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Hilden
Zivildienst-Zeit ist zu kurz

Düsseldorf. Die geplante Verkürzung von neun auf sechs Monate ab 1. Oktober hat gravierende Folgen für die Träger und die von den Zivis betreuten Menschen, berichten Verbände und Betroffene in Hilden. Von Marlon Buchholz

Der Bundesverteidigungsminister will den Wehrdienst ab 1. Oktober von neun auf sechs Monate verkürzen. Gleiches würde für den Einsatz der 90 000 Zivildienstleistenden gelten. Viele Träger, die heute Zivis einsetzen, fürchten, dann auf sie verzichten zu müssen.

Lieferdienst für Cap-Markt

Der Cap-Markt im Hildener Süden, eine Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt, beschäftigt Behinderte. Für den Lieferdienst setzt Diana Lindloff einen Zivildienstleistenden ein. Sie ist skeptisch, ob das nach einer Zivildienstverkürzung noch möglich sein wird: "Schon neun Monate sind ein geringer Zeitraum und eigentlich zu kurz." Bislang arbeiteten die Zivis im Cap-Markt, wie auch in den meisten anderen Einrichtungen, von August bis März. "Ab März stehen wir dann jedes Jahr ohne Zivi dar und müssen eine 400-Euro-Kraft einsetzten", berichtet Lindloff.

Warum? Die potentiellen Zivildienstleistenden beendeten erst im August die Schule. "Wenn nun die Zivildienstzeit auf sechs Monate verkürzt würde, wäre die Zeitspanne ohne Zivis noch länger", erklärt Lindloff. Minijobber auf 400-Euro-Basis hätten für den Cap-Markt den Nachteil, dass sie im Schnitt nur 15 Stunden die Woche arbeiten dürfen. Probleme mit einer verkürzten Ausbildung der Zivis sieht Lindloff nicht – zumindest für ihren Einsatzbereich im Cap-Markt: "Die Aufgaben im Fahrdienst sind sehr schnell verinnerlicht."

Aber nicht nur für die Zivis selbst, sondern auch für die durch sie betreuten Menschen ergeben sich Probleme. Dr. Anca Skerutsch von der Freizeitgemeinschaft Behinderte und Nichtbehinderte in Hilden erklärt, warum: "Unsere Zivildienstleistende betreuen vor allem Kinder. Es dauert seine Zeit, um zu einem Kind eine Bindung aufzubauen. Ein häufiger Wechsel der Bezugspersonen ist von Nachteil. Zudem bleibt bei sechs Monaten noch weniger Zeit für die eigentliche Arbeit, da die Zivildienstleistenden ja auch auf Lehrgänge gehen müssen." Dr. Skerutsch sieht als einzige Möglichkeit die Verkürzung zu kompensieren, dass Zivis nach ihrem Dienst als Aushilfen weiter beschäftigt werden. Das sei aber sowohl für die Träger als auch für die Zivis mit Einbußen verbunden: "Sie verdienen dann nur noch 400, statt zuvor 650 Euro. Für uns Träger fallen die staatlichen Zuschüsse weg."

Auf zwölf Monate verlängern

Und was sagen die Zivis selbst? Timo Jördell (20) kümmert sich in der Grundschule Elbsee um ein behindertes Kind. Er fährt es zur Schule, betreut es dort und bringt es wieder nach Hause. Der 20-Jährige fühlt sich verpflichtet, auch nach neun Monaten weiterzuarbeiten: "Jetzt, wo der Junge sich so an mich gewöhnt hat, kann ich ihn doch nicht einfach im Stich lassen. Es wäre viel besser, die Zivi-Zeit würde nicht verkürzt, sondern wieder auf zwölf Monate verlängert."

Quelle: RP
 
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