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Hückelhoven
Alkohol am Steuer: erleben statt mahnen

Hückelhoven. Der Arbeitskreis Suchtprävention im Kreis Heinsberg und seine Kooperationspartner machten in Himmerich auf die Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr aufmerksam. Dabei setzten sie vor allem auf Selbstversuche. Von Laura Dohmen

Die Umgebung sieht sehr merkwürdig aus. Verschwommen, irgendwie verzerrt, wie eine Rauschszene in einem schlechten Fernsehkrimi. Doch das ist nicht das einzige Problem. Am schlimmsten sei der Schwindel, berichten die ersten Probanden im Selbstversuch. Als sie gar nicht mehr weiter wissen, heben sie die Rauschbrille, die bis zu 1,3 Promille simuliert, kurz an, um zu sehen, wie weit das Auto tatsächlich von den Pylonen entfernt ist. Und sie wissen: Das ist bei einer echten Trunkenheitsfahrt nicht möglich.

"Das Problem ist nicht nur der bekannte Tunnelblick", erklärte Jürgen Heitzer von der Kreispolizeibehörde, die einer der Hauptakteure des Aktionsabends "Mit der Rauschbrille durch die Nacht? - Kein Alkohol im Straßenverkehr" gegenüber der Himmericher Diskothek war. Auch das Nachtsehen und das Einschätzen von Distanzen würden erheblich beeinträchtigt.

Die Teilnehmer im Selbstversuch, begleitet durch die Fahrschulen Dautzenberg und Jansen, sollten etwa im Slalom um Schaumstoffpuppen fahren, das Fahrzeug vor Pylonen zum Stehen bringen und schließlich rückwärts einparken. Besonders die letzte Aufgabe gelang nur den wenigsten.

Hintergrund der Veranstaltung war die "Aktionswoche Alkohol" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). In diesem Rahmen hatten sich auch viele weitere Organisationen in Himmerich eingefunden. Feuerwehr und Rettungsdienst demonstrierten die Bergung Verletzter nach einem Verkehrsunfall und informierten über ihre Arbeit. Wie schwierig es ist, sich selbst aus einem verunglückten Fahrzeug zu befreien, konnten die Jugendlichen im Überschlagsimulator der Dekra ausprobieren.

Die AOK Rheinland/Hamburg machte mit Flyern und einem Gewinnspiel auf das Thema "Alkohol im Verkehr" aufmerksam. Auch das Gesundheitsamt hatte Studenten speziell geschult, um in der Diskothek Gespräche mit Gleichaltrigen anzuregen.

Dabei gehe es nicht nur um die Fahrer, erklärte Jürgen Heitzer: "Auch als Mitfahrer trägt man Verantwortung und kann den Fahrer beeinflussen."

Dass der erhobene Zeigefinger in der Präventionsarbeit kaum hilft, haben die Veranstalter längst erkannt. So nahm die Aktion angenehm Abstand von Mahnungen und überspitzten Schockvideos, die junge Fahrer oft mehr ängstigen als zum Nachdenken anregen. "Nur über das eigene Erleben können wir die Jugendlichen erreichen", sagte Ilona van Halbeek, Fachkraft für Suchtprävention im Gesundheitsamt. Die Reaktionen nach dem Selbstversuch gaben ihr Recht. "Damit habe ich nicht gerechnet" staunte Leon Schauerte, der kurz vor seiner Fahrprüfung steht. Aber auch erfahrene Fahrer wie Marita Stawinoga bekannten: "Man ist erschrocken über das eigene Unvermögen. Und beim Alkohol kommt dann noch der Leichtsinn dazu."

Quelle: RP
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