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Hückelhoven
Enormer Bedarf an Suchtberatung

Hückelhoven. Die Beratungsstelle für Suchtfragen in Hückelhoven wurde vor 30 Jahren gegründet. In einer Feierstunde blickten die Akteure zurück und in die Zukunft. Ein Klient erzählte seine Geschichte - und warum der Kontakt so wichtig für ihn ist. Von Anke Backhaus

Seit 1988 gibt es den ständigen Kontakt zur Beratungsstelle. Das Jahr, in dem er erkannte, dass es ohne Alkohol nicht mehr geht - und schon gar nicht mehr ohne Hilfe. Gut nur, dass es zu dieser Zeit bereits die Beratungsstelle für Suchtfragen in Hückelhoven gab.

Der Klient, der bewegend seine eigene Suchtgeschichte erzählte, stand stellvertretend für all' diejenigen, die seit drei Jahrzehnten die Beratungsstelle aufsuchen. Beim 10. Hückelhovener Suchtforum stand die Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen der Beratungsstelle auf der Tagesordnung. Mitarbeiter und Leitungskräfte aus der stationären und ambulanten Suchthilfe, der Psychiatrie, dem Betreuten Wohnen, Ärzte, Psychotherapeuten und viele weitere Akteure waren gestern nach Hückelhoven gekommen, um auf die 30 Jahre zurückzublicken.

Herbert Hamann, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes für den Kirchenkreis Jülich, erinnerte sich noch gut an die Anfänge: "1984 war es, als die Mitarbeiter der evangelischen Jugendarbeit in Hückelhoven erkannten, dass es immer mehr Jugendliche mit Suchtproblemen gab. Anlaufstellen gab es für sie jedoch nicht. Nachdem wir die Mitarbeiter der katholischen Jugendarbeit hinzugezogen hatten, begannen gute Gespräche, an denen auch die kommunale Politik beteiligt war. Jedem war klar: Wir müssen etwas tun." Als Kooperationspartner kam der Caritasverband für den Kreis Heinsberg hinzu. "Wir haben unseren Grundsatz, Not zu sehen und zu handeln, umgesetzt und so christliche Grundwerte miteinander verbunden", schob Hermann-Josef Ronkartz, Abteilungsleiter beim Caritasverband für den Kreis Heinsberg, hinterher.

Mit den Ideen rannte man beim Kreis Heinsberg, bei dem damals auch schon Dr. Karl-Heinz Feldhoff, der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, tätig war, offene Türen ein. "Es ging ja insgesamt um eine flächendeckende Versorgung im Kreis Heinsberg. Hückelhoven hat sich als zentraler Punkt im Kreisgebiet etabliert", so Dr. Feldhoff.

Marlies Trapp, die Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen, erläuterte, weshalb gerade die ambulante Betreuung der suchtkranken Menschen so wichtig ist. "Natürlich brauchen wir auch die stationäre Betreuung. Doch suchtkranke Menschen, die noch in der Lage sind, ihrer Arbeit nachzugehen und in der Familie zu leben, können gut ambulant betreut werden. Vor allem: Mit der ambulanten Betreuung haben wir Chancen, die Menschen viel früher zu erreichen." Mit Blick auf junge suchtkranke Menschen wünscht sich die Expertin eine viel engere Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Jugendhilfe und Suchthilfe, hier müsse es künftig einen noch besseren Austausch geben, um gezielte Hilfen leisten zu können.

Danach berichtete der Klient weiter. Im Alter von 15, 16 Jahren kam er erstmals mit Alkohol in Berührung. "Trinken wurde normal", sagte er. Er erkannte zwar sein Problem und wollte es selbst schaffen, vom Alkohol loszukommen, doch eine Langzeittherapie wurde unumgänglich. Obwohl der stationäre Aufenthalt erfolgreich war, folgten Rückfälle. Immer wieder steuerte er die Beratungsstelle in Hückelhoven an - der Kontakt bleibt nach wie vor wichtig. Mit Blick auf die Zukunft, und da waren sich alle Akteure einig, müsse man die gesellschaftliche Entwicklung im Blick haben. Klar sei, dass die Beratungsstelle für Suchtfragen ein wichtiges Instrument bleibt, den Menschen individuelle Hilfestellungen zu bieten. Das 10. Hückelhovener Suchtforum schloss mit einem kollegialen Austausch, bei dem die Experten die Gelegenheit wahrnahmen, miteinander gut ins Gespräch zu kommen.

Quelle: RP
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