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Hückelhoven
Atempause bei Flüchtlingszuweisung

Hückelhoven: Atempause bei Flüchtlingszuweisung
Zwei Nurdach-Häuser auf dem Jugendzeltplatz boten eine winterfeste Bleibe. Jetzt ziehen die rund 30 Flüchtlinge wieder aus. FOTO: JÜRGEN LAASER (ARCHIV)
Hückelhoven. 788 Flüchtlinge in Hückelhoven. Ein Konzept für neu zu bauende Häuser legt die Verwaltung dem Sozialausschuss vor. Von Gabi Laue

Die Zuweisung von 645 neuen Flüchtlingen im Jahr 2015 bedeutete für die Stadt Hückelhoven eine große Herausforderung, die aber bislang gut gemeistert werden konnte. Während sich im vergangenen Herbst die Lage noch täglich änderte - jeder 416. Flüchtling in NRW kam nach Hückelhoven - hat sie sich jetzt deutlich entspannt. Im neuen Jahr wurden der Stadt erst 25 Flüchtlinge zugewiesen, die letzten im Januar. Für den von der Stadt geplanten Bau neuer Flüchtlingsunterkünfte will die Verwaltung bis Ende Februar ein Konzept ausarbeiten, das dem Sozialausschuss in seiner Sitzung am 7. März präsentiert und bei Bedarf auch mit Bürgern diskutiert werden soll.

Im Oktober hatte die Stadt Hückelhoven bereits 35 Wohnungen aus privater Hand zur Unterbringung der Flüchtlinge angemietet. Im Sommer hatten Flüchtlinge das umgebaute Herrenhaus von Gut Kaphof zwischen Hilfarth und Ratheim bezogen. Die turbulente Zeit der sich förmlich überschlagenden Zuweisungen durch die Bezirksregierung erforderte kreative Lösungen. So wurden das Haus der Begegnung Ratheim und die Kosmas-Sauna am Schacht hergerichtet, Anfang Dezember nutzte die Stadt im alten "Super 2000"-Komplex Räume des früheren Fitnessstudios, um Neue unterzubringen, an der Baaler Ottostraße ließ sie eine Halle des ehemaligen Kostümverleihs umbauen. Diese neue städtische Unterkunft werden die Sozialausschussmitglieder voraussichtlich vor der nächsten Sitzung besichtigen.

Die Aufnahme neuer Asylbewerber hatte sich im Vorjahr rasant entwickelt. Im Jahr 2014 waren insgesamt 89 Menschen neu nach Hückelhoven zugewiesen worden. Stadtsprecher Holger Loogen nannte auf Anfrage aktuelle Zahlen: Am 1. Januar 2015 verzeichnete die Stadt noch 134 Flüchtlinge, am 31. Dezember waren es 763 Zuflucht Suchende und Stand Dienstag 788. Von Beginn an hatte die Stadt konsequent das Ziel verfolgt, Asylbewerber auf die Stadtteile zu verteilen und keine zentralen Unterkünfte zu schaffen. Wie Holger Loogen weiter berichtet, sind Familien in 25 städtischen und 70 angemieteten Wohnungen - von denen sind noch nicht alle belegt - untergebracht. Geschätzt 300 Einzelpersonen leben in größeren Unterkünften wie Millich, Kaphof, Baal oder HdB.

Dass in den letzten Wochen keine Neuankömmlinge zugewiesen wurden, verschafft der Stadt eine Atempause. "So haben wir Luft geholt und neue Unterkünfte eingerichtet", so Loogen. Provisorien können jetzt aufgelöst werden. So will die Stadt die beiden mit 30 jungen Männern belegten Häuser auf dem Jugendzeltplatz "Ruraue" des Kreises in Brachelen wieder freiziehen, auch die Räume im ehemaligen Fitnessstudio waren nur zur vorübergehenden Nutzung gedacht.

Mitte November hatte der Rat dem Bau von Mehrfamilienhäusern in Baal, Brachelen und Doveren zugestimmt. Der von einem Investor geplante Bau von Wohnungen an der Hilfarther Korbmacherstraße war im Januar verworfen worden - Anwohner hatten vor den Türen des Ratssaales heftig protestiert. Klar ist aber, dass Wohnungen für Flüchtlinge gebaut werden müssen. Ein Konzept dazu will die Verwaltung in Kürze präsentieren.

Quelle: RP
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