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Haan
Wie Sonne Würstchen kocht

Haan: Wie Sonne Würstchen kocht
Hanne Gottsmann verteilte die Würstchen: Das Wasser im Topf siedete nach etwa 30 Minuten. FOTO: olaf staschik
Haan. Clemens Hölter übergab der Awo-Kita Am Bandenfeld gestern einen Solarkocher. Der große Parabolspiegel bündelt die kostenlose Himmelsenergie und heizt damit einen im Brennpunkt aufgehängten großen Topf. Von Ralf Geraedts

Die Mädchen und Jungen staunten nicht schlecht. Nur mit der Kraft der Sonne kochte Clemens Hölter auf dem Gelände des Awo-Kindergartens Am Bandenfeld gestern Mittag Würstchen für alle. Als Gründer der "No-energy"-Stiftung spendete Hölter der Kindertagesstätte einen Solarkocher.

Der kann jetzt in der Einrichtung zur Umwelterziehung eingesetzt werden und zeigen, wie sich Solarenergie im Alltag nutzen lässt. Denn die von Angelika Bachmann-Blumenrath geleitete Kita ist aktiv an dem Energiespar-Projekt beteiligt, das die Sahle-Wohnen-Gesellschaft im vorigen Herbst auf den Weg gebracht hat.

So funktioniert die Technik: Der aluminiumbeschichte Parabolspiegel mit 1,40 Meter Durchmesser reflektiert die kostenlose Himmelsenergie und lenkt sie auf einen mattschwarzen Topf im Brennpunkt. Die 600 Watt Leistung – vergleichbar mit der Kochplatte eines Elektroherdes – bringen drei Liter Wasser im Topf innerhalb von 30 Minuten zum Kochen; an sonnigen Wintertagen würde es nur etwas länger dauern.

Das Aggregat eignet sich für kleine Garküchen unter freiem Himmel, lässt sich aber auch von Färbereien oder für Flechtarbeiten nutzen. In Ländern mit Brennstoffmangel erspart der Kocher den Frauen das tägliche Holzsammeln und erhält den Baumbestand. Der Kocher kann in Selbsthilfewerkstätten hergestellt werden, schafft Arbeitsplätze und macht die Kocher für die Menschen in Entwicklungsländern bezahlbar. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Energiewende gerade zur Chefsache erklärt.

Clemens Hölter, der sich seit Jahrzehnten mit Energiefragen und Nachhaltigkeit befasst, ist aber skeptisch, was den Weg angeht: "Zurzeit sind viele Akteure unterwegs, die neue Stromnetze bauen möchten und Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien voran treiben möchten – zumal dies mit Blick auf die Subventionen ein einträgliches Gewschäft ist", sagt er. Eine größere Energieeinsparung werde dabei aber nicht angestrebt.

Die Politik sei dabei, viel Geld in einer falschen Reihenfolge auszugeben. "Vor der Neuplanung von Stromnetzen und Kraftwerken müssen wir zuerst unser Einsparpotenzial in ganz Deutschland zeitnah realisieren – und danach erst die Standorte der Energieerzeugung unter Berücksichtigung des Bedarfs planen und darauf abgestimmt eine Netzplanung vornehmen", erläutert der Querdenker seine Ansicht.

Die No-energy-Stiftung hat erreicht, dass in vielen Tests von Unterhaltungselektronik-Geräten inzwischen die Stromverbräuche bei ausgeschalteten Geräten oder im Stand-by-Betrieb kritisch gewürdigt werden. Dadurch wird im Jahr Energie im Milliardenwert vergeudet. Die Stiftung ist im vorigen Jahr auch mit dem Energiesparpreis von RWE und Stadt Haan ausgezeichnet worden.

(RP/rl)
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