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Hückelhoven
Experte: Syndikat 52 in der Region aktiv

Hückelhoven. Aufkleber und Graffiti-Sprühaktionen im Hückelhovener Stadtgebiet: Rund fünf Jahre nach dem Verbot der Kameradschaft Aachener Land, kurz KAL, hinterlässt die Gruppe "Syndikat 52" unter anderem in der Nähe der evangelischen Friedenskirche in Ratheim, an Bushaltestellen am Schulzentrum, in der Hückelhovener Skateranlage sowie an Einkaufszentren der ehemaligen Zechenstadt deutlich sichtbare Zeichen. Von Daniela Giess

Bei der Vollversammlung des Bündnis gegen Rechts informierte der Aachener Journalist Michael Klarmann die Mitglieder über die Machenschaften des Syndikats, das als KAL-Nachfolgeorganisation zu verstehen sei und sich zum Ziel gesetzt habe, verstärkt Jugendliche anzuwerben. Klarmann, seit Jahren ausgewiesener Kenner der rechten Szene im Raum Aachen und Kreis Heinsberg und als Referent regelmäßig an Schulen zu Gast, machte in seinem knapp einstündigen Vortrag deutlich, dass die Neonazis sich zum Ziel gesetzt hätten, alte Strukturen wieder aufzubauen und dabei "Tarnlabels" sowie harmlos klingende Namen für Veranstaltungen zu nutzen. So sei beispielsweise erst kürzlich zu einer "Ballermannfete" in einen Hückelhovener Stadtteil eingeladen worden, der Vermieter habe nicht gewusst, wer die Räume wirklich anmiete. Frühere KAL-Aktivitäten würden unter dem Tarnnamen "Syndikat 52" oder "S 52" fortgesetzt, wobei die Zahl 52 für den Postleitzahlenbereich für Aachen und Heinsberg stehe. Besonders in der Kreisstadt Heinsberg, aber auch in Hückelhoven seien zurzeit verstärkt Neonazi-Aktivitäten mit Aufklebern und Graffitis festzustellen. In der Region träten oft rechtsradikale Bands auf, etwa die Formation "Kategorie C" aus Bremen, die einmalig bei der Rockergruppe "Outlaws" in Baal gespielt habe. "Die Outlaws haben aber nichts mit organisierten Rechtsextremen zu tun, auch wenn die Band da gespielt hat", betonte Klarmann. In einer Heinsberger Bürgerhalle habe im November 2016 ein rechtsradikales Musikfestival mit 300 bis 400 Teilnehmern stattgefunden.

Für eine als "Ballermann-Party" ausgewiesene Veranstaltung habe man den Raum für eine angebliche Familienfeier in einem Hückelhovener Stadtteil angemietet, in Erkelenz sei zu einer "Führer-Geburtstagsfeier" eingeladen worden. Diese Treffen würden, so der Experte für die rechte Szene, immer konspirativ organisiert; Teilnehmer erführen dabei erst kurz vorher den Veranstaltungsort.

"Ende 2016, Anfang 2017 ist es in Hückelhoven regelrecht explodiert", so Klarmanns Einschätzung der Entwicklung der rechten Jugendszene. Nachdem die KAL 2012 verboten worden sei, hätten die Verantwortlichen eine Gesetzeslücke entdeckt, indem man das "Syndikat 52" als Freizeitorganisation innerhalb des Heinsberger Kreisverbands der Partei Die Rechte agieren lasse.

"Je mehr Aufkleber wir abknibbelten, desto mehr kamen nach", berichtete Pfarrerin Susanne Bronner. Und: "Nach und nach wurde offenbar, dass hier in der näheren Umgebung Menschen mit rechter Gesinnung leben." Die evangelische Geistliche rief dazu auf, das eigene Bewusstsein zu schärfen. "Es darf keine Gewöhnung geben, keine Verharmlosung." Man müsse Stellung beziehen, handlungsfähig bleiben oder werden. "Unsere Gesellschaft ist ein gutes Stück nach rechts gerückt."

Quelle: RP
 
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