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Hilden
Wo Kunst Geschichte erzählt

Hilden: Wo Kunst Geschichte erzählt
Das Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden zeigt Bilder aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Dazu gibt es Vorträge. FOTO: Stenzel
Hilden. Zuletzt hat sich der Herbst von seiner sonnigen Seite gezeigt, doch es wird trüber. Da bietet sich ein Museumsbesuch an. In der Region gibt es etliche sehenswerte Ausstellungen.

(mei) Das Stadtmuseum zeigt rund 60 Bilder der Foto-Künstlerin Herlinde Koelbl. Ihre Porträts von Günter Grass, Sarah Kirsch oder Woody Allen als Schwarz-Weiß-Fotografien verstehen es, die Persönlichkeit, den Charakter des einzelnen einzufangen und ein Stück weit sichtbar zu machen. Koelbl hat nicht nur Prominente fotografiert. Die Ausstellung "Mein Blick" zeigt die filigrane Eleganz und verletzliche Zartheit schwergewichtiger Frauen, zeigt die Kontraste verschiedener Schlafzimmer aus aller Welt und führt mit ihrer Serie "Kleider machen Leute" dem Betrachter seine eigenen Vorurteile vor Augen. (Noch bis zum 5. November im Stadtmuseum, Hauptstraße 83, di-so 10-17 Uhr).

Ebenfalls in Langenfeld sind beim Kunstverein unter dem Titel "Residential - paintings" Gemälde von Lorenzo Valverde zu sehen. In den ausgestellten Werken reflektiert der in Barcelona geborene und in Köln wohnende Künstler das aktuelle Thema Flucht und Asyl. In seinen Bildern spiegeln sich Widerstand, Protest und Identität wider. Valverde verweist auf Grenzen und Zäune, die zugleich innere Grenzen darstellen. Er zeigt das Schöne und Schreckliche, bietet aber auch einen Blick auf das alltägliche Leben. (Noch bis zum 5. November im Kunstraum, Hauptstraße 135, di, fr, sa 10-13, do 15-20, so 15-18 Uhr)

Zum 500-jährigen Bestehen der Reformation wird heute eine Ausstellung im Museum der Stadt Ratingen an der Grabenstraße eröffnet, die sich mit der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Ratingen befasst. Bis zum 4. Februar 2018 ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen.

Der Tiefenbroicher Pastor Stephan Weimann, Sammler sinnvoller, kirchlicher Güter, Schriften und Erinnerungen, hatte schon im Jahr 2014 die Idee zu einer solchen Ausstellung. Mit einem künstlerischen Scherz - zwei Luthergestalten aus rotem Kunstmaterial, knapp einen Meter hoch und vom Künstler Ottmar Hörl für Wittenberg gestaltet - wird in die Ausstellung geführt. Und dann kann man sehen, wie vielleicht bislang Übersehenes eigentlich wichtig wird, wie bereits Betrachtetes, das in einen geschichtlichen Zusammenhang gestellt wird, zu ganz neuer Wichtigkeit wächst. Wer hat, wenn auch noch katholischen Glaubens, genau im Kopf, wie etwas für auf den Kopf - ein Barett - nun genau aussieht, wie das mit dem Klingelbeutel funktioniert und wie der überhaupt genau ausschaut. Stempel, Abendmahlsgeschirr, Siegel, silberne Kannen und Brotteller, Opferstock und Gesangbücher zeugen von gediegenem Wohlstand. Nichts ist protzig, nichts überschwänglich, alles bleibt im Rahmen.

Bis zum 4. Februar gibt es immer wieder Führungen, die auch übers Internet angekündigt werden. Die erste zum Beispiel ist für Donnerstag, 26. Oktober, um 13 Uhr als kurze Mittagsführung vorgesehen.

Der Amerikanische Bürgerkrieg hat 600.000 Menschen das Leben gekostet - eine ungeheure Zahl. Zugleich war es der erste Krieg, der so gut dokumentiert und fotografiert wurde, dass er sich für die Gegenwart rekonstruieren lässt. Für Kurator Michael Ebert, selbst Fotograf und Fotolehrer, war der Bereich rund ums Thema Verletzung interessant, wollte er doch eine Schau zusammenstellen für das Wilhelm-Fabry-Museum, dem medizinisch-historischen Hildener Haus. Herausgekommen sind Bildergruppen von bestechender Qualität, viele menschlich anrührend, andere auch unfreiwillig komisch.

Beeindruckend genaue Aufnahmen in der Ausstellung zeigen amputierte Gliedmaßen, verstümmelte und verbundene Soldaten, auf dem Feld und in irgendwelchen Karren liegend. Die Schildchen an den Bildern enthalten sehr detaillierte Erläuterungen; wer will, kann die Schau klüger verlassen, als er sie betreten hat.

Alle, die sich für Fotografie interessieren, werden hier nicht enttäuscht. Doch lassen die Bilder auch diejenigen nicht kalt, die den Krieg aus ärztlicher Sicht betrachten wollen oder sich über Kriegsfotografie im speziellen weiterbilden wollen: Es gibt zwei Exkurse in andere (Bürger-)Kriege, die die Protagonisten von einst zeigen. Die Schauen im Wilhelm-Fabry-Museum (Benrather Straße 32) ziehen stets viele Besucher aus der ganzen Region an. Es gibt ein großes Begleitprogramm zur Ausstellung. Es handelt sich dabei um Vorträge, die immer donnerstags um 19.30 Uhr im Museum stattfinden. Die Themen der Vorträge in diesem Jahr lauten: "Patienten in Pose" Prof. Dr. Eva Brinkschulte, 26.10., "Silber, Salz und Pulver - Fotografie im Amerikanischen Bürgerkrieg", Michael Ebert, 16.11., "Friedrich von Esmarch und die Anästhesie im Krieg", Dr. Heike Petermann, 30. November.

Eine Ausstellung im Kunsthaus in Mettmann mit 13 Studenten und Absolventen der Klasse von Professor Herbert Brandl verdient Aufmerksamkeit. Die aktuellen Werke der Studenten und Absolventen, die auch die kulturelle Vielfalt der Kunstakademie Düsseldorf präsentierten, sind noch in dieser Woche zu sehen. Es wird eine Momentaufnahme der "noch neueren Neuen Malerei" geboten. Gezeigt wird ein cross over, ein Mix auf der Leinwand und in Form von Skulpturen. Die Ausstellung endet am Sonntag (11 bis 14 Uhr) mit einem musikalischen Rahmenprogramm. Zu den Künstlern gesellt sich die Sängerin Debra C. Burton, die sich mit ihren rhythmischen Lauten, die Improvisation des Jazz zu eigen gemacht hat. Sie wird von Alexander Buzina an der Gitarre begleitet. Das Team vom Kunsthaus reicht dazu Kaffee und Kuchen. Öffnungstermine: heute, Freitag, 20. Oktober von 17 bis 19 sowie am Samstag, 21. Oktober von 11 bis 13 Uhr.

(cz)
 
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