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Hückelhoven
Geschichten vom fruchtbaren Brachelen

Hückelhoven: Geschichten vom fruchtbaren Brachelen
Eine Ansichtskarte Brachelens von 1906 mit der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Villa Kemper (oben r.), zu der eine auch zerstörte Mühle gehörte, sowie der Bahnhofsgaststätte, heute Lokal "Zum Postmeister" (unten r.). FOTO: WILLI SPICHARTZ
Hückelhoven. Brachelen war vor 200 Jahren die größte Siedlung im Gebiet des heutigen Kreises Heinsberg. Thema beim Erzählabend.

Sogar die landwirtschaftliche Qualität der Ackerböden bei Brachelen wurde zum Thema beim jüngsten Erzählabend des Arbeitskreises Hückelhoven (AKH) im Heimatverein der Erkelenzer Lande "Geschichten aus der Geschichte von..." in der Brachelener Gaststätte "Zum Postmeister".

AKH-Leiter Willi Spichartz hatte den Abend eingeleitet mit einer Erläuterung des Erzählabends als einer öffentlichen Begegnungsmöglichkeit in den Stadtteilen, wobei Austausch und Information zu allen Themen möglich sind. Zum Einstieg wartete der AKH-Leiter mit Informationen zur Geschichte von Brachelen auf, die er als recht gut dokumentiert durch die verstorbenen Forscher und Darsteller Josef Brings und Bodo Volkmann, aktuell durch den Missionskreis der Pfarre St. Gereon mit Andreas Kochs und Peter Körfer bezeichnete.

Im Jahr 1818 war Brachelen mit 1942 Einwohnern die größte Kommune zumindest im Gebiet des heutigen Kreises Heinsberg, in der Region hatte nur die alte Herzogstadt Jülich mehr als 2000 Einwohner. Nach Brachelen hatten Erkelenz 1626, Heinsberg 1601, Geilenkirchen 499, Hückelhoven und Ratheim etwa je 600 Bewohner. Selbst 1850, als Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg schon 15 Jahre Kreisstädte waren, zählte Brachelen mit 2500 Einwohnern hinter Jülich mit 2700 mit Abstand die meisten Bürger. 1818 stellte Brachelen 25 Prozent der Bevölkerung des heutigen Stadtgebiets Hückelhoven. Und auch wirtschaftlich, so AKH-Leiter Spichartz, war Brachelen zu Beginn des 19. Jahrhunderts analog zur Einwohnerzahl die potenteste Gemeinde im weiten Umkreis mit rund 100 Handwerksbetrieben in 21 Branchen.

An diese Fakten schlossen sich Erörterungen der "Geschichten-Erzähler" über die Grundlagen dieser Entwicklung an, die in der Fruchtbarkeit der Böden in und um Brachelen gesehen wurde, denn das Dorf liegt lang gestreckt am Rand des Rurtals mit Wiesen für Tierhaltung unten und Getreideanbau an der steigenden Rurterrasse mit Lössboden. Darüber hinaus spielte der Kapbusch als Wirtschaftswald für Holz und Schweinemast eine bedeutende Rolle. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sei 1865, so Spichartz, mit der Gründung des Maria-Hilf-Hospitals für Brachelen entwickelt worden, neben dem 1861 in Heinsberg entstandenen Krankenhaus die einzige derartige Einrichtung zwischen Mönchengladbach, Düren und Aachen.

Weiteres Thema war der Zweite Weltkrieg, von dem Teilnehmer noch aus eigener Anschauung berichten konnten. Brachelen war der erste Stadtteil im heutigen Hückelhoven, den der Bodenkrieg erreichte, der am 26. Januar 1945 von den Amerikanern eingenommen wurde - was sogar der "New-York-Times" eine Meldung auf der Titelseite wert war. Den aus der Evakuierung heimkehrenden Einheimischen bot sich im Frühjahr 1945 ein wohl deprimierendes Bild mit zerstörten Häusern und Ackerflächen um das Dorf, die durchlöchert, mit Schützengräben durchzogen, vermint und total verunkrautet waren, da seit September 1944 nicht mehr bearbeitet. Die Beseitigung der Minen kostete Tote und Verletzte, musste aber geleistet werden, um mit der Ernte im Sommer/Herbst die Nahrungsversorgung sicher zu stellen.

Schließlich zeigten sich die Teilnehmer des Erzählabends mit der Entwicklung der Hückelhovener Innenstadt zur Einkaufs-City Nr. 1 der Region mehr als zufrieden: "Hückelhoven ist eine schöne Stadt geworden, schöner als die anderen in der Umgebung", hieß es dazu.

Quelle: RP
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