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Hückelhoven
Boote und Häuser im Strom der Zeit

Hückelhoven: Boote und Häuser im Strom der Zeit
Gert Jäger stellt im Alten Rathaus von Ratheim aus. In seinen Werken kehren das Boot und das Haus als Motivwelten wieder. FOTO: Jürgen Laaser
Hückelhoven. Mit wiederkehrender Motivwahl und Zusammenfügen unterschiedlicher Materialien hat Gert Jäger eindrucksvolle symbolhafte Werke geschaffen. "Canthe" präsentiert einen Künstler aus den eigenen Reihen. Von Nicole Peters

Als gute Tradition bezeichnete "Canthe"-Vorsitzender Helmut Neußer es bei der Eröffnung der Ausstellung "Boote und mehr" von Gert Jäger im Alten Rathaus in Ratheim, dass sich aktive Künstler des Kunstvereins mit ihren Arbeiten präsentieren. Die Arbeit mit Eisen und Stahl stelle an Jäger ganz andere Forderungen als spontanes Vorgehen. Detaillierte Überlegungen und exakte Ausführung seien gefragt. "Seine Arbeiten strahlen trotzdem oft einen hintersinnigen Humor aus", befand Neußer.

Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke führte die zahlreichen Besucher in das Schaffen Gert Jägers ein. Der Künstler wurde 1956 in Ratheim geboren und ging der künstlerischen Tätigkeit ab 1990 neben seinem Broterwerb nach. Widmete er sich zunächst intensiv dem Zeichnen und den Radiertechniken, folgten 1992 die erste Ausstellung und wenig später die Hinwendung zur Bildhauerei. Ab 1997 begann er, Plastiken für den öffentlichen Raum zu erstellen, wie den "Flusswächter" am Rurufer bei Millich.

Sein künstlerischer Werdegang ist gut anhand der Exponate in der aktuellen Ausstellung nachzuvollziehen. Farbstiftzeichnungen etwa zeugen von der Sehnsucht des Künstlers nach dem Meer, erläuterte Tölke. Eindrücke vom "Sylter Winter" - Fotografien auf Leinwand - geben die Meereslandschaft in grau-blauen gedämpften Farben wieder. Kunsthistoriker Tölke stellte mit der Wahl von Boot oder Haus wiederkehrende Motivwelten fest. Die Boote spielten auf Moses und den Korb, auf Todesbarke oder eine Gemeinschaft, die in einem Boot sitze, an. Der Betrachter stelle tagesaktuelle Bezüge zur Fluchtsituation über das Wasser her - Gert Jäger meine aber das Grundsätzliche. Ebenso stünden die Häuser für Gottes- oder Traumhaus, einfach für einen bergenden Ort. "Um uns ist alles technisierter und angstbesetzter geworden, aber davon spürt man hier nichts", führte er aus, "es geht ja um das Grundsätzliche. Der Mensch wird sich weiterhin mit Natur und Menschen auseinandersetzen." Wiederkehrend sei ebenso die Form, die eine Ähnlichkeit zu Hörnern aufweise. Dabei gehe es um Formwelten, die nach außen streben, vom Objekt weg in die Zukunft. Und ein weiterer Aspekt sei der der Dialogkunst.

Verwendet wurden verschiedene Materialien wie Edelstahl, Bronze, Jute, Papier oder Glas, die zusammengefügt wurden. Ebenso fertigte Gert Jäger Objekte aus Gips oder Marmorzement an. Raue, strukturierte Oberflächen stellen Spannung zu glatt polierten her und entwickeln eigene Aussagekraft. Etwa beim stabil gebauten "Boot B2 - Boot für neue Horizonte", das stabil gebaut ist und trotzdem zerfurchte löchrige Wände vorweist. Im Exponat "Gezeiten" ist die Bootsform auf das Einfachste reduziert, geschlossen und mit Jute umwickelt. Präsentiert auf einem Gerüst strahlt es ursprüngliche Symbolhaftigkeit aus.

Quelle: RP
 
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