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Hückelhoven
Erinnerungen im Museum der "Mangeböamer" ausgetauscht

Hückelhoven: Erinnerungen im Museum der "Mangeböamer" ausgetauscht
Hilfarther haben immer gut und gern gefeiert. Hier mit berittenen Veteranen von vor und aus dem 1. Weltkrieg in ihren Uniformen, vermutlich Ecke Marien-/Breitestraße. FOTO: STADTARCHIV
Hückelhoven. Hilfarther Geschichten- und Geschichtsabend im Korbmachermuseum. Von der Brautschau der Protestanten und dem "Hilfarthland".

"Mangeböamer" kannten fast alle, "Plattfotte" eigentlich niemand. Alle, das war mehr als eine halbe Hundertschaft Hilfarther plus einiger Hückelhovenern und Ratheimer, die im Korbmachermuseum Geschichte und Geschichten hörten und erzählten. Die Rurtalkorbmacher und der Arbeitskreis (AK) Hückelhoven im Heimatverein der Erkelenzer Lande hatten zum Erzählabend "Geschichte und Geschichten aus Hilfarth" geladen, für die die Vorsitzenden und Leiter Heinz Knur und Willi Spichartz gut aufgelegte, beteiligungsfreudige Zuhörer begrüßten.

Den Begriff "Plattfotte" hatte der frühere Leiter des Kreismuseums, Leo Gillessen, in einer Abhandlung über die Schmähbegriffe, die viele Dörfer über ihre Nachbarorte entwickelt hatten, für Hilfarth entdeckt, wie AK-Leiter Willi Spichartz darlegte. Der Begriff bezog sich auf den Korbmacher. Der bei seiner Arbeit auf einem schrägen Holz, der "Plank", saß und sich dabei den Hintern, die Fott, platt (flach) saß, hatte Gillessen im Heimatkalender des Kreises im Jahr 2002 geschrieben, nachzulesen unter dem Titel "Von 'Döppesschürjer' und 'Schanserömele'". Das überzeugte keinen Hilfarther wie auch die Hückelhovener und Ratheimer nicht, "Mangeböamer" ist und bleibt der plattdeutsche Begriff für den Korbmacher, wobei die "Mang" für den Korb steht, und "Böamer" für den Produzenten des "Boams", des Bodens für den Korb, mit dem jeder Flechtvorgang beginnt.

Eingeführt in den Abend hatten die alten Hilfarther Johannes Dieck und Lambert Hensen mit einer Reihe Geschichten und Anekdoten über Hilfarther, über deren Gebräuche zu Festen und über das Korbmacherhandwerk und dessen Menschen. Hilfarth hatte recht früh eine Minderheit an Protestanten, die reisefreudig sein mussten, um in anderen Orten wie Schwanenberg und Wickrath in den dortigen Protestanten-Minderheiten Partnerinnen und Partner fürs Leben zu finden. Der Vorsitzende des Vereins für Kammermusik, con brio, der Hilfarther Rudolf Lengersdorf, löste Betrachtungen über das Musikleben mit seinen humorvollen Darlegungen vor allem über die legendäre Musikgruppe "Spennches" aus, die mit Instrumenten und teils sehr frechen Texten seit den 1950-er Jahren das Orts- und Weltgeschehen aufs Korn nahmen.

Alte Bilder aus dem Stadtarchiv Hückelhoven regten zu weiteren Erzählungen über die früheren Lebensarten an, die mehr von Gemeinsamkeiten und Treffen im täglichen Leben vor den Wohnungen als von Fernseher und Computer geprägt waren. Aber auch von den Festen im feierfreudigen Hilfarth.

Auch die Endphase des Zweiten Weltkriegs blieb nicht außen vor, allein der Einschlag einer gewaltigen Luftmine am 22. Mai 1944 forderte 19 Tote und viele Verletzte. Augenzeugen konnten über diesen Tag und dessen Folgen berichten. Lambert Hensen hatte neben seiner Gitarre eine Reihe populärer Stücke im Gepäck, das Klavier gehört ohnehin zur Einrichtung des Museums. Gemeinschaftlich wurde gesungen, abschließend das "Hilfarthland", von Lambert und Jakob Hensen selbst getextet, zur Melodie von "Lipperland", wo Hilfarther in der Evakuierung 1944/1945 waren.

Quelle: RP
 
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