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Hückelhoven
Das Kohle-Aus für die Zukunft genutzt

Hückelhoven: Das Kohle-Aus für die Zukunft genutzt
Die Sprengung der Brikettfabrik von Sophia-Jacoba legte buchstäblich ein Stück Zechengeschichte nieder. Dafür wurden neue Kapitel in der Stadtgeschichte geschrieben. Erfolgskapitel mit großen Handelsansiedlungen auf dem ehemaligen Grubengelände. FOTO: NIPKO (ARCHIV)
Hückelhoven. 11. November 1991: denkwürdiger Tag der Hückelhovener Geschichte. Die Kumpel hören, dass Sophia-Jacoba schließt. Der Strukturwandel ist eine Herausforderung. Von Willi Spichartz

"Es ist den Institutionen Kreis und Kommunen sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) gelungen, den Kreis auf die bundesweite Agenda zur Ansiedlung weiterer zukunftsfähiger Unternehmen zu setzen. Diese Entwicklung und ihr heutiger Stand waren vor 25 Jahren, zum Schließungsbeschluss der Zeche Sophia-Jacoba, nicht abzusehen. Man hat damals gedacht, dass die Lichter im äußersten Westen der Republik ausgehen." Ulrich Schirowski, seit August 2015 Geschäftsführer der WFG des Kreises Heinsberg als Nachfolger von Dr. Joachim Steiner, nimmt vor allem die auf Tiefststand gesunkenen Arbeitslosenquoten in den drei Arbeitsamts-Dienststellen im Kreis zum Anlass, auf Ansiedlungserfolge zu blicken. Da liegt der Bereich Erkelenz mit einer Arbeitslosenquote im Oktober 2016 von 5,4 Prozent gut, der Bereich Heinsberg folgt mit 5,5, Geilenkirchen mit 6,0 Prozent.

Nicht zufrieden stellen kann den WFG-Geschäftsführer die Kaufkraft im Kreis und die Struktur der Wirtschaft - hier fehlen insbesondere Unternehmen der produzierenden Industrie und Elektronik-Dienstleister. Der Kunstfaserhersteller Enka-Glanzstoff in Oberbruch, die Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven und Militäreinrichtungen in Wildenrath und Geilenkirchen hatten Arbeitsplätze mit hohem Einkommensniveau für die Arbeitnehmer, die Konsumenten. Ein tiefgreifender Wandel ist mit der Schließung von Enka und Sophia-Jacoba sowie dem Flugplatz Wildenrath mit den neu angesiedelten Einzelhandelsbetrieben und Logistikern eingetreten. Mit niedrigeren Einkommen ist die Kaufkraft im Kreis gesunken, die auch im Vergleich zu Land und Bund weit unten liegt. Von daher sieht die WFG auch ihre Aufgabe in der verstärkten Ansiedlung von Unternehmen der produzierenden Industrie und den Elektronik-Dienstleistern.

Die Ansiedlungserfolge der vergangenen Jahre haben allerdings, so Ulrich Schirowski, zu einer Verknappung der vorhandenen Gewerbeflächen geführt, allein Hückelhoven verkaufte im Jahr 2015 mit 22,83 Hektar den absoluten Spitzenwert in der Region Aachen-Düren-Euskirchen-Heinsberg, die Stadt Aachen folgte mit knapp zehn Hektar.

"Dass wir bei Institutionen und Unternehmen auf dem Schirm sind, konnten wir auf der jüngsten EXPO-Real im Oktober in München feststellen, immerhin die weltgrößte Messe für Gewerbeimmobilien der Welt." Ulrich Schirowski konnte vielversprechende Kontakte auf dem Stand der WFG knüpfen, auch Landesminister Michael Groschek schaute vorbei, der wiederholte, dass der Strukturwandel in und um Hückelhoven besser geschafft worden sei als im Ruhrgebiet.

Schirowski blickt auf den Strukturwandel zurück: "Der Kreis Heinsberg ist seit den 1980-er Jahren bis heute in den Struktur-Förderkulissen des Landes NRW und des Bundes. Schon in den 60-ern/70-ern starb die Textilindustrie, dann Enka in den 80-er Jahren, Sophia-Jacoba in den 90-ern, zeitgleich mit der Schließung der Militärstandorte Wildenrath und Wassenberg mit ihren Zivilbeschäftigten und Immobilien. Die Erfolge sind aber deutlich sichtbar."

Und abschließend: "Wir arbeiten derzeit an Projekten, die weitere deutliche Akzente für den Strukturwandel setzen werden!"

Quelle: RP
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