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Hückelhoven
Hauptgang: interkultureller Austausch

Hückelhoven: Hauptgang: interkultureller Austausch
Türkische Frauen verrieten die Feinheiten ihrer Back- und Kochkünste in einem Kursus im Hückelhovener Moschee-Gebäude. Deutsche Frauen und eine Russin waren mit Begeisterung dabei. Und das Ergebnis schmeckte. FOTO: JÜRGEN LAASER
Hückelhoven. In der Hückelhovener Moschee sind deutsche und türkische Frauen zusammengerückt: Gemeinsam Kochen stand zum Abschluss der "Internationalen Wochen gegen Rassismus" auf dem Plan. Dabei ging es um mehr als Rezepte. Von Jessica Balleer

Die Zutaten für das Menü des Kochkurses sind bekannt: Hackfleisch, Auberginen und Paprika, auch Blätterteig und Rübenkraut kennt und schätzt man in deutschen Küchen. Es sind die Gewürzdosen in der Großküche der Moschee, die die deutschen Kursteilnehmerinnen genauer begutachten: Kreuzkümmel, Peperoni, Sesamsaat oder Karabiber (schwarzer Pfeffer) sind es, die die Lebensmittel in echte türkische Spezialitäten verwandeln. "Der König der Gewürze fehlt nie", erklärt Meral Kalayci, Frauen- und Mädchenbeauftragte der Gemeinde an der Ludovicistraße ihren deutschen Zuhörerinnen, die sich dicht um die Arbeitsfläche drängen, "das ist das Pul Biber."

Seit sieben Jahren gibt es den interkulturellen Kochkursus bereits, den die türkische Gemeinde mit der Volkshochschule anbietet. Drei bis vier Mal im Jahr ist die Hückelhovener Moschee Treffpunkt der Frauengruppen, um sich auszutauschen. Vor allem in diesen Tagen passt das Angebot in die Stimmung der Stadt: Gerade haben die "Internationalen Wochen gegen Rassismus" ihren Abschluss gefundnen.

Echte Handarbeit war gleich zu Beginn des Kurses angesagt. Küchenmaschinen seien "schön und praktisch", so Meral Kalayci. Aber um einen perfekten Hefeteig für türkische Sesamringe (Simit) zu formen, helfe nur der beherzte Griff in die Knetmasse. Während sie die Arbeitsschritte erklärte, übernahm Hatice Savuran das Formen. Dann durften auch die Gäste zugreifen. "Beim Zugucken sah das Formen der Sesamringe leichter aus", sagte Nailya Khaertdinova, die für noch mehr Internationalität sorgte: Die Russin war zum ersten Mal bei dem deutsch-türkischen Kochkursus dabei, bei dem Einblicke in die türkische Esskultur gegeben werden und die Türen der Moschee weit offen stehen. "Beim Kochen rückt man zusammen, so werden schnell Barrieren abgebaut", sagte Meral Kalyci. Ihre türkischen Helferinnen teilten sogar ihre Küchen-Geheimnisse: Originalrezepte und Erfahrungswerte wurden mit den deutschen Frauen ausgetauscht. Monika Görtz und Tochter Caren aus Unterbruch wie auch Silvia Szymkowiak aus Wegberg hatten schon einige Tipps aus den letzten Kursen mitgenommen und Rezepte, wie Lahmacun (türkische Pizza) oder überbackenes Porreegemüse, für die Familie nachgekocht.

"Afiyet olsun" - "Guten Appetit" wünschten sich alle nach drei Stunden Lebensmittelkunde und einer Führung durch die Moschee. Die Frauen konnten das Verlangen stillen, das in den Stunden gewachsen war und durch den Duft der Gewürze befeuert wurde: Gefüllte Auberginen, gebackene Kartoffeln, Sesamringe und süßes Baklava kamen auf den Tisch. "Jetzt weiß ich, warum dieser Kursus immer sofort ausgebucht ist", sagte Nailya Khaertdinova. Kreuzkümmel und Pul Biber, das rote, getrocknete Chilipulver, "König der Gewürze", das für Schärfe und Würze sorgt, werden bald auch in ihrem Gewürzregal stehen.

Quelle: RP
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