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Hilden
Wo Kinder lernen, Nein zu sagen

Hilden: Wo Kinder lernen, Nein zu sagen
Beate Heinze und Juri Burger vom Osnabrücker Präventionstheater spielten bei der Jubiläumsfeier Szenen aus dem Stück für Kita-Kinder: "Die große NEIN Tonne". FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Die Stadt finanziert seit 25 Jahren eine Beratungsstelle, die Gewalt gegen Kinder verhindern oder die Folgen mildern soll. Von Ilka Platzek

Etwa 80 Leute, allesamt "Netzwerker", die mit der Beratungsstelle zusammenarbeiten, feierten gestern im Club Area 51 (Furtwänglerstraße 2b) den 25. Geburtstag der Präventionsstelle "Gewalt gegen Kinder", die die einzige ihrer Art im Kreis Mettmann ist. "Es gibt wichtige freiwillige Leistungen einer Stadt und weniger wichtige", sagte Sozialdezernent Reinhard Gatzke. Und fügte hinzu: "Diese Stelle ist regional und überregional ein Alleinstellungsmerkmal." Die Stadt finanziert die halbe Stelle der Sozialpädagogin Susanne Hentschel, die sich seit bald 20 Jahren um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen kümmert: "Unser Ziel ist es, dass sich Mädchen und Jungen zu selbstbewussten Frauen und Männern entwickeln können", erklärt Susanne Hentschel. "Die Missbrauchsfälle werden nicht weniger, und mit den sozialen Medien kommen neue Formen der Gewalt hinzu."

Deutschlandweit gab es 2013 laut Bundeskriminalamt etwa 15.000 Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder unter 14 Jahren, fast 40 sind es täglich. Auch in Hilden waren Missbrauchsfälle ausschlaggebend für die Einrichtung der Präventionsstelle. "In dieser Entscheidung waren sich Politik und Verwaltung völlig einig, obwohl Vergewaltigungen - gerade auch innerhalb der Familie - damals für viele noch ein Tabuthema waren", erinnert sich Hentschel. Erst die Frauenbewegung habe das Thema aus der "Tabuzone" herausgeholt und öffentlich gemacht.

Mit dem Internet kamen weitere Bedrohungen hinzu: Pädophile lauern in sozialen Netzwerken auf Opfer, und neben sexuellem Missbrauch ist auch das Mobbing eine ernste Gefahr geworden. Andererseits ist die Hildener Präventionsstelle dadurch leichter zu erreichen: "Auf unserer Homepage finden auch Kinder und Jugendliche meine Telefonnummer", sagt Hentschel. In der Regel seien es aber die Netzwerkpartner (Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Eltern), die sich an die Präventionsstelle wenden.

Mit ihrem "sehr begrenzten Budget von 2300 Euro pro Jahr", so Friedhelm Topp, der Leiter der psychologischen Beratungsstelle in Hilden, macht die Präventionsstelle trotzdem viele Angebote: "Wir bieten Kurse für Eltern, Lehrerinnen, Erzieher und Trainerinnen an. Aber nicht nur." Die Präventionsstelle in Hilden wendet sich mit ihrem Angebot auch gezielt direkt an Kinder und Jugendliche. Hentschel betont: "Junge Menschen müssen Strategien lernen, um sich selbst schützen zu können."

Das Theaterstück "Mein Körper gehört mir" richtet sich an Grundschulkinder; "Die große NEIN-Tonne" an Kita-Kinder. All das ist aber nur möglich, weil die Präventionsstelle neben den städtischen Zuschuss auch Spenden bekommt: sowohl von Privatleuten, als auch seit dem Jahr 2007 vom Lions Club.

Quelle: RP
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