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Hückelhoven
Auftritte zu Hause sind immer etwas Besonderes

Hückelhoven. Die Musiker Heinz und Jörg Lengersdorf aus Baal über Vorbilder, Karriere und den Spaß am Vermitteln von Musik.

Für den Hilfarther Bergmannssohn Rudolf Lengersdorf (73), der beruflich im kaufmännischen Sektor arbeitete, war Musik reine Freizeitleidenschaft. Dass seine beiden Söhne Heinz (49) und Jörg (43) die Musikerlaufbahn einschlugen, sei nicht etwa auf seinen persönlichen Ehrgeiz zurückzuführen. Im Gegenteil: "Der Grundschullehrerin war Heinz wohl beim Blockflötenunterricht aufgefallen. Sie sagte uns: Der Junge hat Talent, er sollte Klavier lernen", erinnert sich Vater Lengersdorf. Der gar nicht so erbaut darüber war. "Wir hatten gerade gebaut, und ein Klavier kostet Geld", erinnert er sich. Es wurde also ein recht preisgünstiges Klavier gekauft.

Heinz Lengersdorf, der heute als Musiklehrer und Konzertpianist bei Hannover lebt, war da auch schon zehn Jahre alt und "alles andere als ein Wunderkind", wie er im Gespräch mit der Redaktion erzählt. Da nicht sofort ein Musikschulplatz frei war, gab es ersten Klavierunterricht bei einem Postbeamten und Amateurmusiker. "Karl-Heinz Röhrig, ein Beethoven-Fan, hat es verstanden, Spaß an der Musik zu vermitteln", erinnert sich Heinz Lengersdorf. Aber es fällt auch der Name Kurt Hopstein, des legendären Lehrers am Gymnasium, der den späteren Kreismusikschüler und Jungstudenten an der Musikhochschule Aachen (Köln) im Unterricht begeisterte. "Er bot mir viele Gelegenheiten, bei Schulkonzerten und als Klavierbegleiter des Schulchors, mich auszuprobieren. Später war ich der Einzige mit Musik als Klausurfach im Abitur." Für Lengersdorf, den sein Weg dann über renommierte Musikhochschulen zum Konzert- und Musikpädagogikexamen führte, war Hopstein - wie auch für seinen Bruder Jörg - eine prägende Figur. Später interpretierte er gemeinsam mit Jörg ein eigens für beide komponiertes Hopstein-Werk bei "con brio".

Heute sieht Heinz Lengersorf den Schwerpunkt seines Musikerlebens in der Lehrtätigkeit, darin, "Freude an der Musik im Unterricht weiterzugeben". Dem Stress des reinen Pianistenlebens aus dem Koffer wollte er sich nicht aussetzen. Auftritte in der Heimat, wie kürzlich erst wieder gemeinsam mit Bruder Jörg im Heinsberger Rondell, sind jedoch nach wie vor etwas Besonderes für ihn. "Ich weiß, dass unsere Konzerte hier immer gut besucht sind und freue ich auf viele bekannte Gesichter."

Bruder Jörg Lengersdorf (43) , der in Düsseldorf lebt, hatte bis vor kurzem noch regelmäßigen Kontakt zur Heimat als Violinlehrer an der Jugendmusikschule Heinsberg. Zur Musik kam er, "weil ich auf meinen Bruder eifersüchtig war und auch vorspielen wollte", erzählt er lachend. Erster Klavierunterricht beim Bruder - "das ging gar nicht", erinnert sich Jörg, der mit sieben Jahren bei einem Konzert in Brachelen von der Geige fasziniert war. Also wurde Geige sein Instrument, Ernest Frissen bei der Kreismusikschule sein Lehrer. Die weiteren Stationen: Jungstudent in Aachen, Studium, Konzertexamen in Köln, Kammermusiker im Trio und schließlich Kontakte zum Rundfunk, die seinem Berufsleben eine neue Wende geben sollten. Seine Gabe, eigene Konzertauftritte zugleich gekonnt zu moderieren, war Rundfunkleuten aufgefallen. Sie ebneten dem Musiker den Weg als Moderator in Hörfunkstudios. Jörg Lengersdof ist seit kurzem Musikredakteur beim SWR, moderiert aber auch weiterhin unter anderem das "Klassikforum" im WDR. Eigene Konzertauftritte hat er für die Rundfunktätigkeit gerne reduziert. Denn: "Die Vermittlung von Musik ist meine Stärke. Hier habe ich meine Mitte gefunden. Dass ich Vorbilder von mir wie Stargeiger Frank Peter Zimmermann interviewen kann, ist für mich Entschädigung dafür, die Seite gewechselt zu haben."

(aha)
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