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Hilden
Zeichensprache für Babys

Düsseldorf. Mit „Zwergensprache“ können sich Kleinkinder schon lange vor dem ersten Wort mitteilen. Sarah Wölke hat die Gebärdensprache erlernt und gibt sie in Kursen weiter. Von Diana Hass

„Ich möchte ein Brot mit Marmelade“. Das kann Nils Wölke, 19 Monate, unmissverständlich mitteilen. Nicht jeder wird es verstehen. Aber Mama und Papa wissen genau, was ihr kleiner Sohn meint. Alle drei können nämlich die Babyzeichensprache. Sie basiert auf den Zeichen der Deutschen Gebärdensprache und kann bereits von Babys ab einem halben Jahr erlernt werden.

„Das ist echt genial“

Unter dem Begriff „Zwergensprache“ wird die Gebärdensprache für Babys seit einiger Zeit auch in Deutschland gelehrt. Sarah Wölke hat sich in Kursen ausbilden lassen und gibt nun ihr Wissen an Eltern und Kinder weiter. „Das ist echt genial“, sagt Mutter Bettina Becker begeistert. Ihr kleiner eineinhalbjähriger Sohn Tino hat vor zwei Monaten begonnen, die Gebärdensprache zu lernen. „Der freut sich wie ein Schneekönig, wenn er sich mitteilen kann“, hat die Mutter beobachte. Während über Tinos Lippen als erste Worte nur „Mama, Papa, Muh, heiß und Ei“ kommen, ist seine Gebärdensprache recht beredt. „Mehr haben, Hubschrauber, Motorrad, Auto, Vogel, nicht da, Bagger, Hund, Buch gucken, Windel wechseln“ und noch vieles mehr kann der Steppke mit Gesten äußern.

„Der erzählt mir den ganzen Tag etwas, wenn ich mit dem durch die Stadt gehe“, sagt Becker. Während die normale Kommunikation zwischen Babys und Eltern vor dem Erwerb der Sprache oft in Weinen oder Schreien auf der Seite des kleinen Familienmitglieds und im Rätselraten auf der Seite der Großen besteht, können sich die Kinder mit der Zeichensprache früh klar verständlich machen. Die Erzieherin Sarah Wölke stieß auf ihrer Suche nach besseren Kommunikationsmöglichkeiten mit ihrem kleinen Sohn im Internet auf die „Zwergensprache“. Sie ließ sich bei Vivianne König in der Nähe von Leipzig ausbilden. „Ich fand es nicht schwer, sie zu erlernen“, sagt die 27-Jährige und fügt hinzu: „In der Kommunikation mit Babys macht man unwillkürlich viele Handzeichen. Wenn man es eine Weile praktiziert hat, geht es automatisch“.

Spielerisches Lernen

In ihren Kursen vermittelt sie die Babyzeichensprache über Lieder und Spiele. Ihre Erfahrung ist, dass es etwa zwei Monate dauert, bis Babys das erste Zeichen sicher beherrschen. Dann geht der Zeichensprachenerwerb ganz schnell. „Der Spracherwerb verzögert sich durch die Babyzeichensprache nicht“, beruhigt Wölke mögliche Bedenken. Ihr und ihrem Mann erleichtert sie den Alltag mit dem kleinen Nils. Er kann nämlich sogar mitteilen, dass er lieber ein Käsebrot möchte.

Quelle: RP
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