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Hilden
Wie Firmen um den Nachwuchs werben

Hilden: Wie Firmen um den Nachwuchs werben
Christian Otterbeck hat sich bei Telroth beworben. Abdul Hamami hat den Hauptschulabschluss und sucht einen Ausbildungsplatz als Chemikant. FOTO: Staschik Olaf
Hilden. Bis zum Mittag haben 300 junge Leute versucht, bei den 38 Ausbildungsbetrieben einen guten Eindruck zu machen. Von Ilka Platzek

Bereits zum dritten Mal hat die IHK Düsseldorf zum so genannten Speed-Dating in die Hildener Stadthalle gebeten. Eingeladen wurden Schulabgänger aus dem ganzen Kammerbezirk, also aus Düsseldorf und dem Kreis Mettmann. "Wir haben Schulen angeschrieben und auf Plakaten in Bussen und Bahnen für die Veranstaltung geworben", sagt Inge Kohnen von der IHK, die die Veranstaltung organisiert hat. Etwa 300 Interessierte sind bis zum Mittag gekommen. Kohnen hat auch schon 500 Bewerber gezählt. Wer nicht hingeht, ist selbst Schuld: 38 Unternehmen bieten 250 freie Ausbildungsplätze beim Speed-Dating an. "70 bis 80 Prozent der angebotenen Stellen werden durchschnittlich besetzt", hat die IHK festgestellt.

Der Wind auf dem Ausbildungsmarkt hat sich gedreht: In der Region Düsseldorf gibt es bereits mehr freie Lehrstellen als Bewerber. Die für Firmen schönen Zeiten, als sie aus einem großen Pool von Bewerbern nur die allerbesten herauspicken konnten, sind vorbei. Zum Azubi-Speed-Dating kommen jetzt, wenn die meisten Ausbildungsplätze bereits vergeben sind, Firmen, denen die Lehrlinge kurzfristig abgesprungen sind oder solche, die noch nicht lange am Markt sind.

Sie suchen Nachwuchs für Telroth beziehungsweise für die Pizza-Kette L'Osteria: Christina Valentin und Markus Lennackers. FOTO: Olaf Staschik

Letzteres trifft zu auf L'Osteria Niderrhein, eine im Rheinland noch junge Pizza-Kette, die einen Kaufmann für Systemgastronomie ausbilden will. Melanie Morawietz hält Ausschau nach Bewerbern, "die Leidenschaft für die Gastronomie empfinden. Sie durchlaufen bei uns die Küche, den Gastraum und das Management und können sich zur Führungskraft hocharbeiten", wirbt sie. Tatsächlich trifft sie auf "Bewerber, die noch nicht so recht wissen, was sie wollen, und sich von uns beraten lassen wollen".

Nebenan, beim Hildener Telefonanlagen- und Sicherheitstechnik-Hersteller Telroth stehen die jungen Leute Schlange. In fünf Berufen bildet die Firma aus. Christian Otterbeck aus Velbert versucht hier sein Glück: "Ich bin staatlich geprüfter IT-Assistent und ganz spontan hier", erzählt er. Über Telroth weiß er nichts, sagt aber hinterher, dass das Gespräch "ganz gut gelaufen" sei. Sonja Arens, selbst Auszubildende bei der Firma, hat bis zum Mittag "sehr vielfältige Charaktere kennengelernt. Die waren alle gut vorbereitet. Wir haben die Bewerbungsunterlagen entgegen genommen und werden den Leuten bis Montag Bescheid sagen, ob wir sie zu einem weiteren Gespräch einladen oder nicht."

Es gibt auch Schüler, die mit ihrer Lehrerin zusammen unterwegs sind. Birgit Kosubek von der Düsseldorfer Fritz-Henkel Schule begleitet unter anderem Abdul Hamami. "Ich bin die Ex-Lehrerin und schaue mit den Schülern, was sie machen könnten. Abdul hat den Hauptschulabschluss und ist handwerklich begabt, weil sein Vater eine Autowerkstatt betreibt", wie die Lehrerin weiß. Er ist bestens vorbereitet: Unter dem Arm hat er einen Stapel Bewerbungsunterlagen. "Ich habe ihn zu Akzo Nobel geschickt. Die suchen Produktionsfachkräfte für Chemie und Chemikanten", sagt die Lehrerin. Abdul hatte ein gutes Gespräch und durfte seine Unterlagen dalassen. Vielleicht bekommt er ja einen Ausbildungsvertrag.

Quelle: RP
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