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Hückelhoven
Eesdron: Grauenhaftes gepaart mit Schönheit

Hückelhoven: Eesdron: Grauenhaftes gepaart mit Schönheit
Künstler Hans Kuijs erläutert bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie Eesdron in Millich seine Arbeitsweise. FOTO: Ruth Klapproth
Hückelhoven. Im ehemaligen Atelierhaus von Hans-Peter Trampert stellt dessen Wegbegleiter Hans Kuijs seine Fotocollagen aus. Von Steffanie Mosburger-Dalz

"Unbegrenzt..... Ist es das Gewissen, das die Bilder schöpft, die mir das Herz bluten lassen." Unter diesem Titel eröffnete Hans Kuijs seine aktuelle Ausstellung mit vielschichtigen Fotoarbeiten in der Galerie Eesdron in Millich.

In der Region wird Kuijs von Kunstkennern geschätzt. 2010 gehörte er zu den Künstlern, mit denen das Eesdron im ehemaligen Atelier des verstorbenen Künstlers Hans-Peter Trampert aus Hückelhoven eröffnet wurde. Kuijs war gemeinsam mit den Künstlern der Galerie L5 aus Roermond ein wichtiger Wegbegleiter und wirkte so in die Kunstszene der Region hinein.

Hans Kuijs studierte von 1966 bis 1971 Kunst und Gestaltung in Hertogenbosch. Er entwickelte sich vom Konstruktivismus zum Figürlichen. Neben Malerei, Zeichnung und Installation fotografiert er und schreibt Poesie. Seine Bildsprache schöpft fühlbar aus spiritueller Tiefe.

Kuijs zeigt in Schichten übereinander gearbeitete Fotos, bei denen Bilder aus den Medien, mit eigenen Fotos und collageartigen Elementen kombiniert, zu märchenhaften vielschichtigen Traumbildern verdichtet werden.

Anders als Dokumentarfotos aus der Kriegsberichterstattung, setzt er Bilder von Elend und Folgen der Gewalt aus Krisengebieten mit Landschaften oder symbolhaften Elementen zusammen, um transzendente Gefüge zu schaffen, die der Betrachter in seinem Bewusstsein anreichert und assoziativ mit Geschichten füllt.

Ikonenhaft hat er ein Mädchen inszeniert, deren Leichnam nach einem Gewaltakt ohne Kopf blieb. Kuijs wollte ihm einen neuen Kopf geben, um es wieder in seine Vollkommenheit und Würde zu bringen. Dazu fand er einen Kopf, der mit Rosen umsteckt märchenhaft ein vollkommenes Geschöpf aus der Kinderleiche macht. Für Kuijs ist das das Kernstück der Ausstellung, denn dieses Kind bricht ihm, wie er sagt, das Herz. Verstörend ist, wie diese Pole der grauenhaften und harten Unausweichlichkeit mit der nebelhaft ästhetischen und schönen Bildschicht zusammen wirken. Kuijs sagt dazu: "Die Bilder zeigen, dass Dualität nicht mehr besteht. Das Erschrecken ist zugleich die Schönheit vom Moment wie umgekehrt. Es reicht nicht, als Künstler schöne Kunst zu machen."

Zur Eröffnung sprach der Schriftsteller und Künstler Marcel Roncken aus Gleen (NL): "Es genügt nicht mehr, wenn ein Künstler nur froh ist, wenn das Publikum seine Arbeit schätzt, ... nur die Haut (die Oberfläche) seiner Kunstwerke streichelt. Hans ermöglicht es, die zarte Weise, mit der man sich einem Kunstwerk nähert ... zu bestrafen. Nicht mit dem Zeigefinger, sondern auf anspruchsvolle Weise, mit Bildern, die - wie eine Glasperle - das große Ganze umfassen und spiegeln, ohne ihren Glanz und Reiz zu verlieren."

Die Ausstellung bleibt bis zum 10. Juli nach Absprache zu sehen: Gronewaldstraße 94, Tel. 02433 904734.

Quelle: RP
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