| 00.00 Uhr

Hückelhoven
Ein Blick auf das Handy kann Leben kosten

Hückelhoven: Ein Blick auf das Handy kann Leben kosten
Sven (16) erzählt zwei Mädchen seine Geschichte: Kurz vor Weihnachten lief er, auf sein Handy schauend, vor ein Auto und war schwerstverletzt. FOTO: LAASER
Hückelhoven. Blindflug durch SMS? Bei der Aktion "Abgelenkt" hat die Polizei in Hückelhoven Verkehrsteilnehmern Gefahren vor Augen geführt. Von Gabi Laue

Aus dem Polizeibus ertönt der markerschütternde Schrei einer Frau. Vor einem Laptop sitzt eine junge Autofahrerin, sieht das Grauenvolle und schluckt. Sie dürfte jetzt Gänsehaut haben. Soeben hat sie ein Polizeibeamter auf der Parkhofstraße aus dem Verkehr gefischt - mit Handy am Ohr. Nun darf sie ein Video schauen. Und demnächst Bußgeld zahlen.

Mit der Präventionsaktion "Abgelenkt - Gefährliches Mail-Checken am Steuer" will die Kreispolizeibehörde Verkehrsteilnehmer wach rütteln: Ob zu Fuß, per Rad oder im Auto - die Straße benutzt man nicht "nebenbei". An dem Nachmittag führten Beamte viele Aufklärungsgespräche vor dem Rathaus, davon 42 mit angehaltenen Verkehrsteilnehmern. Aufklärung ist das Ziel. Doch zehn Autofahrer, die mit dem Handy am Steuer unterwegs waren, müssen nun mit einem Bußgeld rechnen. Fällig sind mit Gebühren 87 Euro und ein Punkt in Flensburg.

"Wir beobachten immer mehr, dass sich Leute zeitgleich mit anderen Dingen beschäftigen, was die Verkehrssicherheit extrem in Gefahr bringt", sagte Polizeihauptkommissar Norbert Schröders. Der Gruppenführer im Verkehrsdienst nannte Beispiele des Tages: Ein Fußgänger überquerte die Parkhofstraße und hielt sich wegen der grellen Sonne den Arm vors Gesicht, um auf sein Handy zu schauen. Eine Fahrerin mit der zehnjährigen Tochter auf dem Rücksitz rief gerade eine Nachricht ab. Eine Dame verzehrte ein Brötchen im fahrenden Auto. Ein abgelenkter Blick bei 20 km/h - und schon ist man 20, 25 Meter im Blindflug unterwegs. "Heute ist es unsere Intention, das den Leuten bewusst zu machen", erklärte Schröders.

Jugendliche hantieren beim Gehen mit Smartphones. So wie Sven (16), der per WhatsApp schreibend, Kopfhörer in den Ohren, vor ein Auto gelaufen ist. Übach-Palenberg, 9. Dezember, 18.55 Uhr - ein Autofahrer erfasst den plötzlich auf die Straße tretenden Jungen. Svens Erinnerung setzt zwei Tage später ein. Schädel-Hirn-Trauma, Jochbein und Kiefer geprellt, innere Blutungen, überall Schürfwunden und blaue Flecken. Neun Tage Krankenhaus, zwei Wochen Reha, bis heute Sprachstörungen - und ein mulmiges Gefühl, wenn ein Auto an ihm vorbeihuscht. Vor dem Rathaus erzählte der Jugendliche Gleichaltrigen von seinem Unfall. "Ich hoffe, dass andere von meiner Dummheit lernen", sagte er. Neben ihm Verkehrsunfallopfer-Schutzbeauftragter Frank Meuffels. Er stand Sven zur Seite, als er nach dem Unfall Angst hatte, wieder am Verkehr teilzunehmen. Meuffels bietet Hilfe für Unfallopfer, Angehörige, Freunde, Zeugen, Ersthelfer.

Ein Plakat zeigt fröhliche junge Leute im Auto. Die Warnung: "Einer ist abgelenkt, vier sterben". Wirkung zeigten im Polizeibus die Videos, grauenvoll echt wirkend. Manfred Kunst führte einen Minuten-Film vor: Jonas, 24, chattet gerne. Und schon prallt er auf ein Auto, Zeuginnen brechen schreiend zusammen. Der Sprecher: "Willst auch Du diese unglaublich magische Erfahrung machen? Alles, was Du brauchst, ist ein Handy und eine Chatfunktion." "Wir können Akzente setzen", erklärte Kunst. "Die Menschen selber sind gefordert, an sich zu arbeiten."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hückelhoven: Ein Blick auf das Handy kann Leben kosten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.