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Hilden
Zu Besuch bei den Mauerseglern

Hilden: Zu Besuch bei den Mauerseglern
Udo Boscheiden, Kurt Voß und Friedhelm Michels mit einer MauerseglerBruthöhle, deren Einflugöffnung im Boden ist. FOTO: Staschik
Hilden. Die Vogelpopulation geht zurück. Kurt Voß appelliert: Hängt Kästen auf, lasst die Gärten ruhig ein bisschen verwildern. Von Sabine Maguire

Er selbst sei nicht so wichtig, man solle über ihn nicht allzu viel schreiben. Dabei geht diese wunderbare Geschichte, die wir hier zu erzählen haben, eigentlich gar nicht ohne Kurt Voß. Und sie beginnt mitten in Hilden, an der Hagelkreuzstraße. Dort wohnt der ehemalige Schulrektor seit 89 Jahren - mit einer kurzen Unterbrechung, die ihn zwischenzeitlich in ein anderes Domizil geführt hatte. Wir durften ihn begleiten durch seinen Garten, der noch so einiges aus längst vergangenen Tagen verrät.

Ein wunderbares Biotop mitten in der Innenstadt, die Wildblumen dürfen blühen. Der Weg führt vorbei an Vogel-Volieren, die mittlerweile nicht mehr bewohnt sind. Und dort beginnt sie, die Lebensgeschichte von Kurt Voß. Inmitten der gefiederten Begleiter, die damals schon der Vater gehegt und gepflegt hat. Man sieht sie noch vor Augen, wie sie ihr Gefieder spreizen. Und man wünscht sich, dass der 89-Jährige noch ein wenig mehr erzählen möge von seiner Leidenschaft, die ihn seit Kindertagen umtreibt. Denn immer noch sind es die Vögel, die ihm am Herzen liegen. "Ich möchte einfach, dass auch andere Menschen dabei mithelfen, dass sie uns weiter in der Stadt besuchen", spricht Kurt Voß über sein eigentliches Anliegen. Und man möchte jedem zurufen: Hängt Nistkästen auf und freut euch über das morgendliche Vogelkonzert! Denn das ist anscheinend längst nicht mehr selbstverständlich. Wer dem Hobby-Ornithologen zuhört, der weiß: Wenn wir das noch weiter erleben wollen, müssen wir etwas tun.

Eine ganze Mappe mit Unterlagen hat Kurt Voß zusammengetragen. Wer darin liest, blättert sich durch die Aufzeichnungen eines passionierten Vogelliebhabers. Voß war Vogelschutzbeauftragter und in früheren Jahren eigentlich ständig dort unterwegs, wo es um die Gefiederten ging. Er hat sie gefangen, beringt, gemessen und gewogen. Er kennt auch noch Arthur Giese, der vor Jahrzehnten in der Vogelstation Schönholz am Jaberg quasi zuhause war. Und er weiß: "Viele Vögel kommen nicht mehr zu uns." Warum das so ist? Fehlende Nistplätze, aufgeräumte Gärten und zu wenig Nahrung auf den Feldern: Es gibt viele Gründe dafür, dass die Vogelpopulation in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Sie wird es aus Sicht von Kurt Voß weiter tun, wenn der Mensch nicht endlich umdenkt.

Er selbst kann das Gezwitscher seit einiger Zeit trotz Hörgeräts nicht mehr hören. "Ein großer Verlust", wie er sagt. Und man glaubt es ihm sofort, wenn man ihm weiter durch den Garten folgt. In Nischen, an den Bäumen, am Haus: Überall hängen Nistkästen. Gerade sind die Mauersegler nach der Familienphase ausgezogen. Voß hofft sehr, dass sie im nächsten Jahr wiederkommen. Bislang konnte er sich darauf immer verlassen. Die Nester der Mehlschwalben bleiben hingegen seit langem unbewohnt. "Sie kommen nicht mehr", sagt er traurig. Auch der Gartenrotschwanz sei ein seltener Gast geworden. Derweilen ist er mit der Amsel quasi "per du". Er kennt sie alle, die vertrauten Gefiederten, die mit ihm an der Hagelkreuzstraße wohnen. Und nichts wüscht sich Kurt Voß sehnlicher, als dass das auch so bleibt. Und das nicht nur in seinem Garten. Denn er, das sagt er nochmals, sei wirklich nicht wichtig.

Aber die Vögel, die sollten wir nicht erst dann vermissen, wenn wir eines Tages ihren Gesang nicht mehr hören.

Quelle: RP
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