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Hückelhoven
Altem Gemäuer auf der Spur

Hückelhoven: Altem Gemäuer auf der Spur
Studentinnen und Studenten der Uni Köln setzten während eines Workshops im Haus Blumenthal - hier im großen Saal auf der ersten Etage - Messpunkte. Mit im Bild sind Dr. Dorothee Heinzelmann (l.) und Thomas Busch (r.). FOTO: Jürgen Laaser
Hückelhoven. Am vergangenen und an diesem Wochenende untersuchen 20 Studenten des Kunsthistorischen Instituts der Uni Köln das Rittergut Haus Blumenthal. Besitzer Thomas Busch erhofft sich davon ebenfalls eine Menge Erkenntnisse. Von Mario Emonds

Im Fürstenzimmer wird emsig gewuselt. Eine Handvoll Studenten steckt den Raum akkurat mit Messmetern ab, markiert Messpunkte. Ein bisschen sieht das so aus, als würden quer durch den Raum Wäscheleinen hängen. "Kommen Sie beim Daruntergehen bitte nicht daran", mahnt Dr. Dorothee Heinzelmann, Wissenschaftliche Referentin für Bau- und Kunstdenkmalpflege vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Sie ist so etwas wie die Gesamtleiterin beim Workshop über zwei Wochenenden des Kunsthistorischen Instituts der Uni Köln - Abteilung Architekturgeschichte - im Rittergut Haus Blumenthal am Brachelener Ortseingang aus Richtung Hilfarth kommend.

20 Studenten machen hier eine Aufnahmeübung in Sachen Baudokumentation. Auf fünf Arbeitsgruppen verteilt sind sie in fünf Räumen des Ritterguts dabei, die Vermessungen vorzubereiten. "So eine praktische Aufnahmeübung machen sie zum ersten Mal", erläutert Dr. Heike Lehmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts - und nennt die beiden Dinge, um die sich an diesem und am kommenden Wochenende in Haus Blumenthal alles dreht: "Zunächst machen die Studenten eine Baudokumentation. Aus den da gewonnenen Erkenntnissen sollen sie im zweiten Schritt dann ein Konzept für eine verträgliche Nutzung erstellen."

Haus Blumenthal in Hückelhoven-Brachelen. FOTO: Jürgen Laaser (Archiv)

Sehr hellhörig wird bei diesen Worten Thomas Busch - der ist schließlich der Besitzer von Haus Blumenthal: "Ich erhoffe mir in der Tat von diesem Workshop jede Menge Erkenntnisse, bin sehr gespannt, wie Profis die Bausubstanz hier beurteilen und was man daraus machen könnte", erklärt der Mittvierziger, der mit seiner Familie in Heinsberg lebt.

Wohin die Reise generell gehen soll, weiß er schon: "Mir schwebt eine wohnwirtschaftliche Nutzung vor - und für einen Freiberufler gibt es hier sicherlich auch geeignete Räume." Auf alle Fälle wolle er mit dem Rittergut nun was machen. "Natürlich könnte ich es mir einfach machen und Haus Blumenthal einfach verkaufen. Doch das möchte ich nicht. Ich habe Lust darauf, hier was zu gestalten. Da gehört sicherlich auch ein kräftiger Schuss Enthusiasmus zu - und den habe ich", bekräftigt er.

Und weil er wusste, dass er das alte Gemäuer nicht einfach nach Gutdünken umgestalten kann, sondern da Aspekte der Denkmalpflege zwingend berücksichtigt werden müssen, stiefelte er erst einmal zur Stadt Hückelhoven. "Die vermittelte dann den Kontakt zum LVR-Amt für Denkmalpflege."

So kam der Stein ins Rollen - und schließlich der Workshop zustande. Eine klassische Win-Win-Situation: Busch bekommt so wertvolle Erkenntnisse, und die Studenten können sich mal so richtig in der Praxis austoben. "Ich hätte mir gewünscht, so etwas hätte es zu meiner Studienzeit auch schon gegeben", bekennt lächelnd Dorothee Heinzelmann - und erläutert, was sie als Profi an Haus Blumenthal so reizvoll findet: "Das Haus hat so viel Geschichte, die man aus den alten Gemäuern herauslesen kann - das ist einfach spannend. Denn viele Fragen hier sind noch offen."

Genau das untersuchen nun die Studenten. "Dabei wollen wir unter anderem herausbekommen, wie die einzelnen Räume mal genutzt worden sind", erläutert Heike Lehmann. Auch die unterschiedlichen Bauabschnitte und vorgenommenen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte sollen dokumentiert werden - Baugeschichte eben. Lehmann zeigt auf einen Teil der Außenfassade: "Hier sieht man deutlich, das Türen und Türbogen nicht zusammenpassen. Auch so etwas wollen wir genau untersuchen."

Thomas Busch ist auf die Ergebnisse schon gespannt wie ein Flitzebogen: "Mir ist zugesagt worden, dass die Ergebnisse im Anschluss recht zeitnah präsentiert werden. Das ist gut, denn bereits 2018 würde ich gerne mit der Realisierung beginnen. Die wird ja dann einige Jahre in Anspruch nehmen."

Quelle: RP
 
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