemanden für die Werkstatt eingestellt, der eigentlich aus dem kaufmännischen Bereich kommt", erzählt er. "Wir versuchen ihm natürlich wichtige Grundlagen im Beruf zu vermitteln, sind aber froh darüber, wenn sich eine zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeit ergibt." Im Anschluss an die Vorträge kamen viele Gäste miteinander ins Gespräch. Nicht nur Christian Rüdiger und Lothar Baumjohann von Bildung hoch drei tauschten die Telefonnummern für eine mögliche Zusammenarbeit aus.

Quelle: RP
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