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Hückelhoven
Ein Künstler ohne Angst vor Nacktheit

Hückelhoven: Ein Künstler ohne Angst vor Nacktheit
Sie haben die Ausstellung zum Gedenken an ihren verstorbenen Kollegen Burkhart Ollertz vorbereitet: (v.l.) Lutz Laumen, Andreas Joerißen, Canthe-Vorsitzender Hans Latour, Theo Heinen und Georg Kohlen. FOTO: Renate Resch-Rüffer
Hückelhoven. Der Kunstverein Canthe zeigt im Alten Rathaus in Ratheim Werke des im Vorjahr verstorbenen Arztes und Künstlers Burkhart "Ölli" Ollertz. Enge Kollegen trafen die Auswahl der Werke und erinnern sich an die Zusammenarbeit. Von Renate Resch-Rüffer

"Schein und Sein" ist der Titel der Ausstellung im Alten Rathaus Ratheim. Sie ist ein Gedenken an den Künstler Burkhart "Ölli" Ollertz.

Betritt man die Räume, fällt der Blick zunächst auf ein unvollendetes Werk, auf einer Staffelei aufgebaut. Es ist ein Porträt von Theo Heinen, das der Künstler vor seinem Tod begonnen hat und nicht mehr fertigstellen konnte.

Hans Latour, Vorsitzender des Kunstvereins, charakterisierte Ollertz in seiner Eröffnungsrede: "Er hatte keine Angst vor dem Ende, sondern nahm dies als Teil seines Lebens, sozusagen als Ende einer Reise voll des Glückes, das Musik und Kunst ihm beschert hatten". Bei Canthe-Ausstellungen hat Ollertz oft mit seinen Flöten musiziert. Dabei spielte er nicht ausschließlich klassische Stücke, sondern wagte sich ebenso an die Avantgarde. Bezug nehmend auf den Titel der Ausstellung beendete Latour seine Einführung mit gedenkenden Worten: "Jenseits aller philosophischen oder existenziellen Fragen zum Sein möchte ich sagen, dass Ölli in jedem seiner Bilder unter uns ist."

Er zeichnete gern mit Tusche, Bleistift oder Farbstiften. Dutzende Selbstporträts sind von ihm zu sehen, die er während seines 40-jährigen Schaffens als Künstler von sich angefertigt hatte. Einen kleinen Spiegel benutzte er dazu, um sein Gesicht zu studieren. Unermüdlich hielt er die eigenen Züge in unterschiedlichen Techniken fest.

Er bevorzugte stets Alltagsmaterial als Grundlage für seine Zeichnungen und Bilder. Karton und Papier, die er irgendwo fand, mochte er besonders. Teilweise verwendete er die Faltungen des Kartons für seine Bilder. So wird beispielsweise sein Bild "Schwanengesang", das Bildnis eines Schwanes, zu einem Selbstporträt mit Engelsflügeln beim Aufklappen.

Burkhart Ollertz war Arzt. Als er von seiner unheilbaren Krankheit erfuhr, gab er seinen Beruf auf und widmete sich ausschließlich der Kunst und Musik. Dabei betrat er ungewohnte Wege. Er war nicht prüde und hatte keine Angst vor Nacktheit. Viele seiner Selbstbildnisse zeigen ihn nackt. Mal neben seinem Fahrrad, mal mit erigiertem Geschlechtsteil. Wenn er nachts nicht schlafen konnte, stand er auf und machte Selfies von sich, die er dann malte oder zeichnete.

"Frauen, Sinnlichkeit und Frauenkörper faszinierten ihn", erinnert sich Andreas Joerißen. "Wir hatten eine Ateliergemeinschaft zusammen, wir kennen uns seit 1975 und haben zusammen angefangen, Kunst zu machen", erzählt Georg Kohlen. Gemeinsam mit Theo Heinen, Andreas Joerißen und Lutz Laumen hat er aus den Werken des Künstlers eine Auswahl getroffen und die aktuelle Ausstellung vorbereitet.

Fast noch mehr als die Kunst faszinierte ihn die Musik, besonders die avantgardistische. Er komponierte sogar ein Stück für Flöte und Stein. "Entweder man mochte seine minimalistische Art zu spielen oder auch nicht", erinnert sich Joerißen. Die Art zu polarisieren, stieß nicht immer auf Gegenliebe. Der "Schein" interessierte ihn nicht, ihm ging es um das Pure, Unverfälschte.

Quelle: RP
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