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Hilden
Winterdienst steht ohne Salzsilo da

Hilden: Winterdienst steht ohne Salzsilo da
Der alte Silo ist rechts zu sehen. Er ist nicht mehr standischer. Auf dem Bild sind die Bauarbeiten für das neues Salzlager zu sehen, das 2013 auf dem Gelände des Bauhofs errichtet wurde. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Die Politik hat eine Entscheidung auf den Herbst vertagt. Hersteller haben Lieferfristen von drei Monaten und länger. Von Christoph Schmidt

Bürgermeisterin Birgit Alkenings hatte es wirklich dringend gemacht. Das 40 Jahre alte Salzsilo für den Winterdienst ist nicht mehr standsicher. Eine Reparatur lohnt nicht, sagt ein unabhängiger Gutachter: am wirtschaftlichsten wäre ein neues Silo (rund 107.000 Euro). Weil ausgeschrieben werden muss und die Hersteller Lieferfristen von drei Monaten und länger haben, bat sie den Rat, das Geld schon jetzt außerplanmäßig bereitzustellen: "Ein Abwarten bis zum Beschluss des Nachtragshaushalts im Herbst stellt keine Alternative da."

Das sahen alle Ratsfraktionen anders. Sie vertagten sich auf den Herbst. Am 1. Oktober beginnt der städtische Winterdienst - ohne Salzsilo. "Wir müssen uns irgendwie behelfen", sagt Baudezernentin Rita Hoff, der auch der Bauhof untersteht: "Ich weiß nicht, welche Auswirkungen das hat." Vor sechs Jahren gab es eine ganz ähnliche Situation. Der Bauhof wollte das Salzlager von 110 auf 360 Tonnen verdreifachen. Das sei nicht nötig, lehnten alle Fraktionen - bis auf die SPD - ab. Dann kam im Dezember 2010 Tief "Petra" und schob eine Schneewalze übers Land. Nach fünf Tagen ging der Stadt Hilden das Streusalz aus. Der Nachschub stockte - in ganz Deutschland. Zwölf Chaos-Tage wurde in Hilden mangels Salz nicht gestreut. Die Politik wies alle Schuld weit von sich. Nach einem Expertengutachten wurde der Winterdienst dann doch aufgerüstet - für 350.000 Euro.

Die AfD sieht keinen Grund, 107.000 Euro für ein neues Salzsilo auszugeben, so Ralf Bommermann und spricht von "Ratsverdummung" und "geschönten Informationen". Man könne den Solebereiter auch mit einem Radlader befüllen. Die Allianz und die FDP sahen das ganz ähnlich. "Uns erschließt sich nicht, warum eine Reparatur des Salzsilos für 26.000 Euro unwirtschaftlich sein soll", sagte Ludger Reffgen. Erster Beigeordneter Norbert Danscheidt gab sich alle Mühe, das Problem auf den Punkt zu bringen: "Alle Stützen sind marode. Mit der Reparatur von einer gewinnen Sie nichts." Der Gutachter hatte von einer Reparatur abgeraten und ein neues Silo empfohlen. Welche Bedeutung hat das Salzsilo (nicht zu verwechseln mit dem Streusalzlager) für den Winterdienst? Die Anlage mischt aus 22 Prozent Salz und 78 Prozent Wasser Salzsole. Damit können die Straßen vorbeugend besprüht und besser frei gehalten werden. Wichtig: Der Solebereiter arbeitet automatisch. Bei Bedarf rutscht das Salz aus dem höher gelegenen Silo nach. Ohne Silo muss eine Förderpumpe her, um das Salz aus dem Salzlager in den Solebereiter zu befördern. Die kostet etwa 65.000 Euro. Zudem braucht die Anlage Platz in der Salzlagerhalle. Andere Möglichkeit: Ein Radlader befüllt den Solebereiter. Dazu muss der Deckel abgenommen werden. Das Salz darf aber nicht nass werden. Deshalb braucht der Solebereiter, der jetzt im Freien steht, einen Wetterschutz. Und einen zusätzlichen Mitarbeiter, der sich um die Befüllung des Solebereiters kümmert. Das ist für die Verwaltung der entscheidende Punkt. Der Solebe-reiter produziert 25.000 Liter Salzlösung. "Diese Menge wird bei anhaltendem Schneefall bereits an einem Tag mit durchgehendem Einsatz benötigt", stellte der Winterdienstgutachter 2011 fest. Seitdem ist die Länge der Straßen mit Priorität 1 und 2 (Hauptverkehrsstraßen, Buslinien, Gewerbegebiete) von 78 auf 175 Kilometer) mehr als verdoppelt worden. Ein Salzsilo habe eine Lebenszeit von mehr als 30 Jahren, rechnet der Bauhof vor: "Ein Salzsilo mit den veranschlagten 107.000 Euro ist auf Dauer gesehen günstiger."

Quelle: RP
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