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Hilden
Wie man tolle Sachen im Wald entdeckt

Hilden: Wie man tolle Sachen im Wald entdeckt
Franz Schnurbusch erklärte den Teilnehmern Bäume und Gräser. Zu jedem Detail hatte der Waldpädagoge eine Geschichte zu erzählen. FOTO: Dietrich Janicki
Hilden. Bei der jüngsten RP-Sommertour führte Waldpadägoge Franz Schnurbusch RP-Leser durch den Ratinger Forst. Von Joachim Preuss

Wer aufmerksam durch den Wald geht, kommt nicht weit: Überall gibt es tolle Sachen zu entdecken - zumindest, wenn man sich auskennt. So wie der Waldpädagoge Franz Schnurbusch, der jetzt im Rahmen der RP-Sommertour RP-Leser durch den Forst an der Ratinger Jugendherberge führte.

Der 79-Jährige mit weißem Rauschebart und Filzhut ist ein begnadeter Erzähler, dem Kinder wie Erwachsene gebannt lauschen. Sogar ein Jäger war bei der Sommertour dabei - von Schnurbusch kann jeder noch viel lernen.

Die Hunde, die auch mitdurften, darunter ein süßer Welpe, hörten weniger interessiert zu, für sie gab es aber viel zu erschnüffeln. Alle paar Meter machte Schnurbusch Halt, erklärte den staunenden Teilnehmern, kleine, aber hochinteressante Details am Wegesrand. An denen man sonst einfach vorbeiläuft. Wer weiß denn schon zum Beispiel, dass es "kalte" und "warme" Bäume gibt? An zwei benachbarten Bäumen konnte das jeder einmal selbst erfühlen: Die Eiche mit ihrer kräftigen, tief zerfurchten Rinde beispielsweise fühlt sich tatsächlich "warm" an, die glatte Buche daneben eher "kalt". In der Eichenrinde leben bis zu 180 Arten Insekten, Flechten und Moose. An den Flechten könne man auch den Klimawandel verfolgen. Und zu jedem Detail hat Schnurbusch eine Geschichte oder einen flotten Spruch parat: Das war also im Jahre 1953, als er als Holzfäller im Wald tätig war und mit den Fingern an der glatten Buche festfror. An einer Birke verweist Schnurbusch auf den Dreizehenspecht: Der seltene Vogel, der tatsächlich nur drei Zehen hat, saugt den austretenden Saft der Birke. "Daher kommt der Begriff Schluckspecht." Ja, den habe man auch zuhause, tönte es fröhlich aus der Gruppe zurück.

Zeit für ein Liedchen: "Oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter". Und das mitten im Hochsommer. Klare Sache, auch für die jüngeren Teilnehmer: Der hat gar keine Blätter, sondern Nadeln. Und die seien mit "Frostschutzmittel" gefüllt, damit sie auch den kältesten Winter überstehen und somit im Herbst nicht abgeworfen werden.

Auch die Kiefer hat Nadeln, sehr weit gespreizte sogar. Und das hat seinen Grund: Sie holt sich damit, wenn's sein muss, die Feuchtigkeit aus der Luft, den Morgentau beispielsweise. Sie könne sogar in der Atacamawüste in Südamerika überleben: Sie gilt als eine der dürrsten Landschaften der Erde. Das Prinzip der Wassergewinnung mithilfe feiner Strukturen und Netze werde inzwischen auch für die Landwirtschaft genutzt: Bionik nenne man das, wenn der Mensch der Natur ihre Tricks abschaut. Schnurbusch greift mal wieder ins Grüne, zupft hier und da und wirft Blätter in die Luft: Sie fallen zur Erde, aber rotieren dabei. Mit dieser Technik soll der Samen möglichst weit verbreitet werden. Auch der Mensch nutzt das, als Propeller für Flugzeuge. Die Kräuterfrauen aus längst vergangenen Zeit wussten noch um die heilende Wirkung bestimmter Pflanzen. Schnurbusch bleibt an einem Vogelkirschbaum stehen. Die Mutter aller Kirschbäume blüht strahlend weiß, erfreut natürlich die Vögel, die Augen des Menschen und dessen Durchblutung.

Ein paar Meter weiter demonstriert der Waldpädagoge, was man gegen Kopfschmerzen machen kann: Auf einem Ästchen der Sal-Weide herumkauen: "Der Saft enthält Salicylsäure, das kennen wir vom Aspirin."

Wirklich weit in den Wald hineingekommen ist die Gruppe nicht. Blasen an den Füßen waren also nicht zu beklagen. Aber für die nächste längere Wanderung sollte man sich den Erlenbaum merken: Dessen Blätter, fein zerrieben, lindern wunde Stellen. Gut zu wissen.

Der Höhepunkt dieser Sommertour wartete zum Schluss auf die Teilnehmer: Franz Schnurbusch, seines Zeichens nicht nur Förster, Jäger, Ausbilder, Lehrer und Sonderpädagoge, ist auch Falkner. Wer sich traute, durfte den lederbewehrten Arm hochhalten, um einem der Jagdfalken eine Landung zu ermöglichen.

Quelle: RP
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