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Hückelhoven
Der Anfang vom Ende der Zeche

Hückelhoven. Im Frühjahr 1966, vor genau 50 Jahren, wurde das Schachtgerüst 2 am Standort Hückelhoven-Innenstadt demontiert. Und vor 40 Jahren endeten alle bergbaulichen Unternehmungen auf den Ur-Schächten 1 bis 3. Ein Blick zurück. Von Willi Spichartz

Die De-Industrialisierung der ehemaligen Bergbaustadt Hückelhoven ist seit dem Schließungsbeschluss für die Steinkohlenzeche Sophia-Jacoba am 11. November 1991, spätestens seit dem Ende der Förderung am 27. März 1997, im Gang. Große Umstrukturierungen waren vorher betriebsbedingt vorgenommen worden - im Frühjahr 1966, vor 50 Jahren, wurde das Schachtgerüst 2 (Innenstadt) demontiert, die Produkten-Förderung auf den Ur-Schächten 1 bis 3 dort war eingestellt und auf die Zentralschachtanlage 4/6 HK und deren markante Stahlbeton-Fördertürme nach Ratheim verlegt worden.

An allen drei Schächten wurden 1966 die Schachthallen abgebrochen, die Dampffördermaschinen verschrottet. Die Schächte 2 und 3 blieben als Wetter- und Materialschächte weiterhin im Dienst, der Schacht 1 hatte völlig ausgedient, er wurde verfüllt, auch hier das Schachtgerüst später demontiert. Der Schacht 3 erhielt zum Materialtransport eine neue Schachthalle sowie moderne Beschickungseinrichtungen.

Am 15. Februar 1976, also vor 40 Jahren, endeten alle bergbaulichen Unternehmungen auf den Ur-Schächten 1 bis 3. Seitdem zeugt nur noch das Schachtgerüst 3 vom einst aktiven Bergbau in Hückelhoven. Es ist ja die Eigenart des Bergbaus, dass er wandert, mit Ausbeutung der Lagerstätten wandert er den noch gefüllten hinterher; zunächst untertägig, wobei der Transport von Berge (nicht verwertbares Gestein) und Kohle dort mit zunehmender Länge unwirtschaftlich wird, entsprechend werden die überirdischen Förderanlagen umgestaltet, abgebaut, modernisiert. Bei Sophia-Jacoba folgte der Abbau den Flözen in Richtung Nordwesten über Ratheim, Wassenberg und Birgelen Richtung Arsbeck, wo der Erkelenzer Bohrpionier Anton Raky, der wegen der Steinkohle aus dem Elsass ins Rur-Gebiet gekommen war, bereits 1898 Mutungsbohrungen vorgenommen hatte - erfolglos.

Begonnen hatte das Bergbauzeitalter in und um Hückelhoven mit dem Berg-Ingenieur Friedrich Honigmann, der ab 1884 eine ganze Reihe von Mutungs-(Versuchs)-Bohrungen niederbrachte, die besonders erfolgreich nordwestlich Hückelhovens auf dem Hansberg waren. Bei rund 180 Metern erreichte man satte Kohleschichten (Flöze) des Anthrazits, der reinsten Kohle überhaupt, bis 350 Millionen Jahre alt. Dennoch begann Friedrich Honigmann eine Bohrung für einen Förderschacht 1908 nördlich Baal in einem Grubenfeld "Helene 2" - die Nähe zur Eisenbahnlinie AachenMönchengladbach spielte eine Rolle. Allerdings stieß man erst bei 427 Metern Tiefe auf Kohle, und das noch in einer geologischen Störung. Nach weiteren erfolglosen Versuchen bei Baal/Doveren wurde 1909 auf dem Hansberg die erste Schachtbohrung vorgenommen, begünstigt durch die Entscheidung 1908, eine Eisenbahnlinie von Baal über Hückelhoven nach Dalheim-Mönchengladbach zu bauen. Im Sommer 1912 war Schacht 1 fertig. Schacht 2 war 50 Meter entfernt im Frühjahr 1912 begonnen worden, nach geologischen Schwierigkeiten und Kriegsunterbrechungen ging die Grube "Hückelhoven 2" 1917 ans niederländische Unternehmen Fentener van Vlissingen, Schacht 2 wurde 1918 fertig.

1927 wird Schacht 3 begonnen, 1930 fertiggestellt. Schon zwei Jahre später wird mit der Abteufung des Schachts 4 in Ratheim begonnen - das Ende des Bergbaus in der Innenstadt ist eingeleitet. Die Bahnlinie wurde übrigens 1911 eröffnet, der Personenverkehr 1980, der Güterverkehr mit den letzten Produkten der Sophia-Jacoba-Brikettfabrik 2007 eingestellt.

Quelle: RP
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