| 00.00 Uhr

Hückelhoven
Als Kirche ein Wächteramt ausüben

Hückelhoven. Evangelische Kirchenkreissynode: keine Obergrenzen beim Flüchtlingszuzug und keine Abweisung. Von Thomas Mauer

Bei der Herbsttagung der Evangelischen Kreissynode Jülich standen Geistliches und Weltliches dicht beieinander. Die Teilnehmer ließen das Luther-Jubiläumsjahr Revue passieren, formulierten aber auch einen Antrag zur Erhaltung des Gemeindedienstes in seiner jetzigen Struktur und besprachen darüber hinaus ihre Finanzen.

Superintendent Jens Sannig betonte in seinem Bericht das "prophetische Wächteramt", das im Kirchenkreis wahrgenommen würde. "Wir wollen Einfluss nehmen, denn alle unsere Ebenen sprechen sich für die konkrete Hilfe aus", betonte Sannig. Das bedeute in der konkreten Formulierung keine Obergrenzen beim Flüchtlingszuzug und keine Abweisung.

Der Superintendent warf an dieser Stelle deutschen Behörden viel zu lange Reaktionen vor und regte den Besuch der politisch Verantwortlichen an den "Brennpunkten" an: "Wer das Elend konkret gesehen hat, überdenkt seine Haltung." Allein im Kirchenkreis Jülich befinden sich laut Sannig derzeit etwa 35 Menschen im Kirchenasyl. Denen könne geholfen werden, würden die Behörden schneller reagieren.

Das Reformationsjubiläum wertete Sannig als Erfolg, auch wenn im Einzelfall die eine oder andere Chance vertan worden sei. Besonders die Aufführungen der Schwanenberger Gemeinde lobte er. "Die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit war größer", sagte Sannig über das Jubiläumsjahr insgesamt, fügte gleich aber hinzu: "Wir müssen unsere Bemühungen im sozialdiakonischen Bereich verstärken, denn darüber wird Kirche in besonderem Maße wahrgenommen."

Deshalb war es für den Superintendenten selbstverständlich, dass beide Kirchen sich gemeinsam aktiv den sozialpolitischen Fragen stellen. Auch wenn die inhaltlichen Unterschiede an manchen Stellen (noch) unüberwindlich sind, seien sich beide im Umgang mit den sozialen Problemen im Wesentlichen einig. Wenn die Lebenswirklichkeit von Menschen dem Evangelium zuwider laufe, müsse Kirche ihre Stimme erheben. Als eine Art "Wächteramt" bezeichnete Sannig diese Tätigkeit. Deshalb bezog die Synode auch klar Stellung gegen die AfD, die sich besonders dadurch beschreibe, dass sie an einem Dialog überhaupt nicht interessiert und nur von Hass und Vorurteilen geprägt sei. Unter anderem auch deshalb soll die nächste Herbstsynode unter das Thema "Friedenbringende Maßnahmen" gestellt werden.

Das Kirchensteueraufkommen ist im vergangenen Jahr gestiegen, leider komme aber in den Gemeinden davon nicht mehr an. Insgesamt beschrieb Superintendent Sannig den Haushalt als ausgeglichen, dennoch müsse der Blick immer auch in die Zukunft gerichtet sein.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hückelhoven: Als Kirche ein Wächteramt ausüben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.