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Hückelhoven
Einsichten in alte Zeiten im Ortsbild

Hückelhoven: Einsichten in alte Zeiten im Ortsbild
Erste Station beim Spaziergang durch die Brachelener Dorfgeschichte war die Foto- und Infotafel an der Annakapelle. Dieter Wolff (2. v.l.) begrüßte die Gäste, Peter Wilms (l.) gab Erläuterungen. FOTO: JÜRGEN LAASER
Hückelhoven. Nach der Foto-Info-Tour durch Brachelen plant der Heimat- und Naturverein weitere Führungen und bereitet mehr Bilder vor - von Mühlen und Menschen. Berührendes Dokument von 1919. Eine Plattdeutsch-Gruppe hat sich gegründet. Von Willi Spichartz

Mit dem jungen Heimat- und Naturverein Brachelen läuft es gut. Kürzlich traten dazu rund 60 Brachelener den Beweis mit einer Historienwanderung entlang der 15 Großfotos an, die der Heimatverein von der Annakapelle bis zur Gereonkirche installiert hat.

Weitere Fotos im Straßenbild werden bald folgen, Führungen zu den unter anderem vier Mühlen im Straßendorf sind in Vorbereitung. Eine Plattdeutsch-Gruppe hat sich ebenfalls schon gegründet. Und die lebhaften Unterhaltungen auf dem Zwei-Kilometer-Gang am Samstag zeigten, dass Brachelen für seine Geschichte sensibilisiert ist.

Henri mit seinen zweieinhalb Jahren war der jüngste Interessent, der dem Fuß-Gang allerdings den Kinderwagen vorzog. Die Gäste begrüßte Dieter Wolff als zweiter Vorsitzender des Heimatvereins an der Annakapelle, alle Generationen waren vertreten, wenn auch die mittleren und älteren die Nase vorn hatten. Die Fotos, so Dieter Wolff, sollten den Alten zur Erinnerung, den Jungen zu Einsichten in Zeiten dienen, die nicht so leicht wie die heutigen waren.

Peter Wilms hatte äußerst kundig die Erläuterungen übernommen und machte gleich Zeitdimensionen deutlich: "Die Fotos sind auf Alu-Dibondplatten aufgebracht, die Überzugfolie ist für 25 Jahre lichtecht!"

Interessant die Kreuzung Alter Steinweg/Hauptstraße/Annastraße, deren Foto eine kleine Gruppe französischer Soldaten 1919 an genau der Kreuzung zeigt. Das Foto stammt von einer Postkarte, die einer dieser Soldaten an seine Liebste daheim geschickt hatte. Fotoinstallations-Ideengeber Achim Schwehn hatte u.a. diese Postkarte ersteigert, übersetzen lassen und trug sie vor. Peter Wilms erläuterte dazu, dass aus der vierjährigen französischen Besatzungszeit viele französische Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch hängengeblieben seien. Hückelhovens Erster Beigeordneter Helmut Holländer, der den urlaubenden Bürgermeister Bernd Jansen vertrat, ergänzte dazu, dass die Nutzung der französischen Sprache vor allem auch aus der Zeit zwischen 1794 und 1815 rührte, als das linke Rheinland Teil Frankreichs, Französisch Amtssprache war.

Am Standort "Mittlere Hauptstraße" mit einem Foto von ebenfalls 1919 konnte Peter Wilms sowohl die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Brachelens anreißen wie auch Straßenzustand, Schmutz- und Regenwasserabführung. Die Straße war auch Trieb-Weg für die zahlreichen Kühe des großen Orts Brachelen, die von Berufs-Hirten in die Rurwiesen geführt worden. Der letzte Hirte dieser Art war noch bis in die 1950er Jahre in Millich unterwegs.

Da die Fotoinstallations-Aktion von Sponsoren finanziert worden ist, konnte der Heimatverein zu einer Zwischenrast mit kühlen Getränken ins Gasthaus "Zum Postmeister" einladen. Die aus dem Karneval bekannte Gruppe "Berserker" hatte allerdings selbst vorgesorgt: Ein historischer Bollerwagen konnte mehrere Kühlboxen mit Getränken jeder Art aufnehmen, der Weg war schließlich lang.

Aber nicht so lang, dass die mitrollenden Regenschirme noch zum Einsatz gekommen wären.

Quelle: RP
 
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