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Hückelhoven
Altenpflege: Wandel zur Sterbebegleitung

Hückelhoven: Altenpflege: Wandel zur Sterbebegleitung
Was bei der Begleitung Sterbender im Altenheim wichtig ist, erklärten im Ev. Altenzentrum Hückelhoven (v. li.) Pfarrer Wolfgang Krosta, Geschäftsführer Markus Lowis, Georg Wiefels (Hospizdienst) und Pfarrer Manfred Jung. FOTO: JÖRG KNAPPE
Hückelhoven. In Altenheimen steigt das Durchschnittsalter, die Verweildauer wird kürzer, die Zahl der Verstorbenen steigt von Jahr zu Jahr. Viel wird in der Sterbebegleitung geleistet - meist ehrenamtlich. Vergütung für Palliativpflege reicht nicht aus. Von Gabi Laue

"Wir begleiten Sie - würdevoll bis zuletzt". Dieses Versprechen gibt die Freie Wohlfahrtspflege NRW Menschen in der letzten Lebensphase. Das gilt genauso im Evangelischen Altenzentrum Melanchthonstraße. Am Tag der Pflege schloss sich das Altenzentrum der Initiative des Verbandes an mit dem dringenden Appell an Kostenträger, bei steigendem Bedarf an Sterbebegleitung auch ausreichend speziell qualifiziertes Personal zu finanzieren. Damit Altenheime würdige Sterbeorte sind, braucht das Personal die nötige Zeit - und die Einrichtung mehr Geld.

Das vom Bundestag verabschiedete neue Hospiz- und Palliativgesetz hat die Rahmenbedingungen in stationären Pflegeeinrichtungen nicht verbessert. Markus Lowis, Geschäftsführer des Ev. Altenzentrums, liegt das Thema Sterbebegleitung am Herzen, doch für die nötige Palliativ Care-Ausbildung oder Materialanschaffungen wie den Snoezel-Wagen mit Impulsen zum Entspannen gebe es keine Refinanzierung. Er brachte es deutlich auf den Punkt: "Das Pflegepersonal war ohnehin zu knapp zugemessen. Wenn sich bei steigenden Sterbezahlen die Vergütung nicht ändert, werden wir mit dem Anspruch auf würdevolle Begleitung an die Wand fahren." Und Ute Ossa-Kühnel vom Sozialen Dienst unterstrich: "Wir sind an der Grenze des Leistens."

Lowis nannte Zahlen: Im Jahr 2010 gab es 39 Todesfälle in dem Pflegeheim mit 106 Plätzen, 2015 starben 59 Bewohner in einem Jahr. Im gleichen Zeitraum sank die Durchschnitts-Verweildauer von 8,8 Jahren auf 1,4 Jahre bei Neuzugängen, das Durchschnittsalter stieg von 74 auf 83 Jahre. "Menschen mit Demenz und schweren Krankheiten kommen, um zu sterben", sagte Lowis. Dass das Altenzentrum bei der Sterbebegleitung schon vor zehn Jahren Vorreiter war, machte der damalige Hausseelsorger Pfarrer Manfred Jung deutlich. Ein Konzept sollte Aufmerksamkeit für Sterbende entwickeln: Bewohner wurden gefragt, was sie brauchen in der letzten Zeit des Lebens, Mitarbeiter mussten sich umorientieren vom Pflegeziel "mobilisieren" hin zum lindernden Umsorgen, Ärzte galt es zu gewinnen, bei Schmerzmedikation beispielsweise mitzuziehen. "Und wir mussten die Angehörigen überzeugen", sagte Jung. Es wurde eine Sterbefall-Checkliste eingeführt, die Wünsche und Besonderheiten dokumentiert, Angehörige werden mehrfach im Jahr zum Erinnerungscafé eingeladen. Zunächst brachten sich ehrenamtliche Mitarbeiter aus dem Haus in die psychosoziale Begleitung der Bewohner ein, dann schloss das Haus 2007 einen Kooperationsvertrag mit dem Ambulanten Hospizdienst "Regenbogen" (Wassenberg), der über 60 ausgebildete aktive Ehrenamtler verfügt. Dessen Vorsitzender Georg Wiefels bezeichnet die Zusammenarbeit heute als gut funktionierend. "Das Vertrauen ist gewachsen." Wie Pfarrer Wolfgang Krosta, Seelsorger im Altenzentrum, schildert, seien "nicht wenige sehr engagierte Mitarbeiter mit Herzblut dabei - der Schatz unseres Hauses". Einige setzten sich auch nach Feierabend noch eine Stunde ans Bett eines Sterbenden. Wird der Sterbeprozess nachts akut, kann sich laut Lowis eine von drei Nachtwachen frei halten für diesen Menschen. Krosta und Wiefels wissen, dass Mitarbeiter das Abschiednehmen brauchen zum Abrunden einer Beziehung. Rituale gehören zur Abschiedskultur. Biografiearbeit lässt verstehen, warum eine aggressive Demenzkranke im liebkosenden Kontakt mit einer Puppe wieder ruhig wird, dass eine Schwerstkranke den Wunsch hat "Herr segne meine Jahre". Das würdevolle Begleiten gelingt im Altenzentrum, aber, so Ossa-Kühnel: "Die Finanzierung wird dem nicht gerecht."

Quelle: RP
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